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Regierung in Trauer
Politik 6 Min. 17.05.2018

Regierung in Trauer

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Nicht nur die Regierung ist nach dem Tod von Staatssekretär Camille Gira in tiefer Trauer. Die Fahnen werden für drei Tage auf Halbmast gesetzt.


Camille Gira war seit 1982 politisch aktiv. Mit ihm verliert Luxemburg einen engagierten Vertreter der grünen Idee.
Camille Gira war seit 1982 politisch aktiv. Mit ihm verliert Luxemburg einen engagierten Vertreter der grünen Idee.
SIP

Die nationale Politik ist in Trauer: Im Alter von nur 59 Jahren ist am Mittwoch der Staatssekretär im Umweltministerium, Camille Gira verstorben. Gira hatte am Rednerpult der Chamber einen Herzinfarkt erlitten und war wenig später im Krankenhaus an Herzversagen gestorben. Reaktionen aus Politik und Gesellschaft ließen nicht auf sich warten.

Fahnen auf Halbmast

Allen vorab trauern die Regierungsmitglieder um ihren Kollegen. Aus diesem Grund erging an alle öffentlichen Verwaltungen die Aufforderung, die Flaggen von Donnerstag bis Samstag auf Halbmast zu setzen.

Auf der Place Clairefontaine im Regierungsviertel stehen die Fahnen seit Donnerstagmorgen auf Halbmast.
Auf der Place Clairefontaine im Regierungsviertel stehen die Fahnen seit Donnerstagmorgen auf Halbmast.
Foto: Christophe Olinger

Zudem wurde die Sitzung des Ministerrats von Freitag abgesagt. Stattdessen versammeln die Minister und Staatssekretäre sich, um ihrem verstorbenen Freund und Kollegen zu gedenken.

Im Staatsministerium wird ein Kondolenzbuch ausgelegt. Es kann am Donnerstag zwischen 14 und 18, am Freitag von 8 bis 18 Uhr und am Samstag zwischen 10 und 16 Uhr unterzeichnet werden.

Großherzogliches Paar ist bestürzt

Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa drückten am Donnerstagmorgen  in einem Telegram an die Witwe von Camille Gira ihre Bestürzung und ihr Mitgefühl aus. Zugleich würdigen sie den Verstorbenen für seinen Einsatz und seine Ausdauer beim Umsetzen seiner Ideen und Überzeugungen.

Parlament sagt Sitzung ab

Allen voran drückte Parlamentspräsident Mars di Bartolomeo am Mittwochabend der Familie des Politikers sein Beileid aus, nachdem er in Absprache mit den Fraktionspräsidenten die für Donnerstag angesagte Sitzung der Chamber aus Respekt abgesagt hatte.


Camille Gira im Alter von 59 Jahren verstorben
Camille Gira ist tot. Der Staatssekretär im Umweltministerium hatte am Mittwoch in der Chamber mitten in seinem Redebeitrag einen Schwächeanfall erlitten und war ins Krankenhaus gebracht worden. Dort starb er an Herzversagen.

Lesen Sie hier den Wortlaut seiner Mitteilung:

"D’Chamber ass déif getraff. Nodeem de Staatssekretär Camille Gira an der Plenière zesummegaangen an duerno verscheet ass, ass d’ëffentlech Sëtzung vun Donneschdeg ofgesot. Dat huet de Chamberpresident Mars Di Bartolomeo zesumme mat de Fraktiounscheffen decidéiert, aus Respekt virun de Gefiller vun der Famille, vun de Frënn an all senge Kollegen.

D’Chamber dréckt der Famille vum Camille Gira hiert éierlecht an déifste Matgefill mat."

Premierminister bestürzt in Sofia

Regierungschef Xavier Bettel weilt derzeit in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, wo die EU-Staats- und Regierungschefs über die Westbalkanländer und die transatlantischen Spannungen beraten. Bettel ließ sich, nachdem er die traurige Nachricht aus Luxemburg erfahren hatte, vom belgischen Premier Charles Michel auf einem Abendessen vertreten und würdigte Camille Gira per Twitter als Freund  und Kollegen:

Von LW-Journalist Diego Velazquez auf die traurige Nachricht angesprochen, meinte er:

Ich bin tief bestürzt und sehr traurig. Es ist für mich auch heute noch kaum zu fassen, dass Camille Gira uns nicht mehr auf unserem Weg begleiten kann. Er war ein unglaublich engagierter und passionierter Politiker, der seine Ideale stets vor sich selbst gestellt hat und für seine Überzeugungen, für grundlegende Werte, wie Solidarität, Toleranz, Menschenrechte, Respekt vor Mensch und Natur gekämpft hat. Vor allem war Camille aber auch ein unendlich liebenswerter Mensch, der uns allen sehr fehlen wird und ich fühle heute inbesondere mit seiner Frau, seinen beiden Söhnen, seiner Familie und all denen, die im nahe standen und ihm die Kraft gegeben haben, die ihn stets angetrieben hat. Sie brauchen nun alle Kraft, die man sich nur vorstellen kann. 

Offizielles Schreiben der Regierung

 Auf RTL bezeichnete er ihn als einen "ehrlichen Politiker, der stets für seine Ideen kämpfte", bevor ihm die Worte fehlten. Gira hinterlasse, so Bettel weiter, ein großes Loch in der politischen Familie. In einer offiziellen Mitteilung der Regierung hob er den Einsatz von Gira in Sachen Toleranz, Solidarität und Respekt, sowie seine Ausdauer in puncto Natur- und Umweltschutz mit folgenden Worten hervor.

« Dans ses mandats politiques, que ce soit au niveau communal ou au niveau national, Monsieur Gira a toujours fait preuve d’un dévouement exemplaire. Il s’est également engagé tout au long de sa carrière politique pour les valeurs fondamentales de tolérance, de solidarité et de respect. Outre cet engagement, il a été un porte-parole passionné par ses convictions écologiques, notamment la protection des ressources naturelles et l’environnement »

"Äddi Camille"

Auf ihrem Online-Portal verabschiedem déi Gréng sich mit den Worten "Äddi Camille" von einer ihren wichtigsten Persönlichkeiten. Der Leser wird zum Facebook-Auftritt der Partei weitergeleitet, wo dieser Post zu sehen ist:

Familienministerin Corinne Cahen drückte ihre Trauer und Bestürzung ebenfalls auf Facebook aus:

"De Camille war net nëmmen en iwwerzeegten an engagéierte Politiker, hien ass virun allem en immens léiwe Mënsch gewiescht (et fält mer schwéier am Passé ze schreiwen). Ëmmer hëllefsbereet, ëmmer frëndlech, an ëmmer huet en seng Iddien argumentéiert.

Et war eng Éier fir mech, déi puer Joer zesumme mam Camille an der Regierung gewiescht ze sinn. Hie war an der Politik wéi am richtege Liewen: sympathesch, iwwerzeegt, an einfach en immens léiwe Mënsch."

"Tiefes Beileid" und "riesengroße Trauer"

Finanzminister Pierre Gramegna twitterte der betroffenen Familie sein Beileid:

Nachhaltigkeitsminster François Bausch twittert von "enormer Trauer"


Die Parteifreunde Bausch und Gira kämpften jahrelang Seite an Seite für den Umweltschutz.
Die Parteifreunde Bausch und Gira kämpften jahrelang Seite an Seite für den Umweltschutz.
Foto:Guy Jallay

"Umgefallen wie eine Eiche im Sturm"

Grünen-Ko-Präsident Christian Kmiotek hatte am Abend bereits in einem angesichts der dramatischen Umstände, wie der Staatsselretär am Rednerpult des Parlaments den Herzinfarkt erlitten hatte, als er "sein" Naturschutzgesetz erläuterte, getwittert, Camille Gira  sei "ëmgefall wéi eng Eech am Stuerm". Zudem hatte er die Geradlinigkeit des engagierten Grünen unterstrichen.

Mouvement Ecologique

Blanche Weber, Präsidentin des Mouvement Ecologique zeigt sich als langjährige Wegbegleiterin des Verstorbenen ebenfalls betroffen:

"De Camille war vun den 80ger Joren un aktiv am Mouvement Ecologique, esouwuel um regionalen Niveau wéi och am nationale Verwaltungsrot. Mat senger Iwwerzeegung, senger Leidenschaft, senger Mënschlechkeet, mee awer och mat sengem Humor, huet hien eis Iddien vun der ekologescher Gemengepolitik, der Regionalentwécklung an dem Natur- a Klimaschutz staark gepräägt a entscheedend no fir bruecht.

De Camille war mat den éischte Buergermeeschter, dee gewisen huet, wat Biergerbedeelegung ka bréngen, wéi wichteg et ass nei Iddien, déi vun ënne kommen, ze ënnerstëtzen an drun ze gleewen, duerch hien konnte ganz vill Iddien reell ëmgesat a virgelieft ginn.

Säi Wee gouf dono e parteipoliteschen, ma d’Verbonnenheet mat dem Mouvement Ecologique an de mënschleche Mateneen ass an engem aussergewéinleche Moss bliwwen. Och wann een a senger neier Funktioun kontradiktoresch a lieweg zesummen diskutéiert huet – an dat konnt ee mam Camille besonnesch gutt – wousst een ëmmer: dem Camille goung et ëm d’Saach. Sein Engagement fir d’Cause, fir déi hien agetratt ass, seng Wäerter, seng Idealer ware vun enger immenser Eierlech- a Gradlinnegkeet.

Hien huet villes beweegt, fir eis Gesellschaft méi liewenswäert ze maachen. Ma virun allem wäerte mir hien an Erënnerung behalen als e besonnesch léiwe Mënsch, als e gudde Frënd, mat deem een sech wuel gefillt huet an och gäre gelaacht huet. "

Aus Belgien ...

Der wallonische Minister für die Großregion, René Collin, bedauert am Donnerstag den Verlust eines "kreativen und innovativen Staatsmannes":

« Le Luxembourg perd un homme d'État engagé, créatif et novateur. La Grande Région perd un militant convaincu et mobilisateur. La Wallonie perd un partenaire fidèle impliqué dans tant de projets communs. Je perds un Collègue apprécié avec qui je partageais tant de visions communes pour l'avenir de nos territoires voisins. »

Nicht nur politisch aktiv ...

Auch die Handballfederation zeigt sich bestürzt. Auf Facebook würdigt sie den Politiker, der dieser Sportart verbunden war und mit seinem Engagement den Handball während seiner Präsidentschaft förderte:

"De Camille huet zu eiser Handballfamill gehéiert an huet mat ganz vill Engagement versicht an de Jore vu senger Presidence den Handball ze promouvéieren. Hie war bis zum Schluss der Federatioun an dem Handball déif verbonnen, a seng Ënnerstëtzung fir eis Nationalequipe war ëmmer grouss".l