Rainer Klump

Die Uni als Motor der Zukunft

Rainer Klump, der neue Rektor der Universität Luxemburg.
Rainer Klump, der neue Rektor der Universität Luxemburg.
Guy Jallay

Keine einfache Aufgabe hat der neue Uni-Rektor von seinem Vorgänger Rolf Tarrach übernommen. Während Letzterer zehn Jahre lang die Universität aufgebaut hat, muss nun Rainer Klump dafür sorgen, dass die größte Forschungseinrichtung des Landes reibungslos den Umzug nach Belval bewältigt.

Dort gilt es dann, die Uni noch stärker in die Luxemburger Gesellschaft zu integrieren und ihr ausreichend Möglichkeiten zu geben, damit sie ihrer Rolle als Motor der Zukunft gerecht werden kann. Welche Schwerpunkte dabei Rainer Klump setzen will, verrät er dem Luxemburger Wort im Interview. 

Wie sehen Ihre Leitlinien aus, wie lautet ihre Vision für die Uni in den kommenden fünf Jahren?

Meine Zielvorstellung ist die Universität Luxemburg als Modell einer europäischen Forschungsuniversität für das 21. Jahrhundert. Forschungsuniversität bedeutet: Freude am Neuen, Freude an Innovation über alle Bereiche der Universität hinweg, um sie so zu einem Motor der Zukunft Luxemburgs zu machen.

Die Universität will ja kein Elfenbeinturm sein, sondern ein Leuchtturm, der in die Gesellschaft strahlt. Hinzu kommt die europäische Komponente: Nutzung europäischer Forschungsprojekte, die Mehrsprachigkeit und der Standortvorteil. Das 21. Jahrhundert ist zudem gekennzeichnet durch die fortschreitende Digitalisierung, sie hat erhebliche Konsequenzen für den Hochschulbereich, die es zu meistern und zu nutzen gilt.


Mehr Videos finden Sie in unserer Video-Rubrik

Vor dem parlamentarischen Ausschuss sagten Sie, die Strategie der Uni werde neu definiert. Wie könnte diese neue Ausrichtung aussehen? Wo wollen Sie die Uni in den nächsten Jahre hinsteuern?

Laut Gesetz wird die Strategie vom Aufsichtsrat verabschiedet, auf Vorschlag des Rektors. Ein neuer Rektor tut gut daran, die Erarbeitung der Strategie zu seiner Kernaufgabe zu machen. Der Zeitpunkt dafür ist günstig, nicht nur der Rektor ist neu, sondern auch der Campus.

Die Uni wird sich nicht komplett verändern, aber ihr Profil schärfen. Dies wird in verschiedenen Arbeitsgruppen diskutiert, die ich schon im Februar eingesetzt habe. Die beschäftigen sich mit der digitalen Strategie, mit der Europa-Strategie, und mit der Integration in das Land. Zusätzlich werden wir uns noch mit  Organisation und Kommunikation befassen.

Das sind die fünf wesentlichen Elemente der strategischen Neuausrichtungen. Wir werden sie zuerst innerhalb der Uni diskutieren, dann aber auch die „Stakeholders“ einbinden. Es soll ein offener Prozess werden.

Ein Anliegen, dass vor allem ihrem Vorgänger Rolf Tarrach am Herzen lag, war eine MBA-Ausbildung nach dem Modell der „London School of Economics“ in Luxemburg aufzustellen. In Luxemburg gibt es schon Einrichtungen, die vergleichbare Wirtschaftsabschlüsse anbieten. Unterstützen Sie die Idee einer „Luxembourg School of Economics“, einer Luxemburger Wirtschaftshochschule?

Es gibt tatsächlich Modelle wie z.B. die „Saïd Business School“ an der University of Oxford, die mit rund 70 Millionen Pfund  Startkapital ausgestattet wurden und sich sehr erfolgreich entwickelt hat.

Ein vergleichbares Projekt in Luxemburg würde voraussetzen, dass es einen solchen Investor gäbe. Aus meiner Erfahrung als Vizerektor an der Frankfurter Universität weiß ich jedoch, dass solche Business-School-Modelle rund zehn Jahre benötigen, bis sie sich einigermaßen tragen können.

Demnach ist das kein Geschäftsmodell, mit dem man schnell Gewinne erzielt. Daneben gibt es aber auch die Möglichkeit, die „Business Education“, wie die Uni sie jetzt zum Teil mit der Luxembourg School of Finance schon anbietet, weiter zu entwickeln.

In anderen Worten: Nischen zu besetzen, die auf dem Markt benötigt werden. Ob da allerdings ein MBA-Programm in einem gesättigten MBA-Markt dazu gehört, ist zu prüfen. Die Handelskammer hat genau dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Wir arbeiten da Hand in Hand.


Bildmontage: Peggy Conrardy

Wäre die „Medical School“ das Sahnehäubchen, das sich jeder Rektor wünscht?

(Lacht) Klassische Universitäten hatten immer schon eine medizinische Fakultät und eine Theologie. Die Universität Luxemburg ist ohne beides gegründet worden. Aus der Logik der Forschung heraus gibt es im biomedizinischen Bereich durchaus Interesse an einer „Medical School“.

Trotzdem darf der Kostenfaktor nicht derart ausufern, dass wir  eine medizinische Hochschule machen. Wenn die Medical School kommt,  muss es nach wie vor möglich sein, dass auch andere Bereiche weiter wachsen können. Eine „Medical School“ kann daher nur funktionieren, wenn sie in die Gesamtstrategie der Universität  eingebunden ist.

Luxemburg übernimmt ab Juli den EU-Vorsitz. Darunter fällt auch die Weiterführung des EU-Forschungsprogramm „Horizon 2020“. Wie stark ist die Uni an EU-Forschungsprojekten beteiligt?

Sieben Projekte sind derzeit schon bewilligt. Es gibt noch eine ganze Reihe an Forschungsprojekten, die in Vorbereitung sind.  Wir sind als Universität hier sehr gut aufgestellt und ich bin sehr zuversichtlich, weitere EU-Projektgelder zu erhalten.

Ein ausführliches Interview mit dem Uni-Rektor Rainer Klump können sie auf den Fokus-Seiten des Luxemburger Wortes am Samstag den 28. März 2015 lesen.