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"Problem nicht künstlich vergrößern"
Politik 03.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Debatte über Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache

"Problem nicht künstlich vergrößern"

Der Vorschlag, Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache einzuführen, stößt bei der Politik auf wenig Gegenliebe.
Debatte über Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache

"Problem nicht künstlich vergrößern"

Der Vorschlag, Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache einzuführen, stößt bei der Politik auf wenig Gegenliebe.
Foto: Guy Wolff
Politik 03.12.2016 Aus unserem online-Archiv
Debatte über Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache

"Problem nicht künstlich vergrößern"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die luxemburgische Sprache zu einer offiziellen EU-Amtssprache zu erheben, macht keinen Sinn. Darin sind sich die beiden Europaabgeordneten Charel Goerens und Frank Engel einig.

(mig) - Sowohl der liberale Europaabgeordnete Charel Goerens, als auch der christlich-soziale Europaabgeordnete Frank Engel sehen keinen Sinn darin, die luxemburgische Sprache zur EU-Amtssprache zu erheben, wie es Bildungsminister Claude Meisch Anfang Oktober in einem Meinungsartikel im "Luxemburger Wort" vorgeschlagen hatte.

In der RTL-Sendung "Background am Gespréich" am Samstag äußerten sich beide Europapolitiker kritisch zur Forderung des Luxemburgischen als EU-Sprache.

"Ich habe mich stets gegen eine solche Forderung ausgesprochen", sagte Goerens. Für die Sprache der Gesetzgebung sei das Luxemburgische schlicht nicht geeignet. Anders wenn es darum geht, Dinge zu erklären und komplizierte Zusammenhänge zu umschreiben. Um Verständlichkeitsbarrieren abzubauen, sei eine Übersetzung ins Luxemburgische unbedingt zu befürworten, so Goerens.

Als Umgangssprache sollte Luxemburgisch an Bedeutung gewinnen, meinte Goerens, "aber wir sollten das Problem nicht künstlich größer machen als es ist".

Verfassung auf Luxemburgisch übersetzen

Auch Frank Engel lehnt Luxemburgisch als offizielle EU-Sprache ab, "weil das bedingen würde, dass die hiesige Gesetzgebung auch auf Luxemburgisch verfasst ist". Der Sprache fehle es am geeigneten Wortschatz.

Engel sprach sich dafür aus, das Luxemburgische zur Schriftsprache zu erheben und die Verfassung auf Luxemburgisch zu übersetzen, und so "in einer rechtswirksamen Sprache festzuhalten, was uns in Luxemburg verbindet und was uns ausmacht".

Wie übrigens auch LSAP-Fraktionschef Alex Bodry ist Engel der Ansicht, dass eine Übersetzung der Gesetzgebung ins Luxemburgische in keinem Verhältnis zum Aufwand und zum Gewinn stehe.

Engel meinte aber, dass es der luxemburgischen Sprache gut tun würde, wenn sie beispielsweise für Reden im Rahmen von Ratspräsidentschaften zugelassen wäre. Dies würde die Sichtbarkeit und Hörbarkeit der Sprache fördern.

Am 16. Januar findet eine öffentliche Debatte über den Umgang mit der luxemburgischen Sprache in der Chamber statt, nachdem zwei Petitionen das erforderliche Quorum von 4.500 Unterschriften erreicht hatten.


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