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Positive Bilanz für Large Scale Testing
Politik 3 Min. 14.09.2020

Positive Bilanz für Large Scale Testing

Gesundheitsministerin Paulette Lenert bei der Pressekonferenz am Montag.

Positive Bilanz für Large Scale Testing

Gesundheitsministerin Paulette Lenert bei der Pressekonferenz am Montag.
Lex Kleren
Politik 3 Min. 14.09.2020

Positive Bilanz für Large Scale Testing

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Viel Lob von der Regierung für die erste Phase. Was daraus für die zweite Phase gelernt werden konnte, erklären die Vertreter des Luxembourg Institute of Health.

Es sei ein guter, ein glücklicher Tag für das Luxembourg Institute of Health (LIH), denn das Large Scale Testing (LST) sei ein Erfolg in der Durchführung und im Resultat gewesen. Das sagte LIH-Direktor Prof. Ulf Nehrbass, als am Montag Bilanz von der zweimonatigen Initiative gezogen wurde, bei der im Ganzen 560.082 Tests an 307.751 in Luxemburg wohnhaften Personen und an    72.913 Grenzgängern durchgeführt wurden. 


Prof. Dr. Ulf Nehrbass, directeur du LIH et représentant de la Task Force COVID-19 Research Luxembourg
Der entscheidende Beitrag zur Lockerung
Prof. Dr. Ulf Nehrbass erklärt, was es mit der großen Bevölkerungsstudie auf sich hat: Ein Projekt der Forschung, aber kein Forschungsprojekt.

26 Prozent der positiven Fälle konnten so herausgefunden werden: 17 Prozent durch das Testen selber und 9 Prozent durch das Kontakt tracing. 781 mit Covid-19 infizierte Personen wurden entdeckt und isoliert - Personen, die wegen mangelnder Symptome wohl das Virus Sars-CoV-2 weiter verteilt hätten. 

37 Prozent folgten den Einladungen

Denn darum ging es bei der Aktion, zu der 1,5 Millionen Einladungen verschickt wurden, die von 37 Prozent der Adressaten auch befolgt wurden: Die Verbreitung des Virus mindern, indem Infektionsketten rechtzeitig unterbrochen werden. 

Die erste Phase des LST lief unter der Ägide des Forschungsministeriums, das auch für die Kosten von schlussendlich 32 Millionen Euro aufkommt. „Der Vorschlag und die Durchführung kamen aus der Forschungswelt, nun übergeben wir den Stab an das Gesundheitsministerium für die zweite Phase“, sagte Forschungsminister Claude Meisch (DP), der sich stolz darauf zeigte, dass die Erfahrungen des LST nun internationale geteilt werden und das Projekt in anderen Ländern als Vorbild dient. 

Konzept stand innerhalb von zwei Wochen

„Im April wussten wir nur, dass das Virus ansteckender ist als andere, zu höherer Sterblichkeit führt, über die Behandlung wenig bekannt ist und im Gegensatz zu anderen Krankheiten auch Infizierte ohne Symptome ansteckend sind“, erzählte Nehrbass, der das Konzept für das LST erstellte. „Antikörpertests kamen nicht infrage, weil Herdenimmunität keine Option war.“ 


Lokales, Covid-19 Test, P&R Belval, large scale testing,  Esch Alzette, Foto: Guy Wolff/ Luxemburger Wort
Large scale testing: "Ein Beitrag für unseren Sommer"
Großflächiges Testen ist das Sicherste, was man jetzt tun kann, sagt Ulf Nehrbass, Leiter des Luxembourg Institute of Health.

Am 4. Mai erhielt das LIH den Auftrag, am 27. Mai begann man die Aktion, die zum Ziel hatte, 20.000 Tests an 17 landesweit verteilten Stationen pro Tag durchzuführen. Bis zum 11. Juni dauerte es dann nach anfänglichem Zögern der Eingeladenen, bis die volle Testkapazität erreicht war. Da war die erste Welle zwar schon abgeklungen, aber Nehrbass zog dennoch ein positives Fazit.

49 Prozent der Bevölkerung beteiligten sich

Er befand: „Es wurde ein innovatives Testverfahren mit hoher Qualität in Rekordzeit und in einem nahtlosen, fast problemlosen Prozess auf die Beine gestellt. Die Ministerien, Institutionen und die Bevölkerung haben eine gelassene Routine aufgebaut und es somit geschafft, die zweite Welle schnell zu brechen und die Sterblichkeit sehr niedrig zu halten.“ 

Dr. Gregor Baertz, Verwaltungsratspräsident des LIH betonte, dass jeder Einwohner Luxemburgs und alle Grenzgänger angeschrieben wurden und 49 Prozent der Wohnbevölkerung teilgenommen hätten. "Es ging auch darum herauszufinden, wie das Virus sich in der Bevölkerung verbreitet, um gezielter zu testen und Personen, die viele Kontakte haben und viele andere Personen anstecken können - sogenannte Superspreader - aus der Infektionskette herauszuholen.

Drei Kategorien von Testpersonen


Lokales,Laboratoires Réunis-Corona-Test Drive-In.Junglinster. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Large Scale Testing: Einige Berufe werden alle zwei Wochen getestet
Neben Einladungen zu einem einmaligen Corona-Test werden einige Personen auch eingeladen, sich mehrmals testen zu lassen.

Es wurden drei Kategorien von Personen gebildet, die unterschiedlich oft getestet wurden: Kritische Personenkreise, wie Gesundheitspersonal, Polizei, Horesca- oder Apothekenpersonal alle zwei Wochen, Berufssektoren je nach Prävalenz mehr oder weniger oft und schließlich die Bevölkerung, wo jede Woche eine Person aus einem Umfeld von fünf Personen getestet wurde. 

Wichtige Erkenntnisse konnten so für das gezielte Vorgehen in der zweiten Phase gewonnen werden: Wie ist die Prävalenz in den verschiedenen Arbeitssektoren und in den verschiedenen Kantonen. Und: „40 Prozent der positiven Fälle haben sich in ihrem Haushalt angesteckt. Je größer der Haushalt, desto mehr positive Fälle“, betonte Baertz. 

So wenig invasiv wie möglich testen

„Was wir gelernt haben, werden wir in die zweite Phase einfließen lassen, um so wenig invasiv wie möglich vorzugehen und so viel Normalität wie möglich zu ermöglichen“, betonte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP).

Gesundheitsministerin Paulette Lenert wird für die zweite Phase des Large Scale Testing den Staffelstab des Forschungsministeriums übernehmen,
Gesundheitsministerin Paulette Lenert wird für die zweite Phase des Large Scale Testing den Staffelstab des Forschungsministeriums übernehmen,
Foto: Lex Kleren

Man strebe eine gute Übersicht über die Infektionszahlen in der Bevölkerung an und werde in Sektoren, wo viele Kontakte mit anderen Personen bestehen, verstärkt testen.

Unser Large Scale Testing ist heute nicht mehr umstritten und wird nachgeahmt.

Paulette Lenert

Sie lobte ihrerseits, dass Luxemburg so schnell und flexibel gehandelt hat und die Bevölkerung mitmachte. „Das macht unser Land aus“, betonte sie. Nun verfüge man über Daten, die Luxemburg gegenüber anderen Ländern einen Vorsprung verschafften. „Das LST ist weltweit einzigartig, es ist heute nicht mehr umstritten und wird nachgeahmt. Ich bin froh, dass wir dem anfänglichen Gegenwind standgehalten haben.“  

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