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Politmonitor Januar 2017-Teil Zwei: Asselborn, Liebling der Nation
Außenminister Jean Asselborn fährt bei den Umfragewerten in einer anderen Liga.

Politmonitor Januar 2017-Teil Zwei: Asselborn, Liebling der Nation

Foto: Lex Kleren
Außenminister Jean Asselborn fährt bei den Umfragewerten in einer anderen Liga.
Politik 5 Min. 18.01.2017

Politmonitor Januar 2017-Teil Zwei: Asselborn, Liebling der Nation

Maxime LEMMER
Im jüngsten Politmonitor legen alle Politiker prozentual zu. Den stärksten Zuwachs verzeichnen dabei die Regierungsmitglieder, allen voran Außenminister Jean Asselborn.

(ml) - Die gute konjunkturelle Lage in Luxemburg scheint auch auf die Umfragewerte der Spitzenpolitiker abzufärben. Im neusten Politmonitor von TNS Ilres, der Anfang Januar im Auftrag von "Luxemburger Wort" und RTL durchgeführt wurde, schneiden mit Ausnahme von Gast Gibéryen (ADR) sämtliche Spitzenpolitiker besser ab als im Mai 2016.

Asselborn, einsame Spitze

Außenminister Jean Asselborn, der sein Ressort seit 2004 leitet, bleibt der beliebteste Politiker Luxemburgs. Mit 82 Prozent in Sympathie und 84 Prozent in Kompetenz erreicht er einen Durchschnittswert von 83 Prozent. Damit toppt er sein Traumergebnis, das er bei der letzten Umfrage vor acht Monaten erzielt hatte, um einen Prozent, und hängt zudem die Konkurrenz deutlich ab.

Weit abgeschlagen auf Platz 2 landet Lydie Polfer (68 Prozent), deren Werte zuvor noch nie erfasst wurden. Die hauptstädtische DP-Bürgermeisterin setzt sich u. a. deutlich von ihrer Parteikollegin Corinne Cahen (41 Prozent) ab.

CSV-Spitzenkandidat Claude Wiseler, der Rang 3 belegt, hat mehrfachen Grund zur Freude. Zum einen verbessert er sich binnen einem halben Jahr um zehn auf 68 Prozent. Zum anderen schlägt er Premierminister Xavier Bettel (67 Prozent), wenn auch nur knapp.

Den Sprung unter die Top 10 schaffen außerdem noch Viviane Reding (CSV), Romain Schneider (LSAP), Félix Braz (Déi Gréng), Etienne Schneider (LSAP), Carole Dieschbourg (Déi Gréng) und Luc Frieden (CSV). CSV und LSAP sind mit jeweils drei Politikern in der Top 10 Liste vertreten, danach folgen DP und Déi Gréng mit jeweils zwei Vertretern.

Bettel zweitbester Regierungspolitiker

Generell legen die Regierungsmitglieder mehr zu als die Oppositionspolitiker. Den stärksten Zuwachs verzeichnet Premierminister Xavier Bettel, der im Vergleich zu Mai 2016, zwölf Prozent mehr einfährt und damit nach Asselborn als zweitbester Regierungspolitiker abschneidet. Agrarminister Fernand Etgen und Umweltministerin Carole Dieschbourg, die beim Pariser Klimagipfel Bonuspunkte sammeln durfte, können ein sattes Plus von jeweils elf Prozent vorweisen.

Sozial- und Sportminister Romain Schneider steigert sich von 51 auf 61 Prozent. Die Tour de France, die 2017 in Luxemburg zu Gast sein wird, sowie die guten Leistungen mancher Luxemburger Sportlern, könnten ihren Teil dazu beigetragen haben. Auch Vizepremier Etienne Schneider (+9 Prozent), Wohnungsbauminister Marc Hansen (+9 Prozent) und Finanzminister Pierre Gramegna (+8 Prozent)  haben deutliche Zugewinne aufzuweisen.

Als Gegenpart zum allgemeinen Trend gehört Staatssekretärin Francine Closener  (LSAP) zu jenen Politikern, die nur bedingt aus dem ökonomischen Aufschwung Kapital schlagen können. Scheinbar haftet die Dienstwagen-Affäre noch immer an ihr. Zwar gelang es Closener ihren Durchschnittswert um sieben Prozentpunkte hochzuschrauben. Dennoch belegt sie im Ranking den vorletzten Platz unter den abgefragten Politikern. Nur DP-Fraktionschef Eugène Berger schneidet noch schlechter ab.

Zudem ist Closener nach dem Rücktritt von Maggy Nagel der derzeit unbeliebteste Regierungsvertreter im Land. Lediglich 31 Prozent der Befragten finden sie sympathisch. Die Hälfte der insgesamt 18 Regierungsmitglieder liegen unterhalb der 50-Prozent-Grenze: Guy Arendt, François Bausch, Corinne Cahen, Françine Closener, Fernand Etgen, Camille Gira, Dan Kersch, Claude Meisch und Nicolas Schmit.

Insgesamt schneiden die liberalen Regierungsmitglieder schlechter ab als die Amtskollegen der beiden anderen Mehrheitsparteien. Corinne Cahen und Fernand Etgen haben mit jeweils 41 Prozent verhältnismäßig niedrige Werte. Claude Meisch und Guy Arendt schaffen trotz erheblicher Zugewinne die 40-Prozent-Grenze nicht.

Wiseler hat bei den Fraktionschefs die Nase vorn

Auf den Oppositionsrängen ist Déi Lénk-Abgeordnete David Wagner der Politiker, der sich mit einem Zuwachs von elf Prozent am meisten verbessern konnte, und jetzt 42 Prozent erreicht. Das ADR-Zugpferd Gast Gibéryen (46 Prozent) bewegt sich im unteren Mittelfeld.

Bei den vier Fraktionschefs ergibt sich folgendes Bild: Ganz vorne liegt CSV-Fraktionschef Claude Wiseler mit 68 Prozent, vor LSAP-Fraktionschef Alex Bodry (50 Prozent), Viviane Loschetter (Déi Gréng) mit 36 Prozent und DP-Fraktionschef Eugène Berger (33 Prozent).

Sechs Neueinsteiger

Im Politmonitor tauchen dieses Mal sechs neue Gesichter auf. Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer hat mit 68 Prozent einen Senkrechtsstart hingelegt. Der ehemalige CSV-Minister Luc Frieden erzielt nach mehrjähriger Abwesenheit mit 56 Prozent Zustimmung das gleiche Ergebnis wie im September 2013. Die beiden CSV-Abgeordneten Françoise Hetto-Gaasch (53 Prozent) und Martine Hansen (51 Prozent) können ihre Parteikollegen Laurent Mosar (46 Prozent) und Michel Wolter (38 Prozent) auf Distanz halten.

Auch die CSV-Parteispitze macht in der Umfrage keine großen Sprünge. Generalsekretär Laurent Zeimet und Parteichef Marc Spautz kommen beide auf einen Durchschnittswert von 41 Prozent. Dieses Mal nicht berücksichtigt wurden EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Parlamentspräsident Mars Di Bartolomeo. Gleiches gilt für die Europaabgeordneten Charles Goerens und Claude Turmes sowie für Sven Clement von der Piratenpartei.

Kompetenzwerte überwiegen

Bei fast allen 33 Politikern, die im Politmonitor abgefragt wurden, sind die Kompetenzwerte höher als jene der Sympathie. Besonders auffällig ist dieser Unterschied bei Luc Frieden. 67 Prozent der Wähler halten den Ex-CSV-Minister für kompetent, 44 Prozent für sympathisch.

Ein ähnliches Bild - wenn auch nicht ganz so ausgeprägt - ergibt sich bei Viviane Reding, Etienne Schneider, Pierre Gramegna, Nicolas Schmit, Lydie Polfer und Alex Bodry. Corinne Cahen und Françoise Hetto-Gaasch sind die einzigen Politikerinnen, bei denen die Sympathie überwiegt. Nach Einschätzung der Wähler gibt es hierzulande unter den Politikern, die bewertet wurden, niemand der zugleich sehr sympathisch und völlig inkompetent erscheint.

Wie der Politmonitor zustande kam

Die repräsentative Politmonitor Meinungsumfrage wurde im Auftrag von „Luxemburger Wort“ und RTL von TNS Ilres durchgeführt. Im Zeitraum vom 3. bis zum 9. Januar 2017 wurden 1 019 wahlberechtigte Einwohner mit luxemburgischer Nationalität im Alter über 18 Jahre befragt, davon 49 Prozent über Telefon und 51 über Internet, wobei den Befragten die Politikerliste jeweils zur Hälfte unterbreitet wurde. 

Die Rohdaten wurden nach folgenden Variablen gewichtet: Altersgruppe, Geschlecht, Wohnbezirk, Berufstätigkeit und Bildungsniveau (Daten vom Statec). Die Angaben zur Methodologie wurden bei der ALIA (alia.lu) hinterlegt. Die Ergebnisse der Umfrage werden gerundet und ohne Dezimalstellen veröffentlicht. Den Berechnungen liegen jedoch die genauen Dezimalzahlen zugrunde. Hierdurch kann es zu auf den ersten Blick unverständlichen Rundungen kommen, die durch die genauen Ergebnisse aber erklärt werden.

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