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Regierung hebt Klassensplitting auf
Politik 4 Min. 18.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Regierung hebt Klassensplitting auf

Abgesehen von der Zusammenlegung der Gruppen soll sich nichts ändern. Das bedeutet, dass die Schüler in der Klasse keinen Mundschutz tragen müssen, auch wenn der Abstand weniger als zwei Meter ist.

Regierung hebt Klassensplitting auf

Abgesehen von der Zusammenlegung der Gruppen soll sich nichts ändern. Das bedeutet, dass die Schüler in der Klasse keinen Mundschutz tragen müssen, auch wenn der Abstand weniger als zwei Meter ist.
Foto: Lex Kleren
Politik 4 Min. 18.06.2020 Aus unserem online-Archiv

Regierung hebt Klassensplitting auf

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Trennung der Grundschulklassen war mit einem wahnsinnigen Aufwand verbunden. Nach vier Wochen soll damit Schluss sein. Am 29. Juni werden die Kinder wieder im Klassenverband unterrichtet.

Am Freitag beschließt das Kabinett weitere Lockerungen im Schulwesen. Das Klassensplitting im Fondamental soll ab dem 29. Juni aufgehoben werden. Die Kinder werden ihr Schuljahr im Klassenverband zu Ende bringen. Dabei hat das Parlament noch am 11. Juni eine Gesetzesänderung verabschiedet, damit die Aufteilung in A- und B-Gruppen auch nach dem Etat de crise gesetzeskonform ist. Nun also die Kehrtwende. Warum? 

Ein Grund sind die niedrigen Infektionszahlen und der Umstand, dass es „draußen“ viel lockerer zugeht als in den Schulen. Und natürlich ist es schön für die Kinder, wenn sie wieder mit all ihren Klassenkameraden zusammen sein können. Auch Sport, Schwimmen und Tagesausflüge sollen wieder möglich sein. Sofern die Schulen es organisatorisch hinbekommen, dürften auch die Cours d'appui und die Classes d'accueil wieder stattfinden. So haben es jedenfalls die Vertreter der Gewerkschaften SNE und SEW/OGBL verstanden, als sie sich diese Woche per Videokonferenz mit Bildungsminister Claude Meisch (DP) beraten haben. 


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Nicht alles auf den Kopf stellen 

Das SNE begrüßt den Schritt in Richtung mehr Schulnormalität, aber nur unter der Bedingung, dass die Schulorganisation nicht wieder auf den Kopf gestellt wird. „Es darf nicht zu einem neuerlichen administrativen Aufwand kommen“, so der Vorsitzende Patrick Remakel auf Nachfrage des "Luxemburger Wort". Mit Aufwand meint er Änderungen bei den Schulzeiten, dem Bustransport oder der Nachmittagsbetreuung.

Remakel unterstreicht, dass seine Gewerkschaft das Splitting nie eingefordert habe. Es habe sich aber herausgestellt, dass das Arbeiten mit kleinen Schülergruppen von großem Nutzen gewesen sei. Vor allem die verhaltensauffälligen Kinder funktionierten besser in kleinen Gruppengrößen. Aus diesem Grund will der Gewerkschaftspräsident bei künftigen Verhandlungen mit dem Minister das Thema Lehrerkontingent wieder auf die Agenda holen. 

Testlauf für September

Es gibt aber noch einen anderen, sehr wahrscheinlichen Grund für die Aufhebung der A- und B-Gruppen. Patrick Remakel ist der Ansicht, dass es sich um einen Testlauf für die kommende Rentrée handelt, um gewissermaßen sicherzustellen, dass es im September keinen Aufschrei geben wird, wenn wieder im normalen Klassenverband unterrichtet wird. 

Es darf nicht zu einem neuerlichen administrativen Aufwand kommen.

Patrick Remakel, SNE

Dass im September wieder im normalen Klassenverband unterrichtet werden muss, steht für den Vorsitzenden des Syvicol, Emile Eicher, außer Frage. Das Splitting und die damit verbundene Bereitstellung von Räumlichkeiten, Bussen, Material und Personal hat die Gemeinden an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht. Sie könnten einen derartigen Aufwand kein zweites Mal betreiben, so Eicher. 

Die Gewerkschaft SEW/OGBL begrüßt die Aufhebung des Splittings, ist aber der Ansicht, dass die Maßnahme zwei Wochen vor Schulende nicht besonders viel bringt und es besser gewesen wäre, das Splitting gleich nächste Woche aufzuheben, „weil jeder Tag zählt“, so der Vorsitzende Patrick Arendt, „besonders für die benachteiligten Kinder. Manchen fehlt ein halbes Schuljahr“, sagt er. Das Splitting habe zur Folge, dass ein Teil der Schüler sich während der B-Woche im Urlaubsmodus befinde. Das verschärfe die Bildungsunterschiede. „Wir brauchen so schnell wie möglich wieder einen Schulmodus“, so der SEW-Vorsitzende. 

Gesetz vor einer Woche geändert 

Auf Nachfrage, ob die Gesetzesänderung vom 11. Juni nun wieder rückgängig gemacht wird, verwies das Bildungsministerium auf die Kabinettssitzung am Freitag. Wird das Gesetz nicht geändert, bliebe die Aufteilung in A- und B-Gruppe faktisch bestehen und die Schüler würden lediglich zusammengelegt. Das würde aber auch bedeuten, wie Patrick Arendt erklärt, „dass die B-Woche fakultativ bleibt und die Schüler, die bislang während der B-Woche zu Hause waren, auch weiterhin ihre B-Woche zu Hause verbringen können, wogegen Schüler, die während der B-Woche in der Betreuung waren, mit der A-Gruppe zusammengelegt werden“. 

Eltern eher skeptisch 

Aussagen des Vorsitzenden der nationalen Elternvertretung, Alain Massen, zufolge sähen die meisten Eltern es lieber, „wenn bis zu den Ferien alles so bliebe, wie es ist“. Er zweifelt auch aus pädagogischer Sicht an der Maßnahme, weil nur in der A-Woche neues gelernt wird. Treffen aber nun A- und B-Kinder aufeinander, haben die A-Kinder den Stoff schon gesehen, die B-Kinder aber noch nicht. 

Ginge es um den pädagogischen Mehrwert, wären die Klassen längst wieder zusammen. Vom Infektionsgeschehen her spricht jedenfalls nichts dagegen.

Patrick Arendt, SEW/OGBL

Darauf angesprochen, sagt der SEW-Vorsitzende, im Ministerium stünden vor allem organisatorische Fragen im Vordergrund. „Ginge es um den pädagogischen Mehrwert, wären die Klassen längst wieder zusammen. Vom Infektionsgeschehen her spricht jedenfalls nichts dagegen“, so Arendt. 

Die Aufhebung des Splittings wird auch im Secondaire umgesetzt. Hier überwiegt die Skepsis bei den Gewerkschaften und Elternvertretern aus rein organisatorischen Gründen – wegen der bereits festgelegten Prüfungstermine in beiden Gruppen, die im Falle einer Aufhebung des Splittings neu festgelegt werden müssten.

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