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"Pulse of Europe": Politisch ohne Politik
Politik 2 Min. 15.04.2017

"Pulse of Europe": Politisch ohne Politik

Die Bürgerinitiative demonstriert Begeisterung für die Grundwerte der Europäischen Union.

"Pulse of Europe": Politisch ohne Politik

Die Bürgerinitiative demonstriert Begeisterung für die Grundwerte der Europäischen Union.
Foto: Laurent Ludwig
Politik 2 Min. 15.04.2017

"Pulse of Europe": Politisch ohne Politik

Sie zeigen Flagge für die Grundwerte der EU. Die „Pulse of Europe“-Bewegung ist als Antwort auf Pegida, Brexit und Trump entstanden. Seit vier Wochen gibt es jeden Sonntag um 15 Uhr ein Treffen in Luxemburg.

(km) - „Ich habe die europäische Friedensgeschichte in meiner DNA“, sagt Jonathan Ponchon. Der 27-jährige Politikstudent kommt aus einer deutsch-französischen Familie. Er ist in Luxemburg aufgewachsen und hat bereits im europäischen Ausland gearbeitet. Zurzeit steht er kurz vor dem Abschluss seines Masters in „European Governance“ an der Universität Luxemburg. Ponchon lebt sozusagen die Vorteile der Europäischen Union. Und spricht sich dafür aus. Denn darum geht es der „Pulse of Europe“-Bewegung. „Wir wollen uns als überzeugte Europäer und Demokraten in der Öffentlichkeit zeigen“, erklärt Ponchon. „Der europäische Pulsschlag soll wieder spürbar werden.“

Von Frankfurt nach Luxemburg

Gegründet wurde „Pulse of Europe“ in Deutschland. Nach den medial wirksamen Demonstrationen der rechtspopulistischen Organisation Pegida und dem Brexit war es die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, die das links-liberal gestimmte Herz in der Mitte traf und zum Handeln animierte. Ende November 2016 fand die erste öffentliche Kundgebung in Frankfurt am Main statt. Seitdem schließen sich so gut wie jede Woche neue europäische Städte an.

Dass die Bewegung jetzt in Luxemburg aktiv ist, ist Ponchon zu verdanken. Eigentlich wollte er vor über einem Monat nach Bonn fahren, um an einer Manifestation teilzunehmen. „Doch dann habe ich mich gefragt, wieso überhaupt so weit fahren und nicht einfach ein paar Leute hierzulande mobilisieren“, erzählt Ponchon. Dass er jemals Demonstrationen organisiere, hätte er zwar nie gedacht. Nun habe jedoch Europa gerufen.

Parteipolitische Unabhängigkeit

So kam es, dass der Politikstudent aus Luxemburg die Gründer der Initiative, die Frankfurter Rechtsanwälte Daniel und Sabine Röder, kontaktierte. Sie klärten ihn über das Konzept auf, schickten Material und stellten eine grundlegende Forderung: politische Unabhängigkeit.

Organisator Jonathan Ponchon vor dem offenen Mikrofon am Clairefontaine-Platz.
Organisator Jonathan Ponchon vor dem offenen Mikrofon am Clairefontaine-Platz.
Foto: Laurent Ludwig

„Wir sind Repräsentant der Bürger und nicht des Europäischen Parlaments oder der Kommission“, sagt Ponchon. Die Glaubwürdigkeit der Bewegung basiere darauf, dass keiner der Organisatoren parteipolitisch aktiv sei. Auch Politiker werden keine eingeladen. Niemand solle „Pulse of Europe“ politisch instrumentalisieren.

Man teile die Werte der Europäischen Union – allen voran den Frieden, die offenen Grenzen und die Pressefreiheit. Das bedeute aber nicht, dass man allen Entscheidungen der EU-Institutionen zustimme. Den Schritt, konkrete Verbesserungsvorschläge zu äußern, wolle man aber nicht gehen. „Wir wollen lediglich zeigen, dass es trotz aller Negativschlagzeilen viele Befürworter der EU gibt“, so Ponchon.

Clairefontaine-Platz, sonntags um 15 Uhr

Mittlerweile ist der Politikstudent nicht mehr allein. Ein kleines Team von zwölf Leuten steht hinter der Planung von „Pulse of Europe“ in Luxemburg. Am Sonntag fand die Veranstaltung zum vierten Mal statt. Bisher belaufe sich die Teilnehmerzahl durchschnittlich auf knapp über 100 Personen. „Das Ziel ist“, sagt Ponchon, „dass die Menschen Europa wieder mit einem positiven Erlebnis verbinden.“ Es gibt ein offenes Mikrofon und zumeist auch Essen und Getränke. Zudem denke man sich jede Woche ein neues Motto aus.

Während des letzten Treffens stand Frankreich im Mittelpunkt: „Luxembourg aime la France“ war die Botschaft, die man kurz vor den Wahlen an das Nachbarland sendete. Auffallend ist die hohe Beteiligung der englischsprachigen Gemeinschaft an der Manifestation auf dem Clairefontaine-Platz. Überraschend ist sie nicht: Wer unpolitisch für die Europäische Union auf die Straße geht, hat bisher auch von ihr profitiert. Im Alltag spüren viele diese Vorteile nicht. Dies zeigt zugleich die Grenze einer Idee wie „Pulse of Europe“.

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