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Reaktionen auf Weltraumpläne: Luxemburgs Luftnummer
Politik 1 3 Min. 07.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Reaktionen auf Weltraumpläne: Luxemburgs Luftnummer

Bevor die ersten Mineralien im All abgebaut werden können, müssen noch viele technische und rechtliche Fragen gelöst werden.

Reaktionen auf Weltraumpläne: Luxemburgs Luftnummer

Bevor die ersten Mineralien im All abgebaut werden können, müssen noch viele technische und rechtliche Fragen gelöst werden.
Foto: DSI
Politik 1 3 Min. 07.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Reaktionen auf Weltraumpläne: Luxemburgs Luftnummer

Roland ARENS
Roland ARENS
In der internationalen Presse werden die Pläne Luxemburgs, ins Wettrennen um den Weltraumbergbau einzusteigen, durchaus ernst genommen. Doch die Erfolgsaussichten werden noch sehr skeptisch eingestuft.

(rar) - Außerirdische Mineralien und Edelmetalle abbauen? Beim sogenannten "deep space mining" winken astronomische Gewinne - wenn auch vorerst nur auf dem Reißbrett. Die Ankündigung von Wirtschaftsminister Etienne Schneider am 3. Februar, dass Luxemburg sich im Asteroidenbergbau engagieren will, hat weltweit für Aufsehen gesorgt.

In zahlreichen internationalen Stellungnahmen kristallisiert sich Erstaunen darüber, dass sich nach den USA ausgerechnet das kleine europäische Land für diese Zukunftstechnologie interessiert. "Es erinnert an Jules Verne, aber es ist ernst gemeint", schreibt die Neue Zürcher Zeitung. "Vielleicht solllte man nicht zu laut lachen."

Es werden aber auch Zweifel laut über die technische Machbarkeit und die wirtschaftliche Rentabilität solcher Unternehmen.

Alle Pläne von Bergbau dieser Art, bei dem auch noch Edelmetalle vom Gestein getrennt werden müssen, können getrost als Unsinn bezeichnet werden."

In der "Süddeutsche Zeitung" vom Wochenende bezeichnet der Kommentator Robert Gast den Bergbau im All als "kühne Technologie-Wette auf die Zukunft":

"Verschlafen Nasa und Esa also gerade den Aufbruch in ein neues Zeitalter der Raumfahrt? Wohl eher ist Luxemburg dabei, in eine Luftnummer zu investieren. So hat Planetary Resources zwar einen Plan, wie seltene Erze aus dem Weltraum auf die Erde kommen sollen. Die Hälfte davon ist allerdings Science-Fiction."

Die Technologie-Website golem.de, auf der Wissenschafts- und IT-Experten über aktuelle Themen berichten, analysiert in dem Artikel "Geblendet vom Platinrausch" sowohl die wirtschaftliche als auch die technische Machbarkeit und kommt zu einem unmissverständlichen Ergebnis:

"Selbst wenn es einen kleinen Asteroiden aus 330 Tonnen purem Platin in der Nähe der Erde gäbe, würde er keinen Gewinn abwerfen. Es wäre derzeit kaum möglich, diese 330 Tonnen für weniger als 10 Milliarden US-Dollar sicher auf die Erdoberfläche zu bringen. Alle Pläne von Bergbau dieser Art, bei dem auch noch Edelmetalle vom Gestein getrennt werden müssen, können getrost als Unsinn bezeichnet werden."

Der Abbau von Wasser wird als mögliche Zwischenetappe auf dem Weg zum Weltraumbergbau angesehen.
Der Abbau von Wasser wird als mögliche Zwischenetappe auf dem Weg zum Weltraumbergbau angesehen.
Foto: DSI

Ebenso wie golem.de weisen die BBC in einem detaillierten Artikel und der britische "Guardian" auf eine mögliche Zwischenstufe des Weltraumbergbaus hin, die Gewinnung von Wasser und damit die mögliche Herstellung von Raketentreibstoff im All. Aus gefrorenem Wasser könne Wasserstoff (für Triebwerke) und Sauerstoff (als Lebensgrundlage) gewonnen werden, so Ian Crawford, Professor für Weltraumwissenschaft in London. Etwa ab 2020 könnte erstmals Wasser von einem Asteroiden abgebaut werden, schätzt die BBC. Laut "Guardian" müssten jedoch nicht technische, sondern vor allem legale Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, um den Weltall-Bergbau zu ermöglichen.

Die Wirtschaftsnachrichtenseite businessinsider.com setzt die theoretischen Gewinnaussichten in Beziehung zu den hohen Kosten für die Entwicklung der Raketentechnik. Die NASA schätze, dass es etwa 879 erdnahe Asteroiden mit einem gewissen Mindestdurchmesser gebe.

"Während das potentiell hohe Reichtümer verspricht, müssen Unternehmen erst noch die Technologie zum Abbau entwickeln und darüber hinaus ein Raumschiff beschaffen, um diese Technologie ins Weltall zu bringen, was nicht billig ist."

Die französische Tageszeitung "Le Figaro" hat den Leiter der Programme zur Erforschung des Sonnensystems beim CNES (Centre National d'Etudes Spatiales), Francis Rocard, befragt.

"Le problème, c'est qu'on ne sait pas encore quel astéroïde on va exploiter et ce que l'on va y exploiter. Tout se joue sur le fait qu'on a trouvé 700.000 astéroïdes. Sur ces 700.000, il y en a environ 10.000 qui ne passent pas trop loin de la terre. Mais il n'y a à ce jour aucune raison de croire que tous contiennent des minerais intéressants en quantité."

Hier das Ankündigungs-Video der Luxemburger Spaceresources-Initiative:

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