Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Psychotherapeuten setzen Verhandlungen mit der CNS aus
Politik 4 Min. 27.04.2021

Psychotherapeuten setzen Verhandlungen mit der CNS aus

Ein Pilotprojekt für moderat psychisch kranke Menschen ist alles, was die Gesundheitskasse erst einmal anbieten möchte.

Psychotherapeuten setzen Verhandlungen mit der CNS aus

Ein Pilotprojekt für moderat psychisch kranke Menschen ist alles, was die Gesundheitskasse erst einmal anbieten möchte.
Foto: Shutterstock
Politik 4 Min. 27.04.2021

Psychotherapeuten setzen Verhandlungen mit der CNS aus

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Auf wesentliche Punkte geht die Gesundheitskasse nicht ein. "So können wir keine qualitative Arbeit leisten", sagt die Fapsylux.

Bis die CNS die Kosten einer Psychotherapie übernimmt, wird es wohl noch eine Weile dauern. Am vergangenen Donnerstag trafen sich die Vereinigung der Psychotherapeuten, Fapsylux und die CNS erneut, um weiter über die Konvention zu verhandeln. Sie legt die Basis dafür, unter welchen Bedingungen eine Kostenrückerstattung erfolgen kann. Eine Einigung gab es nicht, die Fronten haben sich eher endgültig verhärtet.


Staatsrat kippt Reglement zur Psychotherapie
Wesentliche Teile einer großherzoglichen Verordnung, mit der die CNS die Kostenübernahme von Psychotherapie regeln wollte, sind verfassunsgwidrig.

„Es besteht keine Bereitschaft, uns in unseren Forderungen entgegenzukommen. Deswegen hat die Fapsylux am Montagabend einstimmig beschlossen, die Verhandlungen zu suspendieren“, teilte Fapsylux-Präsidentin Delphine Prüm auf Nachfrage mit. „Wir hoffen weiterhin, dass die CNS-Vertreter einsehen, dass diese Punkte zentral für eine qualitative Arbeit in unserem Beruf sind.“ 

Aus der Presse von „Einigung“ erfahren

Damit  meinte sie die fünf Grundforderungen der Psychotherapeuten, die der CNS nochmals schriftlich in einem Anwaltsbrief übermittelt wurden, nachdem die Fapsylux von einer Pressemitteilung der CNS überrascht wurde: So wie Sozialminister Romain Schneider es auf einer Pressekonferenz für den 31. März angekündigt hatte, wurde darin die Kostenübernahme einer Psychotherapie ohne ärztliche Verschreibung für Patienten mit leichten bis moderaten Störungen in Aussicht gestellt. Quasi passend für Menschen, die unter der Covid-Krise leiden. 

In der Mitteilung hieß es, die CNS habe ein experimentelles Programm vorgeschlagen, das sich über zwei Jahre ziehen soll. Die Modalitäten für die Kostenübernahme von anderen Störungen seien diskutiert worden und werden weiter Thema gemeinsamer vertiefter Arbeit sein. Diese positiven Fortschritte seien „von beiden Parteien festgehalten“ worden. Prüm bestreitet das.  


Psychotherapie: "Spießrutenlauf für Patienten“
Der Entwurf der Verordnung zur Kostenübernahme der Psychotherapie liegt vor: Der Verband der Psychotherapeuten Fapsylux ist entsetzt.

„Wir haben uns zweimal getroffen und waren uns nicht einig“, sagte sie damals im Gespräch mit dem „Wort“. „Wir sind enttäuscht und verlieren das Vertrauen, weil wir aus der Zeitung von einer CNS-Mitteilung erfahren, die etwas behauptet, was nicht verhandelt wurde.“ 

Kostenerstattung für ganz kleine Gruppe 

Die CNS-Vertreter würden die Kostenerstattung für eine ganz kleine Gruppe von Betroffenen vorschlagen, von Leuten, denen es an sich gut geht und die nicht länger als drei Monate Medikamente genommen haben dürfen. „Wenn wir uns darauf einlassen, können wir nicht mehr wissenschaftlich und deontologisch frei arbeiten“, erklärte Prüm die ablehnende Haltung der Fapsylux.   

Wenn wir uns darauf einlassen, können wir nicht mehr wissenschaftlich und deontologisch frei arbeiten.

Delphine Prüm

„Wir haben dann einen Anwaltsbrief aufsetzen lassen mit den fünf Punkten, auf denen wir beharren, um weiterzuverhandeln.“ Man hatte sich erhofft, vor dem nächsten Verhandlungstermin vom vergangenen Donnerstag noch eine positive Antwort zu bekommen. 

Doch der Antwortbrief der CNS war enttäuschend. Deutlich heißt es dort, dass man in einem Pilotprojekt den direkten Zugang ohne ärztliche Verschreibung testen möchte, wenn Patienten eine depressive oder Angststörung oder eine leichte bis moderate Anpassungsstörung haben. 

Schwere Pathologien nur auf ärztliche Verordnung

In schweren medizinischen Fällen (Suizidrisiko, Psychose, wahnhafte Störung, ...), für die ein fachärztliches Gutachten eine pluridisziplinäre Behandlung vorsieht, brauche der Patient aber ein fachärztliches Gutachten, bevor er eventuell zu einem Psychotherapeuten orientiert wird


Ärztemangel: Psychiatrie ist in einer akuten Krise
Der Präsident der luxemburgischen Psychiatervereinigung, Dr. Paul Hédo im Gespräch über Versorgungsengpässe und Lösungsansätze.

Während die Psychotherapeuten mindestens drei Sitzungen mit dem Patienten fordern, um ein therapeutisches Verhältnis aufbauen zu können und eine Diagnose mit Behandlungsplan erstellen zu können, stellt die CNS sich vor, dass ein elektronischer Fragebogen ausgefüllt wird und die CNS aufgrund dessen die Modalitäten der Kostenrückerstattung und einen konkreten Vorschlag zur Zahl der Sitzungen unterbreitet

Unstimmigkeiten gibt es auch über die Pathologien, für die die Psychotherapeuten zuständig sein wollen und über die Methoden: Die Fapsylux will, dass  jede vom wissenschaftlichen Rat anerkannte Methode akzeptiert wird, die CNS hat eine eigene Liste der Pathologien und Methoden. Das würde allerdings verschiedene Psychotherapeuten von der Kostenerstattung ausschließen, obwohl sie nach dem Gesetz anerkannt sind.

„Wir verstehen die Haltung der CNS-Vertreter nicht. Unsere Forderungen sind seit 2018 dieselben, wir sind ihnen entgegengekommen und waren uns soweit einig. Jetzt wird bis auf einen Punkt alles wieder infrage gestellt.“ Trotz dieser deutlich negativen Antwort, ging die Fapsylux zur ausgemachten Sitzung vergangenen Donnerstag. Näher kam man sich dabei nicht. 

„Wir hoffen, dass sich nun auf politischem Niveau etwas bewegt. Immerhin haben wir ein Gesetz, einen politischen Konsens, eine großherzogliche Verordnung und einen großen Bedarf“, sagt Prüm.

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Ein Bericht der Generalinspektion der Sozialversicherung IGSS zeigt: Seit 2017 steigen die Ausgaben auch ohne Covid-19 und die versprochenen Leistungsverbesserungen stark an.
Wirtschaft, Gesundheitskasse ,CNS, sécurité sociale, AAA, association d'assurance accident, Unfallversicherung, zum Artikel Homeoffice, Guillaume Schimberg,
Die Umsetzung des Psychotherapeutengesetzes lässt seit vier Jahren auf sich warten. Trotz des guten Dialogs mit den Psychotherapeuten zieht Sozialminister Romain Schneider nun den gesetzlichen Joker.