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Regierung verzichtet auf Quarantäne bei Einzelinfektionen
Politik 3 Min. 25.09.2020

Regierung verzichtet auf Quarantäne bei Einzelinfektionen

Wenn eine Klasse innerhalb der Schule wegen eines positiven Falles isoliert wird, gilt Mundschutzpflicht für alle.

Regierung verzichtet auf Quarantäne bei Einzelinfektionen

Wenn eine Klasse innerhalb der Schule wegen eines positiven Falles isoliert wird, gilt Mundschutzpflicht für alle.
Foto: dpa
Politik 3 Min. 25.09.2020

Regierung verzichtet auf Quarantäne bei Einzelinfektionen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Regierung hat beschlossen, die Teilquarantäne im Schulwesen aufzuheben. Im Falle einer Einzelinfektion wird keine Quarantäne, aber eine Empfehlung für den privaten Bereich ausgesprochen.

Als das Syndicat national des enseignants (SNE) am Freitagvormittag seine Pressekonferenz abhielt, herrschte nach wie vor große Verwirrung wegen der ominösen Teilquarantäne, in der sich gut 100 Lehrer befanden. Während die Gewerkschaft sich vor der Presse über die aus ihrer Sicht unangemessene Maßnahme beschwerte und generell chaotische Zustände wegen widersprüchlicher Anweisungen und unklaren Prozeduren anprangerte, brütete die Regierung über einer Lösung für das Quarantäneproblem. 


Ein Lehrer darf trotz Quarantäne-Anordnung zur Arbeit. Eine außerordentliche Erlaubnis macht es möglich.
Lehrer trotz Quarantäne in der Schule
Obwohl er sich eigentlich in Quarantäne befindet, darf ein Lehrer weiter Schule halten. Der Fall wirft Fragen auf und sorgt für Diskussionen.

Die Auflösung kam am Nachmittag. Bildungsminister Claude Meisch (DP) und Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) verkündeten gerade rechtzeitig vor dem Wochenende den Kompromiss, auf den man sich in der Regierung einigen konnte. Die partielle Quarantäne im Falle einer Einzelinfektion in einer Klasse (Szenario 1) ist vom Tisch. 

Damit greift das Stufenmodell, so wie es eigentlich von Anfang an gedacht war: Im Falle einer Einzelinfektion werden weder Schüler noch Lehrer unter Quarantäne gestellt. Die Klasse wird innerhalb der Schule isoliert, funktioniert normal weiter, allerdings mit Maskenpflicht. Die Schüler dürfen nicht mit anderen Schülern in Kontakt kommen, deshalb ist unter anderem die Schulkantine in dieser Zeit tabu. Getestet wird am sechsten Tag. Sind alle Tests negativ kehrt die Klasse wieder zurück zur Normalität. 

Was tun außerhalb der Schule? 

Paulette Lenert ist wichtig, das Risiko auch außerhalb der Schule möglichst gering zu halten. Die Santé verzichtet nun also auf eine Quarantäne zugunsten einer Empfehlung an die Betroffenen, sich vorsichtig zu verhalten und ihre Kontakte so gering wie möglich zu halten, wie Lenert erklärte. 

Wir stehen wir voll und ganz hinter dem Stufenmodell.

Paulette Lenert, Gesundheitsministerin

Das bedeutet in der Folge natürlich auch, dass die Kinder in der Zeit bis zum Test nicht in die Betreuungsstrukturen gehen sollen. Um ihre Kinder betreuen zu können, können die Eltern außerhalb der Schulzeit auf den Congé pour raisons familiales zurückgreifen. 

In Szenario 2 werden die Schüler unter Quarantäne gestellt – der Lehrer je nachdem, wie eng der Kontakt zu dem Infizierten war und ob er einen Mundschutz trug. Die Schüler werden zu Hause im Live-Stream unterrichtet. Das Bildungsministerium ist dabei, das dafür notwendige informatische Material anzuschaffen, um sicherzustellen, dass jeder Schüler von zu Hause aus am Unterricht teilnehmen kann.

Wir haben Klarheit über die Prozeduren, über die Abläufe und Klarheit darüber, wann es zu einer Quarantäne kommt und wann nicht.

Claude Meisch, Bildungsminister

Vorläufige Zahlen

Claude Meisch zufolge hat es in den öffentlichen Grundschulen zwischen dem 15. und dem 25. September 60 Fälle (Szenario 1) und drei Fälle (Szenario 2) gegeben. In den öffentlichen Sekundarschulen waren es 31 Fälle (Szenario 1) und zwei Fälle (Szenario 2). In den privaten Grundschulen waren es 13 Fälle (Szenario 1) und in einer privaten Sekundarschule vier Fälle (Szenario 3)Vor Schulbeginn wurden 139 Schüler zwischen drei und 20 Jahren positiv getestet


Im Szenario 1 des dreistufigen Schulmodells werden Schüler und Lehrer privat unter Quarantäne gestellt, zum Unterricht müssen sie erscheinen.
Schulen und Corona: Kalkuliertes Risiko
Die Regierung hat im Schulwesen eine partielle Quarantäne eingeführt, dies aber so nicht angekündigt - und Verwirrung ausgelöst.

Meisch zeigte sich zufrieden mit der nun gefundenen Regelung. „Wir haben Klarheit über die Prozeduren, über die Abläufe und Klarheit darüber, wann es zu einer Quarantäne kommt und wann nicht.“ Der Bildungsminister unterstrich noch einmal das geringe Infektionsrisiko in den Schulen, „wenn sich an die Sicherheitsmaßnahmen gehalten wird“. Auch Paulette Lenert unterstrich das geringe Risiko. „Das belegen Studien, aber auch unsere Zahlen zeigen, dass es so ist. Von daher stehen wir voll und ganz hinter dem Stufenmodell“, so Lenert.

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