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Presserevue: Das Volk ist dumm
Das Nein zur Gemeindefusion Fels, Nommern und Fischbach ist heute ein Thema in allen Tageszeitungen.

Presserevue: Das Volk ist dumm

Marc_Wilwert
Das Nein zur Gemeindefusion Fels, Nommern und Fischbach ist heute ein Thema in allen Tageszeitungen.
Politik 2 Min. 11.11.2014

Presserevue: Das Volk ist dumm

Die Nach-und Aufbereitung des Referendums in den Gemeinden Fischbach, Fels und Nommern sorgt noch immer für Kopfzerbrechen.

(jag) - Warum soll man das Volk bloß fragen, es versteht ja eh nichts von Politik und läuft bloß sabbernd seinen Eigeninteressen nach. Nein, das ist kein historisches Zitat, ist mir nur so eingefallen wenn ich die rezenten Kommentare und Anmerkungen zu Referenden höre und lese. Mit schöner Regelmäßigkeit lassen Politiker das Volk abstimmen und wundern sich dann später drüber, dass eben dieses Volk eine andere Sicht der Dinge hat.Vielleicht erden solche Referenden ja auch so manchen in andere Sphären abgetauchten Politikermenschen.

Andere Journalistenkollegen haben sich des Themas' in der Tagespresse angenommen, Christophe Langenbrink meint im "Luxemburger Wort",  es sei verführerisch, sich die Meinung des Volkes einzuholen, um sich politisch zu legitimieren. Dass die Fragestellung eine nicht unwesentliche Rolle spielt und solche Referenden extrem politisiert werden könnten liege demnach auf der Hand.

John Lamberty meint in der gleichen Zeitung zum gleichen Thema, dass die drei BürgermeisterInnen sich wohl zu sehr an ihren Wahlresultaten orientiert und damit überschätzt hätten. Schlechte Kommunikation um die sektoriellen Leitpläne hätten eine Rolle gespielt.

Die Pro-Argumente der Gemeindeverantwortlichen waren nicht gut genug, oder nicht gut genug formuliert, meint Simone Molitor im "Journal", vielleicht wurde auch nicht zugehört. Die Befürchtungen vieler Familien in Sachen Zentralschule seien nicht zu überhören gewesen, obwohl zumindest bis 2029 alles beim Alten bleiben sollte.

Den Pfui-Faktor bringt aber der "Quotidien" ins Spiel. Erwan Nonet will sich gar nicht vorstellen, dass der Ausgang des Referendums etwas damit zu tun haben könne, dass die Fels die größte portugiesischsprachige Gemeinde des Landes ist. Es wäre in der Tat eine Schande.

Eine Schande wäre auch das, was Christoph Bumb im Luxemburger Wort aufzudecken gesucht. Warum war das Finanzministerium am 14. Oktober über die geplanten Luxleaks -Ankündigungen informiert, während Premierminister Xavier Bettel am Freitag im Briefing nach dem Ministerrat erklärte, er habe nichts davon gewusst? Nichts. Erst als ihn ein belgischer Journalist am 5. November auf das Dossier ansprach sei sich Bettel bewusst geworden, welchen Umfang die Veröffentlichungen hätten.

Aber jeder biegt sich halt die Wahrheit ein bisschen zurecht, besonders nach parlamentarischen Ausschusssitzungen in denen Geschlossenheit nur vor dem Mikrofon simuliert wird. Im "Off" ist eben alles anders, wie langjährige Radiojournalisten aus Erfahrung wissen.