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Quoten in der Politik und Wirtschaft: Bühne frei für Frauen
Politik 2 Min. 15.10.2015

Quoten in der Politik und Wirtschaft: Bühne frei für Frauen

Nur wenige Frauen gelangen auf bedeutende politische Positionen: Im EU-Schnitt bekleiden männliche Politiker drei Viertel der Ministermandate.

Quoten in der Politik und Wirtschaft: Bühne frei für Frauen

Nur wenige Frauen gelangen auf bedeutende politische Positionen: Im EU-Schnitt bekleiden männliche Politiker drei Viertel der Ministermandate.
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Politik 2 Min. 15.10.2015

Quoten in der Politik und Wirtschaft: Bühne frei für Frauen

"Wir sind noch weit vom Ziel", sagt Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch. Politische Ämter und Mandate in Verwaltungsräten werden noch mehrheitlich von Männern besetzt. Im Rahmen seiner EU-Ratspräsidentschaft wirbt Luxemburg für ein Umdenken.

(BB) - Luxemburg setzt auf Quoten, um die Beteiligung von Frauen am politischen Prozess zu fördern. Mindestens 40 Prozent Kandidatinnen müssen die Parteien künftig auf ihren Listen für die Landeswahlen aufweisen. Die Quoten sind "kein Allheilrezept, aber sicherlich ein Hilfsmittel, um unser Ziel von mehr Chancengleichheit schneller zu erreichen", sagt Ressortministerin Lydia Mutsch. Der gesetzliche Auftrag soll demnach einen Mentalitätswandel herbeiführen. Es gilt umzudenken, in Luxemburg und in Europa.

Die Quote kommt, weil freiwillige Engagements nur schleppend vorankommen, verteidigt die Luxemburger Regierung ihre Vorgehensweise. Auf dem politischen Parkett bemühen sich lediglich Déi Gréng und Déi Lénk um paritätische Listen. Andere Parteien haben sich Mindestkriterien gegeben, die allerdings stagnieren, und weitere sehen ganz von strengen Verpflichtungen ab.

Im Schneckentempo

Die Förderung von Frauen ist in den meisten Parteizentralen schon ein Thema, allerdings fallen konkrete Verbesserungen bescheiden aus. Wenn nichts passiert, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis dass ebenso viele Frauen wie Männer politische Führungspositionen bekleiden.

"Nimmt man alle EU-Länder, so sind im Schnitt 28 Prozent Frauen in den Parlamenten vertreten. Mit 28,3 Prozent kommt Luxemburg auf Platz 13 der 28 EU-Mitgliedsstaaten", skizziert Lydia Mutsch die aktuelle Situation. Luxemburg bewegt sich bislang also im Mittelfeld. Es gehört nicht wie Skandinavien zu den Musterschülern, aber auch nicht zu jenen Staaten wie Zypern oder Ungarn, deren Parlamente zu 90 Prozent von Männern dominiert werden.

Frauen besetzen in Europa lediglich ein Viertel der Abgeordneten- und Ministermandate.
Frauen besetzen in Europa lediglich ein Viertel der Abgeordneten- und Ministermandate.
European Institute for Gender Equality

Die neuen Verpflichtungen, die sich Luxemburg auferlegt hat, bestärken nun  auch die Botschaft für mehr politische Gleichstellung über die Grenzen hinaus. Anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft hebt die Regierung das Thema der politischen Partizipation hervor. So auch bei einem internationalen Treffen am 15. und 16. Oktober in Mondorf.

Zusammen stark

"Die jetzige Situation, in der Frauen nur bedingt an politischen Entscheidungsprozessen teilnehmen, ist nicht zeitgemäß", sagt Lydia Mutsch. Alle Staaten seien aufgefordert, die Beteiligung von Frauen in der Politik und in der Wirtschaft ernst zu nehmen. "Wir haben in Europa unterschiedliche Wahlsysteme und die öffentliche Meinung über Quoten fällt jeweils anders aus. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, die Gleichstellung von Frauen und Männern gemeinsam voranzubringen", betont die Chancengleichheitsministerin.

"Wir müssen uns vernetzen, und über den Tellerrand schauen", meint auch die Vorsitzende des nationalen Frauenrats (CNFL), Claude Wolf. Ob nun eine Initiative der EU-Kommission notwendig wäre, um innerhalb der Mitgliedstaaten gemeinsame Standards für die Wirtschaft und die Politik zu verlangen, ist allerdings umstritten. "Wir sollten nicht alles nach Brüssel verlagern und abwarten. Wichtig ist, dass wir jeweils im eigenen Land, an der Basis arbeiten und uns dann austauschen. Wir müssen Frauen zu mehr Selbstvertrauen verhelfen", appelliert Claude Wolf zu sofortigen Aktionen.

Die Quoten werden in Luxemburg demnach ein Mittel sein, um die politische Partizipation von Frauen zu unterstützen. Wird das Thema wirklich ernst genommen, müssen die Parteien ihre Nachwuchstalente darüber hinaus mit Mentoring- und Förderprogrammen unterstützen. So kann der Aufstieg gelingen, vom Namen auf einer Wahlliste bis zur tatsächlichen Ernennung in einem politischen Amt.

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