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Presserevue: 70 Jahre danach ...
Politik 2 Min. 14.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Presserevue: 70 Jahre danach ...

Presserevue: 70 Jahre danach ...

Foto: Marc Wilwert
Politik 2 Min. 14.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Presserevue: 70 Jahre danach ...

Die Rückkehr von Großherzogin Charlotte aus dem fünfjährigen Exil am 14. April 1945 ist am Dienstag das Thema schlechthin im Luxemburger Blätterwald. Doch auch das Ausländerwahlrecht bleibt ein Thema.

(TJ) - Am 14. April 1945 war das Land nicht nur vom Nazi-Joch befreit, an diesem Tag landete die beliebte Großherzogin Charlotte, von London kommend, auf Findel. Damit war Luxemburg wieder richtig Luxemburg.

Die großen Tageszeitungen kommen logischerweise in Wort und Bild auf diesen bedeutenden Tag zurück. Das "Wort" widmet dem Ereignis eine 16-seitige Sonderbeilage mit historischen Aufzeichnungen und Analysen.  Infografiken veranschaulichen die Odysee der Herrscherfamilie und der damaligen Regierung auf der Flucht vor den Besatzern. Doch auch der Rückflug von London nach Luxemburg wird unter die Lupe genommen und genau rekonstruiert. Es sei an dieser Stelle einmal mehr auf das Video von wort.lu über die Exiljahre der Staatschefin verwiesen.

Die Rolle der Großherzogin als Symbolfigur in jenen Jahren und ihre Glorifizierung sind allseits bekannt. Leitartikler Marc Thill stellt im "Wort" Fragen dazu:

An diesem Jubeltag stellt man sich allerdings heute – und das mehr denn je – die Frage, inwiefern auch dieses Bild, das uns vom Krieg gezeichnet wurde, der Wahrheit entspricht. War Großherzogin Charlotte tatsächlich diese Powerfrau, die man während des Krieges und nachher dermaßen glorifiziert hat? Oder war sie nur ein Mensch wie jeder andere auch, der aber in seiner Position als Staatschef in den Strudel der Kriegsereignisse gerissen wurde?

Auch "Tageblatt" und "Quotidien" gehen auf jenen denkwürdigen 14. April 1945 ein. Historiker Vincent Artuso qualifiziert die Großherzogin als "symbole impartial". Für den Ersteller des gleichnamigen Berichts über die Judenverfolgung in Luxemburg war sie "la meilleure arme entre les mains de ceux qui voulaient reconstruire l'ordre d'avant la guerre."

David Marques bedauert im "Quotidien"-Leitartikel, dass mehrere Spitzenpolitiker (Bettel, di Bartolomeo und Polfer) am Dienstag  nicht zur Gedenkfeier auf der Place Clairefontaine erscheinen werden. Wohl urlaubsbedingt, haben sie sich entschuldigen lassen.

Das "Journal" geht wohl auf die Rückkehr der Großherzogin ein, macht aber mit dem 60. Geburtstag von Großherzog ( 16. April) auf und nimmt die Monarchie unter die Lupe. "Die Luxemburger stehen heute zu ihrem Großherzog - und das ist gut so", meint Jacqueline Kimmer.

Editorialistin Annette Duschinger schreibt im "Journal", die CSV müsse sich wohl "von ihrer emotionalen Argumentation und ihrem überstürzten Nein zum Referendum abwenden." Realismus sei gefragt. Wobei sie sich an der Meinung der Oppositionspartei zum Ausländerwahlrecht stört.

Realistisch und nüchtern betrachtet, waren bei den kommunalen und/oder europäischen Wahllisten 35.379 Nicht-Luxemburger eingeschrieben. Selbst wenn diese sich allesamt auf den nationalen Wahllisten eintragen ließen - wovon nicht auszugehen ist, "würde ihre Quote den Anteil der Wahlberechtigten um 6,5 Prozent auf 50,5 Prozent der Gesamtbevölkerung anheben. Das reicht nicht aus, um das Demokratiedefizit nachhaltig abzubauen", wie  das "Wort" auf seinen politischen Seiten schreibt. Eine wirklich zufriedenstellende Lösung im Bestreben nach mehr Demokratie scheint es nicht wirklich zu geben.

Dass der Tod des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass den Weg in alle Tageszeitungen gefunden hat, wundert nicht. Grass war immerhin nicht nur einer der bedeutendsten deutschsprachigen Gegenwartsschriftsteller, sondern auch ein streitbarer und umstrittener Zeitgenosse.


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Editorial: Licht der Wahrheit
Man dürfe auf keinen Fall die Ereignisse von damals vergessen, hat die Kriegsgeneration immer wieder gerufen. Doch auch sie hat offenbar einige Dinge, die weniger in das heile Bild eines geeinten Luxemburgs während der Kriegsjahre gepasst haben, ganz einfach vergessen.