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Reform der Pflegeversicherung: Starke Bedenken am Stufenmodell
Für Qualität und Professionalität: Ein zu grob gewähltes Stufensystem berücksichtigt nicht genug die individuellen Pflegebedürfnisse, so die Copas zu den Regierungsplänen.

Reform der Pflegeversicherung: Starke Bedenken am Stufenmodell

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Für Qualität und Professionalität: Ein zu grob gewähltes Stufensystem berücksichtigt nicht genug die individuellen Pflegebedürfnisse, so die Copas zu den Regierungsplänen.
Politik 2 Min. 12.10.2015

Reform der Pflegeversicherung: Starke Bedenken am Stufenmodell

Der Dachverband der Pflegedienstleister bewertet die Einführung von Pflegestufen in der Assurance dépendance kritisch. Das angedachte Modell sei zu grob und riskiere mit dem Prinzip des individuellen Pflegerechts zu brechen, so die Copas.

(BB) - "Wir wollen kein 'Zwei-Klassen-System' bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen", betont Copas-Präsident Marc Fischbach. Der Dachverband der Dienstleistungsträger aus dem Pflegesektor hegt starke Bedenken an den Reformplänen der Regierung. Sollte die Pflegeversicherung künftig auf einem Stufenmodell mit Pauschalen beruhen, wäre das Prinzip des individuellen Pflegerechts, um möglichst lange autonom in der vertrauten eigenen Wohnung zu bleiben, nicht mehr gewährleistet.

Die Leistungen mit 15 angedachten Schweregraden drohen sich an Durchschnittswerten zu orientieren, und nicht mehr an den reellen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen, warnt die Copas. Strengere Standards, die im Rahmen des Zukunftspakets eingeführt wurden und mit denen neuerdings der  Pflegebedarf bestimmt wird, seien denn auch keine gute Ausgangslage. Ein Stufenmodell riskiere demnach viel zu grob ausgerichtet zu sein. Die feinere Einteilung zu Gunsten der Pflegebedürftigen gehe hier verloren.

"Qualität steht nicht zur Verfügung"

"Für uns sind Verschlechterungen bei der Qualität der Pflege schlicht inakzeptabel", fasst Marc Fischbach die Kritik der Copas zusammen. Wenn es zu Pauschalen kommen sollte, dann müssten diese individueller zugeschnitten sein. Denn trage man den einzelnen Bedürfnissen nicht genug Rechnung, so würden ältere Leute schneller pflegebedürftiger werden und in ein Pflegeheim ziehen müssen. Das sei weder im Sinn der betroffenen Personen, noch des öffentlichen Pflegesystems.

"Der Staat muss sich bewusst sein, dass die Pflege einen Preis hat", so Marc Fischbach weiter. Wer das Pflegesystem effizienter ausrichten will, müsse also alle Möglichkeiten bei den Einnahmequellen und Ausgaben berücksichtigen. Die Copas hat der Regierung eine Reihe Vorschläge unterbreitet, um die finanziellen Mittel besser einzusetzen. Eine Maßnahme könnte die Zusammenlegung der Einkäufe von Medikamenten sein. Eine zentrale Stelle für alle Pflegeeinrichtungen soll bessere Tarife aushandeln können. Verbesserungspotenzial bestehe, so die Copas, auch bei den gewährten technischen Mitteln für Pflegebedürftige.

Finanzielle Engpässe

Über die Reform der Pflegeversicherung hinaus erwartet die Copas rasche Änderungen beim öffentlichen Finanzierungssystem. Eingefrorene Leistungssätze der Krankenkasse sowie strengere Kriterien bei der Vergabe der Pflegepläne setzen die Dienstleister äußerst unter Druck. "Die zwei größten Träger des Sektors haben dieses Jahr hohe Verluste eingefahren", so Marc Fischbach.

Bei Hëllef Doheem belaufe sich das Minus voraussichtlich auf fünf Millionen Euro, für Help sei das Defizit "wesentlich" geringer. Sollte die Regierung die Vergütung der Leistungen nicht überarbeiten, wäre das "ein Begräbnis erster Klasse" für den Pflegesektor, warnt der Copas-Vorsitzende eindringlich.

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