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Positive Bilanz des ersten Large Scale Testing
Politik 4 Min. 11.03.2021

Positive Bilanz des ersten Large Scale Testing

Die Bilanz der beiden ersten Phasen des Large scale testing fällt positiv aus, deshalb will die Regierung weitermachen. V.l.n.r. Thomas Dentzer, Paulette Lenert  und Paul Wilmes am Donnerstag bei der Pressekonferenz.

Positive Bilanz des ersten Large Scale Testing

Die Bilanz der beiden ersten Phasen des Large scale testing fällt positiv aus, deshalb will die Regierung weitermachen. V.l.n.r. Thomas Dentzer, Paulette Lenert und Paul Wilmes am Donnerstag bei der Pressekonferenz.
Foto: Guy Jallay
Politik 4 Min. 11.03.2021

Positive Bilanz des ersten Large Scale Testing

Danielle SCHUMACHER
Danielle SCHUMACHER
Gesundheitsministerin Lenert ist zufrieden mit den Ergebnissen der ersten Phase des LST. In der dritten Phase kommen nun auch Selbsttests zum Einsatz.

Fast 43 Millionen Euro will die Regierung in die dritte Phase des Large scale testing (LST) investieren, die demnächst beginnt und noch bis zum 15. Juli laufen soll. Am Donnerstag kommt der entsprechende Gesetzentwurf im Parlament zur Abstimmung. 


Syringes are seen on a table, in the eastern German state of Brandenburg where the first coronavirus (Covid-19) vaccinations are given in doctors' surgeries, in Senftenberg, on March 3, 2021. (Photo by HANNIBAL HANSCHKE / POOL / AFP)
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Doch bevor die Abgeordneten grünes Licht gaben, stellte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) zusammen mit  Prof. Dr. Paul Wilmes von der Taskforce und  Dr. Thomas Dentzer von der Santé, eine erste Bilanz der zweiten Phase sowie die Ergebnisse der ersten Testphase vor. 

Noch ist die zweite Phase nicht vollständig abgeschlossen. Zwischen dem 7. September 2020 und dem 7. März 2021 hat die Santé insgesamt 3.005.547  Einladungen für einen PCR-Test verschickt. Letzten Endes wurden aber nur 804.747 Test durchgeführt. Folglich haben nur 26,77 Prozent der  angeschriebenen Personen auch an dem LST teilgenommen. Insgesamt konnten 6.850 positive Fälle entdeckt werden, 0,9 Prozent der Tests waren also positiv. Auf dem Höhepunkt der zweiten Infektionswelle lag die Positivrate zeitweise auf über drei Prozent. 

Mehr positive Tests bei Reisenden

Bei den Tests, die im Zusammenhang mit einer Reise durchgeführt wurden, lag die Prävalenz mehr als doppelt so hoch, und zwar bei 2,1 Prozent. Insgesamt wurden 106.383 Tests gemacht, davon waren 2.194 positiv.

Gesundheitsministerin Paulette Lenert zog eine Zwischenbilanz bei der zweiten Phase des LST.
Gesundheitsministerin Paulette Lenert zog eine Zwischenbilanz bei der zweiten Phase des LST.
Foto: Guy Jallay

Neben den PCR-Tests wurden auch Bluttests durchgeführt, um die Immunität von Personen, die an Covid erkrankt waren, mittlerweile aber wieder genesen sind, zu ermitteln. Aus den Zahlen der Santé geht hervor, dass ein Jahr nach dem ersten Corona-Fall in Luxemburg die Immunität bei etwa zwölf Prozent liegt.

„Das Large scale testing vermittelt uns ein generelles Bild über Infektionsdynamik im Land“, so das Resümee der Gesundheitsministerin am Donnerstagmorgen.

43 Prozent mehr Fälle ohne LST

Die Ergebnisse der ersten Phase sollen demnächst im Wissenschaftsmagazin „The Lancet“ publiziert werden. 49 Prozent der Einwohner und 22 Prozent der Grenzgänger haben sich zu Beginn der Pandemie testen lassen. So konnten 850 positive Fälle entdeckt werden, weitere 249 wurden anschließend über das Contact tracing ausfindig gemacht. Rechnet man dies zusammen, so wurden zwischen dem 27. Mai und dem 15. September 2020 26 Prozent aller Corona-Fälle über das LST entdeckt.


IPO,Pressebriefing Ministerrat Paulette Lenert & Xavier Bettel.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
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Interessant sind aber vor allem die Modellberechnungen, die die Forscher nach dem Ende der ersten Testphase durchgeführt haben. Ohne das LST hätte es in Luxemburg womöglich 43 Prozent mehr positive Fälle gegeben. Hätten aber alle Einwohner und Grenzgänger, die eine Einladung erhalten hatten, sich auch testen lassen, hätte es weitaus weniger Infektionen gegeben, so das Fazit. 

Das Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (Liser) hat errechnet, dass durch den Lockdown im Frühjahr Kosten in Höhe von 3.200 Euro pro Einwohner entstanden sind. Die Kosten des LST belaufen sich hingegen nur auf 30 Euro pro Person. 

Dritte Testphase läuft am 25. März an

Und weil die Ergebnisse der ersten und der zweiten Phase positiv ausgefallen sind, will die Regierung ihre Teststrategie fortführen. Die dritte Phase des LST läuft am 25. März an und läuft vorerst bis zum 15. Juli. Der Kostenpunkt liegt wie gesagt bei 42,83 Millionen Euro. Es gibt allerdings bereits jetzt eine Option, bei Bedarf über den 15. Juli hinaus mit den Tests weiterzumachen. Diese vierte Phase würde dann bis Mitte September dauern.

Prof. Paul Wilmes erklärte die dritte Phase des Large scale testing.
Prof. Paul Wilmes erklärte die dritte Phase des Large scale testing.
Foto: Guy Jallay

Große Unterschiede zur zweiten Phase gebe es nicht, erklärte Prof. Paul Wilmes am Donnerstag. Es werden weiterhin Einladungen verschickt und die Tests sind kostenlos. Die Testkapazität liegt bei 53.000 Tests pro Woche. Allerdings sollen die mobilen Einsatzteams  stärker zum Einsatz kommen, um so bei Bedarf gezielter und schneller  testen zu können, etwa in Schulen. „Unser oberstes Ziel ist und bleibt es, die asymptomatischen Fälle aufzuspüren und so die Infektionsketten zu durchbrechen“, so Wilmes.  Der Forscher bedauerte, dass viele Leute sich nicht testen lassen. Die Bereitschaft sich testen zu lassen, gehen immer dann deutlich zurück, wenn auch die Zahl der Neuinfektionen sinke. 

Unser oberstes Ziel ist und bleibt es, die asymptomatischen Fälle aufzuspüren und so die Infektionsketten zu durchbrechen.  

Prof. Paul Wilmes

Der Auftrag der dritten Phase wurde im Gegensatz zur zweiten Phase nicht ausgeschrieben, sondern über das Verfahren des „marché négocié“ vergeben, dies, weil an der letzten Ausschreibung nur ein einziger Interessent teilgenommen hatte.

Schnelltests und Selbsttests  

Im Gegensatz zu den beiden ersten Durchgängen setzt man im Gesundheitsministerium diesmal stärker auf Schnell- und Selbsttests. Mit den Schnelltests habe man gute Erfahrungen gemacht, erklärte Ressortleiterin Paulette Lenert und verwies dabei u.a. auf die Seniorenheime und die Schulen. Bei den Schnelltests hat sich die Regierung  für  Nasentests entschieden. Sie sollen wie die PCR-Tests weiterhin kostenlos sein. Die Selbsttests müssen die Bürger allerdings aus eigener Tasche bezahlen. Einige Apotheken bieten  Selbsttests bereits an.

Weder die Schnelltests noch die Selbsttests können die PCR-Tests ersetzen, so Thomas Dentzer. Sie würden aber eine gute Ergänzung darstellen. Zusammen würden sie für mehr Sicherheit sorgen. Positive Resultate bei den Selbsttests sind zwar nicht meldepflichtig. Allerdings ruft die Gesundheitsministerin dringend dazu auf, sich im Fall eines positiven Ergebnisses sofort in Quarantäne zu begeben und das Resultat durch einen PCR-Test überprüfen zu lassen. 

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