Reform der Rettungsdienste: Profis gesucht
(mas) - Das passende Einsatzgerät, das im Ernstfall von passend ausgebildeten Helfern passend gehandhabt wird: Beim jüngsten Zugunglück vorige Woche passte all dies zusammen. Damit auch beim nächsten Mal alles passt, müssen, wie es so treffend-vage heißt, die Rahmenbedingungen stimmen ...
Ein Inventar, das zurzeit im Rahmen der Reform der Rettungsdienste erfolgt, soll detailliert Aufschluss geben, über welches Material – Fuhrpark samt Ausstattung – die Einsatzkräfte zwischen Rümelingen und Ulflingen verfügen. Anhand dieser Bestandsaufnahme kann eine harmonisierte Bestückung der Einsatzzentren erfolgen, unter Berücksichtigung der demografischen Herausforderung und des Gefahrenpotenzials.
Eine Abteilung für die Ausbildung
Der Stellenwert der Schulung wird dadurch hervorgehoben, dass im „Etablissement public“ eine eigene Abteilung für die Ausbildung eingerichtet wird. Damit geht das Reformvorhaben auf eine Forderung von Feuerwehrverband und Weisenrat der „Protection civile“ ein; ursprünglich sollten „Médico“ und Ausbildung in einer gemeinsame Abteilung vereint sein.
Weitaus spannender gestaltet sich, diese Bildungsabteilung mit Leben zu füllen, gemäß der Vorgabe aus der Gesetzesvorlage: „Améliorer et moderniser la formation des membres des secours peut être considéré comme un élément-clé de la réforme des services de secours.“
60 Tage "congé-sapeur"
Das eine Schlüsselelement wird dabei sein, die Messlatte für die freiwilligen Helfer so zu legen, dass einerseits die Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst erfüllt werden und andererseits diese Anforderungen mit dem Beruf vereinbar bleiben.
Die im Reformpaket vorgesehene Ausweitung des „congé-sapeur“ soll diese Vereinbarkeit ermöglichen: Die Freistellung soll auf 60 Tage ausgeweitet werden, mit der Möglichkeit, 20 Tage innerhalb von zwei Jahren zu beanspruchen. Wie immer im Rettungswesen wird der Faktor Zeit auch bei der Ausbildung ausschlaggebend sein. Damit die Reform vor Ort greift und die Einsatzzentren personell so aufgestellt sind, dass sie ihre Aufgaben erfüllen, wird die Herausforderung darin ruhen, sich Fristen zum Erreichen der unterschiedlichen Ausbildungsstufen zu setzen.
Das andere Schlüsselelement wird sein, die „agents professionnels“ an das Ausbildungs- und Leistungsniveau der Berufsfeuerwehr der Hauptstadt heranzuführen, die Referenzcharakter haben soll. Wer diese Laufbahn einschlagen will, muss drei Hürden schaffen: eine schulische Grundausbildung (fünf Jahre „Secondaire“ bzw. CATP-Abschluss) absolviert haben, einen Grundlehrgang im Feuerlösch- und Rettungswesen bestehen (heute zwei Jahre bei der Berufsfeuerwehr), einen sportlichen Test bewältigen.
600 bis 800 Stellen zu besetzen
Die Planungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren über das „Etablissement public“ zwischen 600 und 800 Stellen geschaffen werden. Was auf den ersten Blick neue berufliche Perspektiven eröffnet, hat für die Verantwortlichen aus dem Rettungswesen einen Haken: In dem Reservoir, wo sich potenzielle Kandidaten aufhalten, bedienen sich bereits Polizei und Armee. Als Alternative bieten sich die Ausdehnung auf die Großregion (was wiederum mit sprachlichen Hürden einhergeht) und/oder die Anhebung bzw. Anpassung der schulischen Anforderungen an.
Darüber hinaus können die Rekrutierungsbestrebungen an der sportlichen Eignung der Bewerber scheitern. Gerade die jüngeren Generationen offenbaren oftmals physische Defizite – und nicht jeder Kandidat ist frei von Höhenangst und bewältigt den 30-Meter-Aufstieg einer Drehleiter. Und etwaige Abstriche sind nicht vereinbar mit einem angemessenen Leistungsniveau.
Balance zwischen Qualität und Quantität
Das gilt auch für die eigentliche Ausbildung im Feuerlösch- und Rettungswesen, deren Umfang und Inhalt derzeit ausgearbeitet wird. Kein einfaches Unterfangen, geht es doch schließlich darum, aus einem überschaubaren Reservoir an Rettungskräften heraus das Reformvorhaben umzusetzen – und eben die Balance zu schaffen zwischen der Qualität der Ausbildung, die keine Angleichung nach unten verträgt, und der Quantität an Auszubildenden.
An diesem Gleichgewicht wird sich die Reform im Ernstfall messen lassen müssen.
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