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Prinz Philip, der Mann im Hintergrund – auch in Luxemburg
Politik 9 3 Min. 09.04.2021

Prinz Philip, der Mann im Hintergrund – auch in Luxemburg

Die Ehepartner der Regenten beim Staatsbesuch 1976 im Gespräch mit Zaungästen.

Prinz Philip, der Mann im Hintergrund – auch in Luxemburg

Die Ehepartner der Regenten beim Staatsbesuch 1976 im Gespräch mit Zaungästen.
Foto: Le Sibenaler/Phototheque de la ville de Luxembourg
Politik 9 3 Min. 09.04.2021

Prinz Philip, der Mann im Hintergrund – auch in Luxemburg

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Prinz Philip ist tot. Frenetisch gefeiert wurde der Duke of Edinburgh bei seinem Luxemburg-Besuch 1976. Doch im Mittelpunkt stand die Queen.

Er war stets der Mann im Hintergrund. Der Ehemann der Königin. Diese Rolle, in die der am Freitag verstorbene Prinz Philip nach seiner Hochzeit mit der künftigen Regentin im Jahr 1947 mühsam hineinwachsen musste, sollte er fast ein Dreivierteljahrhundert spielen. Immer einen Schritt im Hintergrund. 

Das galt auch für jene drei Tage im November 1976, die für das Großherzogtum ein historisches Ereignis darstellen: Mit dem Staatsbesuch Königin Elizabeths und ihres Prinzgemahls ab dem 8. November 1976 fand der erste offizielle Besuch eines regierenden englischen Staatsoberhauptes in Luxemburg statt. Und wie sollte es anders sein: „Luxemburg bereitet der Queen einen begeisterten Empfang“ titelte das „Luxemburger Wort“ - der Duke of Edinburgh, so der Titel Philips, spielte nur eine Nebenrolle.

Um Punkt 12 Uhr mittags landete an jenem Montag die Maschine aus London. Eine große Schar an Zuschauern sowie eine Delegation aus Honoratioren und eine Ehrenkompanie der Armee hieß die hohen Gäste willkommen. Die Begrüßung durch Großherzog Jean und Großherzogin Joséphine Charlotte sei „herzlich“ verlaufen, notierten die Berichterstatter vom „Wort“ damals. Dies war nicht nur eine Höflichkeitsfloskel; tatsächlich gab es eine enge Beziehung zwischen dem britischen Königshaus und der großherzoglichen Familie. Jean und Joséphine-Charlotte hatten Elizabeth und Philip 1972 in Großbritannien besucht.

Wie gut sich die Staatsoberhäupter beider Länder verstanden, zeigte sich beim Tod von Großherzog Jean. „Ich habe sehr gute Erinnerungen an Ihren Vater“, hieß es im Beileidsschreiben der Königin vom April 2019 an Großherzog Henri. Die Beziehungen beider Adelshäuser wurden in der Zeit, die der damalige Prinz Jean im Zweiten Weltkrieg in Großbritannien verbrachte, gefestigt. „Wie Sie wissen, wollte er in der Befreiung seines Landes behilflich sein und meldete sich freiwillig als Soldat bei der britischen Armee. Er leistete bei den Irish Guards ausgezeichnete Dienste und wurde später ein Oberst des Regiments“, schrieb die Königin 2019. Und sagte: „Ich war über die Nachricht des Todes Ihres Vaters sehr betrübt.“ 

Philip, Jean und die Irish Guards

Ihre tiefe Anteilnahme sprach Elizabeth auch im Namen von Prinz Philip aus. Jean und Philip, beide Jahrgang 1921, waren nicht nur etwa gleich alt, sondern sie waren auch beide eng dem Militär verbunden gewesen: Prinz Philip, einst Jahrgangsbester des Royal Naval College, hätte gern eine militärische Karriere eingeschlagen, doch war dies nicht mit seinen Pflichten als Prinzgemahl vereinbar.

Doch bei seiner Ankunft am Findel 1976 trug er die Uniform eines „Fieldmarshall of the Irish Guards“, jener Elitetruppe, in der sowohl Großherzog Jean als auch sein Sohn, der damalige Erbprinz und jetzige Großherzog Henri, gedient hatten. Der Truppe blieb Jean über seinen Tod hinaus verbunden; als sein Sarg aus der Kathedrale hinab in die Krypta getragen wurde, spielte eine Kapelle der Irish Guards


Britain's Queen Elizabeth II visits the Royal Academy of Arts in London on March 20, 2018.
The Royal Academy of Arts has completed a major redevelopment of its galleries for the academy's 250th anniversary year. During the course of the visit, Her Majesty will also have an opportunity to view the Royal Academy's current exhibition 'Charles I: King and Collector'. / AFP PHOTO / POOL / Alastair Grant
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Aber zurück zum Staatsbesuch 1976: Nach dem pompösen Empfang am Flughafen im kalten Novemberwind ging es zum Palais. Eine Wagenkolonne staute sich „bis hin zur Einfahrt der Autobahn Kirchberg, Wagen, besetzt mit Luxemburgern, die gerne der Königin durch ihre Anwesenheit ihre Sympathie bekunden wollten“. Nach einem Essen im kleinen Rahmen und diplomatischen Empfängen ging es für das Königspaar zum „Kanounenhiwel“, wo Elizabeth Blumen niederlegte und sich im Beisein von Regierungspräsident Gaston Thorn ins Goldene Buch eintrug. 

Die Königin spricht Luxemburgisch

Zurück ging es zum Palais „durch dichtgedrängte Zuschauerreihen, ein für Luxemburg wirklich ungewohntes Bild“, wie das „Wort“ nochmals hervorhob. Die englischen Journalisten seien über den herzlichen Empfang erstaunt gewesen; „wahrscheinlich hatten man ihnen (zu) viel von den ‚reservierten‘ Luxemburgern erzählt“, mutmaßen die Berichterstatter. 

Ech mengen mei Letzeburgesch ass net eso‘ gudd we‘ Ert Englisch.

Queen Elizabeth II.

Viel Zuspruch erhielt die Königin bei ihrer Ansprache, in der sie zunächst auf Englisch und Französisch den Wandel Luxemburgs mit seinen modernen Gebäuden und seiner Offenheit für neue Ideen und Industrien würdigte. Als sie dann noch sagte: „Ech mengen mei Letzeburgesch ass net eso‘ gudd we‘ Ert Englisch“, erhielt sie frenetischen Beifall.


(FILES) In this file photo taken on July 22, 2020 Britain's Prince Philip (C), Duke of Edinburgh takes part in the transfer of the Colonel-in-Chief of The Rifles at Windsor castle in Windsor on July 22, 2020. - Queen Elizabeth II's husband Britain's Prince Philip, Duke of Edinburgh has died, Buckingham Palace announced on April 9, 2021. (Photo by Adrian DENNIS / POOL / AFP)
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In den Tagen in Luxemburg gab es das volle royale Programm; darunter Empfänge, ein Festbankett im Kammergebäude, Ausflüge nach Esch und nach Differdingen und als „Krönung“ ein Dinner im Stadttheater. Philip und Elizabeth hätten sich „ungemein würdig und einfach, leutselig und ansprechend“ gegeben, so die Berichterstatter damals.

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