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Quadripartite: Kostenlose Arztbesuche
Ab 2018 sind alle Arztbesuche für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos.

Quadripartite: Kostenlose Arztbesuche

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Ab 2018 sind alle Arztbesuche für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre kostenlos.
Politik 2 Min. 18.10.2017

Quadripartite: Kostenlose Arztbesuche

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Bei der Quadripartite-Sitzung am Mittwoch sind sich die Sozialpartner über weitere Leistungsverbesserungen einig geworden. Besonders Familien werden zusätzlich entlastet.

(mig) - 2018 treten weitere Leistungsverbesserungen für die Versicherten in Kraft. Darauf hat man sich am Mittwoch im Rahmen der Krankenkassen-Quadripartite geeinigt. Hintergrund ist die gute finanzielle Entwicklung der Gesundheitskasse, die sich auch im kommenden Jahr fortsetzen wird.

Für 2017 wird mit einem Überschuss von 153,5 Millionen gerechnet. 2018 wird der Überschuss voraussichtlich 110 Millionen Euro betragen. Die Reserven steigen 2017 auf 740 Millionen Euro, 2018 auf 850 Millionen Euro an. Grund genug, ein Teil der Einnahmen an die Versicherten zurückfließen zu lassen.

2017 waren die Ansprüche der Versicherten bereits erweitert worden, u.a. bei den Zahnbehandlungen und den Sehhilfen. Die Kosten wurden auf zehn Millionen Euro geschätzt. 2018 kommen weitere 25 Millionen Euro dazu.

Weil die Reserven die gesetzliche Obergrenze von 20 Prozent der laufenden Ausgaben übersteigen, wird die Obergrenze auch im kommenden Jahr ausgesetzt.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Leistungen, von denen einige am 1. Januar in Kraft treten werden, andere erst im Laufe des kommenden Jahres und laut Sozialversicherungsminister Romain Schneider spätestens 2019:

Familien entlasten

  • Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre werden ab kommendem Jahr sämtliche Arztbesuche sowie Behandlungen in den Bereichen Logopädie und Psychomotorik zu 100 Prozent von der Gesundheitskasse übernommen.
  • Bei Verhütungsmitteln inklusive Spirale übernimmt die Kasse 80 Prozent der Kosten. Ab kommendem Jahr gilt das für Frauen bis 30 Jahre. Derzeit liegt die Altersgrenze bei 25 Jahren. Zugleich wird über eine weitere Erhöhung der Altersgrenze nachgedacht.
  • Familien mit Neugeborenen haben ein Recht auf Hausbesuche von Hebammen. Die Zahl der Hausbesuche, die von der Kasse übernommen werden, wird erhöht.
  • Im Bereich "schwere Pathologien und chronische Krankheiten" plant die Regierung einen Aktionsplan. Dies ist Romain Schneider zufolge ein langwieriger Prozess. In einer ersten Phase beschränkt man sich auf Verbesserungen bei der Behandlung von Diabetes.
  • Die Kasse übernimmt die Pneumokokken-Impfung. Zudem dürfen Frauen, die an einer Lipödem-Erkrankung (chronische Erkrankung des Fettgewebes) leiden, sich auf neue Leistungsansprüche freuen. Die Kasse übernimmt zusätzliche Kosten, u.a. bei Kompressionsstrümpfen und Operationen. Lymphdrainagen werden wieder zu 100 Prozent übernommen.
  • Leistungsverbesserungen bei den Zahnbehandlungen betrifft die Zahnversiegelung bei Kindern, Kunststofffüllungen und Implantate. Bei den Zahnprothesen wird die Dauer  von 15 auf zwölf Jahre herabgesetzt.
  • Bei den Sehhilfen wird der ganze Leistungskatalog überarbeitet. Nachgedacht wird über Pauschalleistungen, damit die Versicherten einen klaren Überblick über die Ansprüche haben. Auch im Bereich Laser-Operationen will man bald weiterkommen.
  • Neu ist auch die Übernahme von Hilfsmitteln für Krebspatienten, wie z.B. Perücken.
  • Des Weiteren werden die Konventionen mit den Ergotherapeuten und den Podologen überarbeitet.

Wartezeiten in den Notaufnahmen

Im Rahmen der Arbeiten an einer Verbesserung der Notfalldienste war es die Aussage von Gesundheitsministerin Lydia Mutsch, dass man bis Ende des Jahres einen nationalen Aktionsplan aufstellen wolle. Die Wartezeiten sollen gekürzt, das Personal aufgestockt, die Patienten besser sortiert und die Abläufe bei der medizinischen Versorgung sowie die Informatisierung verbessert werden. Ein besonderes Augenmerk im Zusammenhang mit den Wartezeiten gilt älteren Menschen und Familien mit kleinen Kindern.

Geplant ist auch eine App, die die Menschen informiert, welche Arztpraxen sie auch nach 18 Uhr noch aufsuchen können. Im Trend liegen auch Gemeinschaftspraxen mit Allgemeinmedizinern und Spezialisten. Diesen Trend will man finanziell unterstützen, insbesondere in ländlichen Gegenden, wo es keine Maisons médicales gibt.





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