Politmonitor Teil 2

Asselborn behauptet Spitzenplatz

Die Top-Sozialisten (v.l.n.r.): Jean Asselborn (1), Romain Schneider (6), Etienne Schneider (7), Mars di Bartolomeo (2) und Alex Bodry (10) gehören zu den zehn beliebtesten Politikern des Landes.
Die Top-Sozialisten (v.l.n.r.): Jean Asselborn (1), Romain Schneider (6), Etienne Schneider (7), Mars di Bartolomeo (2) und Alex Bodry (10) gehören zu den zehn beliebtesten Politikern des Landes.
Foto: Guy Jallay

(ham) – Jean Asselborn ist weiterhin beliebtester Politiker des Landes, Alex Bodry drängt wieder in die Top-Ten und Claude Wiseler hat zwar sein Image-Problem bei der Jugend überwunden, scheint nun aber unter einem Schulz-Effekt zu leiden. Das ist die Zusammenfassung des zweiten Teils des Politmonitors, der von TNS Ilres im Auftrag vom Luxemburger Wort und RTL zusammengestellt wurde.

Oberflächlich betrachtet, hat sich in den letzten sechs Monaten nur wenig getan. Von den Köpfen her bleibt die Top-Ten bis auf eine Ausnahme unverändert, und auf den ersten Blick scheint es auch dahinter keine größeren Gewinner oder Verlierer zu geben. Bei näherer Betrachtung aber tun sich so manche interessante Beobachtungen auf, die sicherlich mit der Aktualität der letzten sechs Monate zusammen hängen.

Die rastlose Nummer Eins

Unangefochten an erster Stelle liegt Jean Asselborn (LSAP). Der dienstälteste europäische Chefdiplomat profitiert vom Ruf des rastlosen Außenministers, der von Termin zu Termin hetzt, um Luxemburgs Stellung in der Welt zu festigen und Europa in seinen Grundfesten zusammen zu halten. Dazu kommt, dass er fast schon im Wochenrhythmus in den unterschiedlichsten ausländischen Talkshows zur Sprache kommt. Die Folge: Zwar büßt Asselborn gegenüber Mai 2017 im Schnitt einen Prozentpunkt ein auf 82 Prozent, doch kann in puncto Sympathie (82 Prozent) und Kompetenz (83 Prozent) niemand dem Luxemburger Außenminister das Wasser reichen.

Auf Platz 2 kommt erneut Mars Di Bartolomeo. Der erste Bürger des Landes konnte sogar drei Prozentpunkte gut machen und kommt auf einen Schnitt von 75 Prozent. Sechs Prozentpunkte vor Premier Xavier Bettel (DP), der einen Prozentpunkt einbüßt und auf 69 Prozent Zustimmung kommt.

Übrigens hat der liberale Staatsminister zum zweiten Mal in Folge einen besseren Kompetenz- (69) als Sympathiewert (68). Zwar ist der Premier von den Traumwerten aus Oppositionszeiten (83 Prozent Durchschnitt im September 2013) immer noch weit entfernt, allerdings scheint er trotz eines leichten Verlustes den Aufwärtstrend der letzten zwei Jahre festigen zu können. Zur Erinnerung: Der Premier hat seit Mai vergangenen Jahres 14 Prozentpunkte gut gemacht.

Beliebteste Politikerin des Landes bleibt indessen Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer (DP). Allerdings muss die liberale Députée-maire auf ein Neues einen Verlust wegstecken. Zwischen Januar und Mai hatte Polfer bereits vier Prozentpunkte verloren, war von Rang 2 auf Rang 4 abgerutscht. Mit einem weiteren Verlust von zwei Prozentpunkten kann die Bürgermeisterin immerhin ihren vierten Platz verteidigen.

Dicht auf den Fersen ist ihr inzwischen aber die konservative Europaabgeordnete Viviane Reding (CSV). Die frühere Vizepräsidentin der Europäischen Kommission hat den Spitzenkandidaten ihrer Partei, Claude Wiseler, auf Rang 5 abgelöst und führt mit einem Schnitt von 59 Prozent (+ 1 Prozentpunkt) das Feld der Oppositionspolitiker an. Ihr Parteikollege Claude Wiseler muss indessen einen Verlust von fünf Prozentpunkten verdauen, rutscht von Rang 5 auf Rang 8.

Nach der letzten Umfrage im Mai war dem Spitzenkandidaten der größten Oppositionspartei bereits ein Imageproblem vorausgesagt worden. So hatte Wiseler zwischen Januar und Mai bereits sechs Prozentpunkte verloren und war von Rang 2 (den er mit Polfer teilte) auf Rang 5 abgestürzt.

Doch lag auch hier, wie so oft, der Teufel im Detail: Bei der älteren Wählerschaft hatte Wiseler einen Bekanntheitsgrad von quasi 100 Prozent und Werte weit über der 70-Punkte-Grenze. Bei den jüngeren Wählern aber stürzte der CSV-Abgeordnete ab, mit Werten zwischen 30 und 45 Prozentpunkten in Sympathie und Kompetenz. Auch sein Bekanntheitsgrad war nicht der allerhöchste: Bei den Wählern unter 24 Jahren kannten nur 66 Prozent seinen Namen. Der Rest musste passen.

Der Schulz-Effekt

Inzwischen hat sich dieser Wert aber verbessert: 78 Prozent der 18- bis 24-Jährige haben nun vom CSV-Spitzenkandidaten gehört. Und auch die Sympathie- und Kompetenzwerte sind bei der jüngeren Wählerschaft im Auftrieb. Zwar liegt Wiseler bei den ganz jungen Wählern immer noch jenseits der 50er Grenze (Tendenz steigend), allerdings hat er bei den 25- bis 34-Jährigen einen großen Sprung hingelegt, wo er inzwischen in beiden Werten an der 55-Punkte-Grenze kratzt.

Grund zur Freude aber besteht kaum: Während bei der jüngeren Wählerschaft ein Trend nach oben festgestellt werden konnte, scheint Wiseler mit jeweiligen Verlusten von bis zu zehn Prozentpunkten bei der älteren Wählerschaft weniger gut anzukommen, als noch vor einem Jahr.

Beim Blick auf die Resultate der letzten zwei Jahre, kommt man nicht umher einen gewissen Schulz-Effekt festzustellen. Nach ganz ordentlichen Resultaten beim Eintritt in die Opposition im Dezember 2013, erhielt Wiseler – wie alle anderen Politiker auch – nach dem Referendum im Juni 2015 einen Knacks. Bei der Kompetenz kam der CSV-Abgeordnete auf 60 Prozent, bei der Sympathie nur noch auf 53 Prozent. Es folgte die offizielle Nomination zum Spitzenkandidaten im Herbst 2016, worauf ein Popularitätsschub folgte: Bei der Sympathie gewann Wiseler im Januar 2017 zehn Punkte hinzu (63 Prozent), bei der Kompetenz sogar zwölf (72 Prozent).

Damit schien sich der Oppositionspolitiker vom Referendums-Knacks erholt zu haben. Allerdings begann mit seiner Nomination, und dem damit einhergehenden Popularitätsschub eine neue Zeitrechnung für Claude Wiseler. Grund zur Nervosität besteht aber nicht. Aufgrund der Nomination war Wiseler eine Zeit lang präsenter in den Medien. Während der Kommunalwahlen aber hatte sich der Spitzenpolitiker etwas zurück gehalten und den Kandidaten in seiner Partei das Feld überlassen.

Schneider und Schneider

Drei Sozialisten und ein grüner Minister vervollständigen die Top10. Den größten Sprung in diesem Feld konnte Alex Bodry hinlegen, das einzige Mitglied einer Mehrheitspartei in den Top10, das nicht in der Regierung vertreten ist. Bodry legt vier Prozentpunkte hinzu, kommt auf 52 Prozent und verdrängt damit Carole Dieschbourg (Déi Gréng) aus dem Feld der zehn beliebtesten Politiker Luxemburgs. Die Umweltministerin kann mit einem Schnitt von 51 Prozent ebenfalls einen Punkt gut machen, allerdings reicht dies nicht, um Bodry seinen zehnten Platz streitig zu machen.

Doch der Reihe nach: Zweitbeliebtester LSAP-Minister ist auf Platz 6 Sport- und Sozialminister Romain Schneider (-1 Prozentpunkt auf 59 Prozent). Es folgt Vizepremier und Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP), der seinen Schnitt von 57 Prozent halten kann. Justizminister Felix Braz (Déi Gréng) verliert zwei Prozentpunkte, bleibt mit seinem Schnitt von 53 Prozent aber auf Rang 9.

Unter dem Strich bleibt demnach festzuhalten, dass die beliebtesten Spitzenpolitiker des Landes immer noch aus den Rängen der LSAP kommen, mit fünf von zehn Politikern in den Top10. Xavier Bettel und Lydie Polfer sind die Zugpferde der DP und Viviane Reding kann Claude Wiseler als beliebteste Politikerin der Opposition ablösen.

Die Liberalen in der Bredouille

Bei einem Blick auf die restlichen Regierungsmitglieder zeigt sich, dass bei den Liberalen bis auf Pierre Gramegna und Fernand Etgen alle anderen Minister ein Popularitätsproblem haben. Neues Schlusslicht ist Claude Meisch, mit einem Durchschnitt von 29 Prozent. Der Bildungsminister hat nochmals vier Prozentpunkte verloren, wohl aufgrund der etlichen Diskussionen rund um die Bildungsreform der letzten Monate. Zementiert wird diese Annahme durch den Umstand, dass die Bildungssprecherin der größten Oppositionspartei, Martine Hansen, mit einem Plus von drei Prozentpunkten auf 47 Prozent einen Sprung nach oben machen konnte. In puncto Kompetenz konnte Hansen sogar sieben Zähler zulegen.

Der Bildungsminister ist mit seinem Schnitt von 29 Prozent nicht nur Schlusslicht in der Regierung sondern zusammen mit Viviane Loschetter (Déi Gréng) und Parteikollegen Eugène Berger auch unbeliebtester Spitzenpolitiker des Landes. Der ehemalige „Titelträger“, Staatssekretär Guy Arendt, konnte nämlich fünf Prozentpunkte gut machen und kommt auf 31 Prozent. Zwar konnten sowohl Berger (+ 4 Prozentpunkte) und Loschetter (+ 1 Prozentpunkt) ihre Werte verbessern, doch reicht es nicht, um das Schlusslicht zu vermeiden.

Kompetenz im Finanzministerium

Von den guten Wirtschafts- und Finanznachrichten der letzten Monate (TripleA-Rating für Luxemburg, solides Wachstum, unumstrittenes Budget) konnte Finanzminister Pierre Gramegna deutlich profitieren. Als einziger liberaler Minister neben Premier Xavier Bettel, schafft es der Finanzexperte, sich in Sachen Kompetenz (58) weit jenseits der 50er-Grenze zu etablieren. Nur in puncto Sympathie (39) gibt es immer noch ein gewisses Defizit. Das scheint den meisten Wählern in diesem Ressort aber egal zu sein.

Federn lassen musste hingegen Dan Kersch, der in den letzten Monaten vor allem in seiner Funktion als Minister des öffentlichen Dienstes Schlagzeilen machte. Er fällt im Schnitt drei Prozentpunkte auf 39 Prozent Zustimmung. Während sein Kompetenzwert unverändert bei 43 Prozent liegt, hat der Innenminister bei der Sympathie sieben Prozentpunkte einbüßen müssen.

Den größten Sprung von allen Regierungsmitgliedern aber machte mit einem Plus von sieben Punkten Fernand Etgen (42), der im Mai noch auf 35 Prozent kam. Der Verbraucherschutz- und Landwirtschaftsminister konnte wohl mit seinen etlichen Projekten in den letzten Monaten punkten. So hat er nicht nur eine deutlichere Position gegen Glyphosat eingenommen, sondern auch etliche Verbraucherschutzprojekte vorangetrieben und die entsprechenden Dienststellen auf Reform getrimmt.

Ein Plus von sieben Prozenpunkten kann aber auch David Wagner für sich beanspruchen. Der junge Abgeordnete von „Déi Lénk“ war im Mai 2017 auf 29 Prozent abgerutscht, hat sich inzwischen aber wieder bei 36 Prozent eingependelt. Unbeliebtester Oppositionspolitiker ist indessen CSV-Generalsekretär Laurent Zeimet, mit 34 Prozent. Gast Gibéryen (ADR) kann hingegen einen Punkt zulegen und kommt auf 42 Prozent.

Wie der Politmonitor zustande kam

Die repräsentative Politmonitor-Meinungsumfrage wurde im Auftrag von „Luxemburger Wort“ und RTL von TNS Ilres durchgeführt. Vom 9. bis 21. November 2017 wurden 1 020 wahlberechtigte Einwohner mit luxemburgischer Nationalität im Alter über 18 Jahre befragt (Zentrum: 293, Süden: 401, Norden: 189, Osten: 137), davon 49,6 Prozent über Telefon und 50,4 Prozent über Internet. Die Rohdaten wurden auf folgenden Variablen gewichtet: Altersgruppe, Geschlecht, Wohnbezirk, Berufstätigkeit und Bildungsniveau (Daten vom Statec). Die Angaben zur Methodologie wurden bei der ALIA (alia.lu) hinterlegt.

Die Ergebnisse der Umfrage werden gerundet und ohne Dezimalstellen veröffentlicht. Den Berechnungen liegen jedoch die genauen Dezimalzahlen zugrunde. Hierdurch kann es zu auf den ersten Blick unverständlichen Rundungen kommen, die durch die genauen Ergebnisse aber erklärt werden.

Die Fehlermarge könnte zwischen 1,9 und 4,4 Prozent betragen.

Die von „Luxemburger Wort“ und RTL festgehaltene Liste der Politmonitor-Umfrage versucht die wichtigsten Entscheidungsträger der nationalen Politik abzudecken. Dazu gehören alle Regierungsmitglieder sowie die Vorsitzenden der im Parlament vertretenen Fraktionen. Bei den Oppositionsparteien wird ihre Stärke in der Chamber berücksichtigt. Zusätzlich werden einzelne Politiker mit hohem Bekanntheitsgrad abgefragt, die somit potentiell über einen besonderen Einfluss auf Debatten und Wahlresultate verfügen. Alle abgefragten Namen werden auch veröffentlicht.