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Die Motive der Wahlentscheidungen im Fokus
Politik 5 Min. 02.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Politmonitor - Mai 2017

Die Motive der Wahlentscheidungen im Fokus

Laut Politmonitor werden CSV, DP, LSAP und Déi Gréng kaum als bürgernahe Parteien wahrgenommen.
Politmonitor - Mai 2017

Die Motive der Wahlentscheidungen im Fokus

Laut Politmonitor werden CSV, DP, LSAP und Déi Gréng kaum als bürgernahe Parteien wahrgenommen.
Foto: Anouk Antony
Politik 5 Min. 02.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Politmonitor - Mai 2017

Die Motive der Wahlentscheidungen im Fokus

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Der vierte und letzte Teil des Politmonitors befasst sich mit der Frage, was die Wähler dazu bewegt eine bestimmte Partei zu wählen. Die CSV kann mit ihren Politikern überzeugen, die Regierungsparteien punkten mit ihren Konzepten.

(ml) - Nach der Veröffentlichung der aktuellen Politmonitor-Sonntagsfrage im Auftrag von "Luxemburger Wort" und RTL dürfte bei der Dreierkoalition Katerstimmung herrschen: Minus sieben Sitze lautet die vernichtende Prognose im Hinblick auf die Parlamentswahlen im kommenden Jahr. 

Die Sozialisten, die drei Sitze einbüßen, würden mit nur noch zehn Mandaten ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis erzielen. Die Liberalen, denen lediglich neun Sitze vorausgesagt werden, müssten vier Sitze abgeben. Ihr Verlust wäre demnach beinahe so verheerend wie 2004, als die DP nach fünf Jahren als Juniorpartner an der Seite der CSV von den Wählern abgestraft wurde und damals satte fünf Mandate verlor. Nur die Grünen (sechs Sitze) halten mit stabilen Werten ihren Kopf über Wasser.

Warum lassen DP und LSAP am meisten Federn?

Auch wenn 63 Prozent der Befragten der Auffassung sind, dass Blau-Rot-Grün die Lage des Landes im Griff hat, münzen sich diese Werte noch lange nicht in einen Wahlerfolg um. Sogar die Steuerreform, die die Kaufkraft der Bürger stärkt, reicht bislang nicht aus, um die Wähler bei Laune zu halten.

Warum jedoch ausgerechnet die DP und die LSAP im Mehrheitslager Federn lassen, ist schwer abzuschätzen. Ein Erklärungsversuch: 2013 sehnten sich zahlreiche Wähler wohl einen Regierungswechsel herbei, allerdings entsprach es wohl nicht ihrem Wunsch die CSV dabei auszugrenzen. Nach der Bildung der Dreierkoalition scheinen die enttäuschten Wähler der DP und der LSAP nachträglich die Quittung für diesen Schachzug erteilen zu wollen.

Zudem fällt auf, dass die kleinen Oppositionsparteien - mit Ausnahme von Déi Lénk -  nicht auf Kosten der schwächelnden Regierung zulegen können. Im Endeffekt gibt es mit der CSV (+ sechs Sitze) nur einen klaren Gewinner. Dennoch sollten sich die Christlich-Sozialen nicht allzu sehr in Sicherheit wähnen, zumal die unentschlossenen Wähler im Politmonitor nicht erfasst werden.

Die Beweggründe der Wähler

Um das Wahlverhalten der Stimmberechtigten besser zu erforschen, befasst sich der letzte Teil des Politmonitors mit der Frage, was die Stimmberechtigten dazu bewegt, eine bestimmte Partei zu wählen.

Ein Fünftel der Befragten sagen, dass - unabhängig von der Parteifarbe - die richtigen Konzepte und Ideen ausschlaggebend seien. Der am zweithäufigsten genannte Grund ist die Kompetenz der Politiker. 14 Prozent der Befragten bekunden, dass sie aus Mangel an Alternativen einer Partei ihre Stimme abgeben. Eine mindere Rolle spielen unterdessen die Bürgernähe (neun Prozent), die Glaubwürdigkeit (acht Prozent) und die persönliche Überzeugung (sieben Prozent).

Dürfen die Befragten mehrere Gründe nennen, ergibt sich ein völlig anderes Bild: An vorderster Stelle steht dann die Kompetenz der Politiker (84 Prozent), danach folgen die im Parlament geleistete Arbeit (82 Prozent). Zum Nachdenken anregen dürfte die Politiker, dass rund zwei Drittel der Befragten keine Partei sonderlich gut finden und sich sozusagen für das mindere Übel entscheiden.

Etwas mehr als die Hälfte der Wähler, die bei der Umfrage berücksichtigt wurden, haben eine relativ starke Bindung zu einer Partei, da diese oft die gleichen Ansichten mit ihnen teilt. 41 Prozent bezeichnen sich als Stammwähler. Beinahe jedem fünften Befragten sind die Parteien gleichgültig. Sie führen ihre Entscheidung lediglich auf die Wahlpflicht zurück.

Grüne Politiker tun sich schwer mit der Kompetenz 

Zieht man einen Vergleich innerhalb der Parteienlandschaft, so schälen sich deutliche Unterschiede heraus. Bei den potenziellen Wählern können die drei Regierungsparteien am meisten mit ihren Konzepten punkten. Am stärksten ausgeprägt ist dies bei den Grünen (36 Prozent) und bei den Liberalen (31 Prozent). Bei der LSAP fällt das Ergebnis weitaus weniger deutlich aus. Dafür haben die Grünen ein anderes Problem. Die Kompetenz der Öko-Politiker erreicht magere acht Prozent.

Die CSV ist die einzige Partei, die mit der Kompetenz ihrer Politiker die potenziellen Wähler am meisten überzeugt. Dies mag ein wenig erstaunen, da die Umfragewerte einiger CSV-Parteigranden vergangene Woche eher bescheiden waren. Nicht auszuschließen ist, dass vor allem im Süden manche Wähler erst in der Wahlkabine wahrnehmen werden, dass der "Übervater" Jean-Claude Juncker nicht mehr kandidiert.

Protestverhalten bei der ADR

Sorgen bereiten dürfte den CSV-Strategen zudem, dass 16 Prozent der Befragten  ihre Partei nur mangels Alternativen unterstützen. Bei der persönlichen Überzeugung (acht Prozent) laufen die Christlich-Sozialen hingegen der Konkurrenz den Rang ab. Keine andere Partei erzielt ein derart hohes Ergebnis.

Bei der ADR zeichnet sich ein gewisses Protestverhalten bei den potenziellen Wählern ab. 22 Prozent der Befragten räumen ein, dass sie die ehemalige Rentenpartei vorwiegend wählen, weil ihrer Einschätzung zufolge, die ADR angesichts des restlichen Angebots die beste Wahl ist. Demnach stärken ADR-Wähler weniger aus ideologischer Überzeugung der Partei den Rücken, sondern vielmehr um andere Gruppierungen abzustrafen.

DP und Déi Gréng lassen Bürgernähe vermissen

Bei Déi Lénk sticht vor allem die politische Ausrichtung (29 Prozent) als Hauptgrund hervor. ADR und Déi Lénk haben jedoch eines gemeinsam: In puncto Bürgernähe erzielen beide Parteien mit 21 beziehungsweise 19 Prozent die höchsten Werte. Die Liberalen und die Grünen werden hingegen kaum als bürgernahe Parteien wahrgenommen (vier Prozent).

Bei den Stammwählern sind keine bedeutenden Verschiebungen im Vergleich zu den möglichen Wählern festzustellen. Die Parteien der Dreierkoalition, insbesondere die Grünen, glänzen in erster Linie durch ihre Konzepte. Ein durchwachsenes Bild ergibt sich bei der LSAP. Keiner der Beweggründe, die angeführt werden um die Partei zu wählen, sticht besonders heraus. Die CSV hat erneut bei der Kompetenz der Politiker die Nase vorn.

Wie die „Sonndesfro“ zustande kam

Die Politmonitor-„Sonndesfro“ wurde im Auftrag vom „Luxemburger Wort“ und RTL von TNS Ilres erhoben. Die Umfrage zur Wahlabsicht ist über einen Zeitraum von sechs Monaten erfolgt, belegt demnach eher einen längerfristigen Stimmungstrend, als die kurzfristige, ereignisgetriebene Stimmungslage. Zwischen Anfang Dezember 2016 und Mitte Mai 2017 wurden 3 861 Wahlberechtigte befragt, 1 109 im Wahlbezirk Zentrum, 1 489 im Süden, 719 im Norden und 544 im Osten.

Die Auswertung der Daten wurde von Dr. Fritz Krauß durchgeführt. Hierbei wurden die Rückerinnerung (Welcher Partei haben Sie 2013 am meisten Stimmen gegeben?) und Wahlabsicht (Wenn am Sonntag Wahlen wären, welcher Partei würden Sie am meisten Stimmen geben?) der Befragten sowie das letzte Wahlresultat berücksichtigt. Die Angaben zur Methodologie wurden bei der ALIA (alia.lu) hinterlegt.

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