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Politmonitor - Teil 2: Instanzen überzeugen, Köpfe aber nicht
Die Drei von der Spitze: Außenminister Jean Asselborn, Premier Xavier Bettel und Chamberpräsident Mars Di Bartolomeo erfreuen sich weiterhin positiver Umfragewerte.

Politmonitor - Teil 2: Instanzen überzeugen, Köpfe aber nicht

Foto: Guy Jallay
Die Drei von der Spitze: Außenminister Jean Asselborn, Premier Xavier Bettel und Chamberpräsident Mars Di Bartolomeo erfreuen sich weiterhin positiver Umfragewerte.
Politik 8 Min. 23.05.2017

Politmonitor - Teil 2: Instanzen überzeugen, Köpfe aber nicht

Der Aufwärtstrend, der sich im ersten Teil des Politmonitors angedeutet hatte, setzt sich bei den Personalien nicht weiter fort. Trotz hohen Vertrauens in die Instanzen müssen fast alle Politiker in den Umfragewerten Verluste hinnehmen.

(ham) - Jean Asselborn ist einsame Spitze, Xavier Bettel ist weiter auf dem Vormarsch, Claude Wiseler ist der Jugend kein Begriff, und die Polit-Prominenz hat ein Image-Problem. So, oder so ähnlich, lässt sich der zweite Teil des Politmonitors zusammenfassen, der von TNS Ilres im Auftrag vom Luxemburger Wort und RTL zusammengestellt wurde.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Spitzenpolitiker des Landes in den letzten Monaten an Popularität eingebüßt haben. Vom Spitzentrio abgesehen sind quasi alle anderen Umfragewerte im Vergleich zur letzten Ausgabe des Politmonitors im Januar rückläufig. Nur Dan Kersch schafft es noch, einen Prozentpunkt zuzulegen. François Bausch hingegen kann seinen Wert von Anfang des Jahres verteidigen.

Asselborn top, Bettel auf dem Vormarsch

Einsame Spitze ist immer noch Jean Asselborn (LSAP). Der Außenminister ist und bleibt der mit Abstand beliebteste Politiker des Landes. Sowohl in Sympathie als auch in Kompetenz erreicht der sozialistische Politiker Werte von 83 Prozent und bestätigt damit das gute Ergebnis von Januar.

Etwas abgeschlagen auf Platz 2 kommt nach einer kurzen Auszeit Chamberpräsident Mars Di Bartolomeo. Der erste Bürger des Landes war im Januar nicht erfasst worden, erreicht nun aber wieder sowohl in Sympathie als auch in Kompetenz einen Wert von 72 Prozent. Ein Plus von 3 Prozent gegenüber seiner letzten Erfassung im Mai 2016.

Als zweitbester Regierungspolitiker schafft es Premier Xavier Bettel mit einem Durchschnittswert von 70 Prozent wieder in die Top 3. Der Staatsminister konnte nach dem Popularitätsschub von Januar (+ 12 Prozent) erneut Punkte hinzu gewinnen (+3) und bestätigt damit den Aufwärtstrend der letzten Monate. Von den Traumwerten aus Oppositionszeiten ist Bettel jedoch weit entfernt. Die gute Nachricht: Vor allem bei den jungen Wählern kommt der Premier besser an als die beiden Spitzenreiter.

Populärste Politikerin ist weiterhin Lydie Polfer (DP - 64 Prozent). Sie büßt allerdings vier Prozentpunkte ein und rutscht von Rang 2 auf Rang 4. Die Hauptstadt-Bürgermeisterin gehört damit zu jenen Politikern, die die Wähler kompetenter (68 Prozent) bewerten als sympathisch (61 Prozent). Das gleiche gilt übrigens auch für Premier Xavier Bettel, der erstmals bessere Kompetenzwerte (72 Prozent, Platz 2) einfährt, als Sympathie (68 Prozent).

Ein Imageproblem hat indessen Claude Wiseler (62 Prozent). Der Spitzenkandidat der CSV verliert 6 Prozentpunkte und rutscht von Rang 2 auf Rang 5. Hier liegt der Teufel im Detail: Bei der älteren Wählerschaft hat Wiseler einen Bekanntheitsgrad von quasi 100 Prozent. Fragt man allerdings die jüngere Generation, so müssen viele beim Namen „Wiseler“ passen: Bei den 18- bis 24-Jährigen haben beispielsweise nur 66 Prozent vom konservativen Spitzenpolitiker gehört.

Mit der EU-Abgeordneten Viviane Reding (58 Prozent) hat die CSV einen weiteren Vertreter in den Top 10, nämlich auf Rang 7. Trotz eines Verlusts von 3 Prozentpunkten, profitiert die frühere EU-Kommissarin immer noch von ihrem Ruf als Bezwingerin der Telekommunikationsgiganten. Ihrem Kompetenzwert von 65 Prozent (Rang 5) steht eine Sympathiequote von 51 Prozent gegenüber (Rang 9).

Ergänzt werden die Top 10 von den LSAP-Ministern Romain Schneider (mit 60 Prozent auf Rang 6) und Etienne Schneider (57 Prozent) sowie den grünen Regierungsvertretern Felix Braz (55 Prozent) und Carole Dieschbourg (50 Prozent). Alle vier müssen sie Verluste einfahren, wobei die Umweltministerin mit einem Minus von 8 Prozent den herbsten Rückschlag innerhalb der Top 10 verdauen muss.

Verluste müssen auch die anderen Regierungsmitglieder hinnehmen, bis auf Innenminister Dan Kersch (42 Prozent), der einen Punkt zulegt, sowie Infrastrukturminister François Bausch, der bei 44 Prozent stagniert.

Bausch attestieren die Wähler weitaus mehr Kompetenz (49) als Sympathie (38). Der grüne Minister ist einer von zwei weiteren Regierungsmitgliedern, die in puncto Kompetenz noch an der symbolischen 50-Punkte-Grenze knabbern. Die zweite im Bunde ist Lydia Mutsch, der 49 Prozent der Befragten Kompetenz bescheinigen. Im Durchschnitt aber büßt die Gesundheitsministerin 4 Punkte ein.

Kompetenz übertrumpft Sympathie

Einen Verlust von 5 Punkten muss DP-Minister Pierre Gramegna hinnehmen. Er kommt aber immerhin noch auf Platz 11. Allerdings klaffen beim Finanzminister Welten zwischen Kompetenz (59 Prozent) und Sympathie (39 Prozent). Gramegna scheint demnach zumindest in Sachen Kompetenz Kapital aus der guten wirtschaftlichen Lage des Landes zu schlagen. 

Indessen kann Staatssekretärin Francine Closener (33 Prozent) die Dienstwagen-Affäre abschütteln, wenn auch nur langsam. Nach einem Popularitätsschub im Januar muss die Staatssekretärin erneut einen Verlust von einem Prozentpunkt hinnehmen. Doch: Sie kann sich vom „Tabellenende“ absetzen. War im Januar nur DP-Fraktionschef Eugène Berger (25 Prozent) schlechter platziert, so lässt Closener dieses Mal mit David Wagner (29 Prozent), Viviane Loschetter (28 Prozent) und Staatssekretär Guy Arendt (26 Prozent) noch drei weitere Politkollegen hinter sich.

Mit einem Sympathiewert von 26 Prozent ist Arendt aktuell der unbeliebteste Regierungsvertreter des Landes. Allerdings schneiden auch die restlichen Kollegen von der Regierungsbank nicht sonderlich gut ab: 12 von 18 Regierungsmitglieder liegen in puncto Sympathie unterhalb der 50-Prozent-Grenze. Drei mehr als noch im Januar.

Im Durchschnitt schneiden die liberalen Regierungsmitglieder schlechter ab als die Amtskollegen der anderen Koalitionsparteien. Corinne Cahen rutscht mit 39 Prozent unter die 40er-Hürde, Fernand Etgen auch (- 6 auf 35 Prozent), Claude Meisch (33 Prozent) fällt weiter zurück und Marc Hansen (43 Prozent) sowie Guy Arendt müssen 8, respektiv 10 Prozentpunkte einbüßen.

Es fehlen noch zwei Namen: Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) verliert einen Prozentpunkt und landet mit 41 Prozent auf Platz 21. Staatssekretär Camille Gira (Déi Gréng) liegt mit 43 Prozent (- 4 Prozent) auf Platz 17.

Minus 13 für Wagner

Des einen Leid, des anderen Freud? Mitnichten: Auch auf den Oppositionsrängen muss so manch Politiker Verluste hinnehmen. Ganz vorne: David Wagner von Déi Lénk. Nach einem Zuwachs von 11 Prozent konnte Wagner im Januar noch einen Durchschnittswert von 42 Prozent verzeichnen. Der Höhenflug ist gestoppt, das Polster ist nach einem Verlust von 13 Prozentpunkten wieder futsch: Wagner fällt auf 29 Prozent.

Auf Seiten der größten Oppositionspartei hingegen kann neben den zwei Zugpferden Wiseler und Reding nur Marc Spautz den Schaden in Grenzen halten. Der Parteipräsident büßt lediglich zwei Prozentpunkte ein und kommt auf 39 Prozent. Laurent Mosar verliert 7 Prozent, François Hetto-Gaasch und Laurent Zeimet 8 Prozent und Martine Hansen deren sogar 9.

Fehlt noch LSAP-Fraktionschef Alex Bodry, der sich mit seinem Durchschnittswert von 48 Prozent auf Platz 12 wiederfindet. Für den Verfassungsexperten ist es ein Minus von 2 Prozent. Und ADR-Urgestein Gast Gybérien, der 5 Punkte verliert und mit 41 Prozent von Platz 17 auf Platz 20 abrutscht.

„Kenne ich nicht“

Unter dem Strich bleibt demnach festzuhalten, dass bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Luxemburger Politprominenz in den letzten Monaten Federn lassen musste. Die Ursachenforschung gestaltet sich als schwierig: Das Vertrauen der Bürger in die Instanzen scheint laut dem ersten Teil des Politmonitors doch recht hoch, die wirtschaftliche Lage des Landes ist gut und Polit-Skandale sind größtenteils ausgeblieben.

Eine mögliche Erklärung ist der Umstand, dass die Umfrageteilnehmer bei der Sympathie- und Kompetenzfrage erstmals wieder angeben konnten, ob sie den betroffenen Politiker überhaupt kennen. Die neue Antwortmöglichkeit könnte demnach einen Einfluss auf die Ergebnisse haben und vor allem den jungen, entsprechend neuen Politikern geschadet haben.

Die meisten Regierungsvertreter haben einen hohen Bekanntheitsgrad, und das sowohl bei den jüngeren als auch den älteren Wählern. Bis auf Marc Hansen, Camille Gira, Francine Closener, Fernand Etgen und Guy Arendt kommen alle Kabinettsmitglieder auf Werte über 90 Prozent. Arendt ist mit 70 Prozent der unbekannteste Regierungsvertreter. Auch generell liegt er nur knapp vor David Wagner, der von allen Top-Politikern mit 69 Prozent den wenigsten ein Begriff ist.

Ein anderes Bild ergibt sich bei den jungen Wählern zwischen 18 und 24 Jahren. Während Xavier Bettel (99 Prozent) und Jean Asselborn (98 Prozent) fast allen ein Begriff ist, kommen nur Etienne Schneider (96 Prozent), François Bausch (95 Prozent), Claude Meisch (93 Prozent) und Lydia Mutsch (91 Prozent) über die 90-Prozent-Marke hinaus.

Bekanntester Oppositionspolitiker in dieser Kategorie ist CSV-Präsident Marc Spautz, den immerhin noch 8 von 10 jungen Wählern kennen. Ähnlich bekannt ist Viviane Reding (78 Prozent). Spitzenkandidat Claude Wiseler hat indessen, wie bereits erwähnt, ein Imageproblem bei den Jungen: Ihn kennen „nur“ 66 Prozent der 18- bis 24-Jährigen.

So entsteht der Politmonitor

Die repräsentative Politmonitor Meinungsumfrage wurde im Auftrag von „Luxemburger Wort“ und RTL von TNS Ilres durchgeführt. Im Zeitraum vom 8. bis zum 15. Mai 2017 wurden 1 020 wahlberechtigte Einwohner mit luxemburgischer Nationalität im Alter über 18 Jahre befragt, davon 49 Prozent über Telefon und 51 über Internet, wobei den Befragten die Politikerliste jeweils zur Hälfte unterbreitet wurde. Die Rohdaten wurden auf folgenden Variablen gewichtet: Altersgruppe, Geschlecht, Wohnbezirk, Berufstätigkeit und Bildungsniveau (Daten vom Statec). Die Angaben zur Methodologie wurden bei der ALIA (alia.lu) hinterlegt.

Die Ergebnisse der Umfrage werden gerundet und ohne Dezimalstellen veröffentlicht. Den Berechnungen liegen jedoch die genauen Dezimalzahlen zugrunde. Hierdurch kann es zu auf den ersten Blick unverständlichen Rundungen kommen, die durch die genauen Ergebnisse aber erklärt werden.

Die Fehlermarge könnte zwischen 1,9 und 4,4 Prozent betragen.

Die von „Luxemburger Wort“ und RTL festgehaltene Liste der Politmonitor-Umfrage versucht die wichtigsten Entscheidungsträger der nationalen Politik abzudecken. Dazu gehören alle Regierungsmitglieder sowie die Vorsitzenden der im Parlament vertretenen Fraktionen. Bei den Oppositionsparteien wird ihre Stärke in der Chamber berücksichtigt. Zusätzlich werden einzelne Politiker mit hohem Bekanntheitsgrad abgefragt, die somit potentiell über einen besonderen Einfluss auf Debatten und Wahlresultate verfügen. Alle abgefragten Namen werden auch veröffentlicht.


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