Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Politikverdrossenheit steigt
Politik 4 Min. 12.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Politmonitor

Politikverdrossenheit steigt

Laut Politmonitor gehen 44 Prozent der Befragten davon aus, dass das Team um Premier Xavier Bettel die schwierige Lage des Landes im Griff hat.
Politmonitor

Politikverdrossenheit steigt

Laut Politmonitor gehen 44 Prozent der Befragten davon aus, dass das Team um Premier Xavier Bettel die schwierige Lage des Landes im Griff hat.
Ann Sophie Lindström
Politik 4 Min. 12.11.2014 Aus unserem online-Archiv
Politmonitor

Politikverdrossenheit steigt

Das Vertrauen in die Politik schwindet zunehmend. Im Politmonitor spricht weniger als die Hälfte der Befragten der Regierung ihr Vertrauen aus. Auch die Sozialpartner verzeichnen deutliche Einbußen.

(ml) - Nicht nur die Regierung, sondern sämtliche politischen Instanzen haben ein Vertrauensproblem. Dies geht aus dem zweiten Teil des Politmonitors hervor, der im Auftrag des Luxemburger Wort und RTL von TNS-Ilres durchgeführt wurde. Die Resultate der Umfrage werfen viele Fragen auf, zumal eine Mehrheit der Einwohner die wirtschaftliche Lage und ihre persönliche materielle Situation positiv bewerten.

Charles Margue von TNS-Ilres findet einen Aspekt der Umfrage ganz besonders bedenklich. 25 Prozent der Wähler können gar keiner Partei etwas Gutes abgewinnen. Margue stellt einen globalen Vertrauensverlust zwischen dem Volk und denen, die Entscheidungen treffen müssen (Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften) fest. Für ihn stellt sich unweigerlich die Frage, wie künftig Politik gemacht werden soll, unabhängig von den Parteien, die am Ruder sind.

Die Regierung erhält weniger Vertrauen als die Opposition

Laut Politmonitor gehen 44 Prozent der Befragten davon aus, dass das Team um PremierXavier Bettel die schwierige Lage des Landes im Griff hat. Vor einem halben Jahr waren es noch 55 Prozent. 50 Prozent sind hingegen der Auffassung, die Regierung habe die Situation gar nicht oder eher nicht unter Kontrolle.

Lediglich 42 Prozent der Bevölkerung spricht der Regierung noch ihr Vertrauen aus. Das sind 13 Prozentpunkte weniger als im Frühjahr. Bei den Wählern fällt das Urteil noch härter aus: Nur 36 Prozent stehen hinter der Dreierkoalition, das sind minus 16 Prozentpunkte im Vergleich zu der letzten Umfrage im April dieses Jahres.

Zur Erinnerung: Die vorige schwarz-rote Regierung lag kurz vor den Neuwahlen immerhin noch bei 51 Prozent Zustimmung. Der Vertrauensvorschuss, der Gambia entgegengebracht wurde, ist demnach aufgebraucht. Bei Amtsantritt schenkten ihr noch 63 Prozent der Wähler das Vertrauen aus. Mittlerweile hat die Dreierkoalition in puncto Vertrauen fünf Prozentpunkte weniger als die Opposition zu verzeichnen. Bei der letzten Umfrage war es genau umgekehrt.

DP größter Verlierer der Koalitionsparteien

Innerhalb der Koalition verbucht dieDP bei den Wählern zwar noch immer am meisten Vertrauen. 14 Prozent der Wähler nennen bei der Vertrauensfrage als erste die Liberalen. Die DP hat allerdings binnen einem Jahr zwölf Prozentpunkte eingebüßt und landen jetzt bei 14 Prozent.

"Die DP war überbewertet. Ursprünglich hatte sie in der Person von Xavier Bettel einen enormen Gewinn, verknüpft mit der Hoffnung auf einen politischen Neustart. Mittlerweile schält sich aber heraus, dass auch der jetzige Premier kein Allheilmittel für die Probleme des Landes hat", so Margue. Viele DP-Stammwähler seien beim Urnengang schwarz-blau eingestellt gewesen. Diese Wähler würden jetzt zum Schluss kommen, dass es vielleicht besser gewesen sei, auf das Experiment einer Dreierkoalition zu verzichten.

LSAP verliert, Die Grünen bleiben stabil

Die LSAP, die bereits der vorigen Regierung angehörte, rutscht beim Vertrauensranking von 13 auf 10 Prozent herab. Nach Ansicht von Margue sind die Sozialisten in einem grundlegenden Prozess, in dem ihre Wählerschaft unabhängig von konjunkturellen Effekten wegbricht. "Der LSAP ist es bis jetzt nicht gelungen sich zu erneuern,", so Margue.

Déi Gréng sind die einzige Mehrheitspartei, die nicht schwächelt. Sie bleibt konstant, wenn auch unter der Zehn-Prozent-Marke. Ihre Vertrauensrate stagniert bei sieben Prozent."Die Grünen setzen mit Bausch, Dieschbourg und Gira in ihren Ministerien das um, was in ihrem Parteiprogramm stand. Sie sind dabei nicht auf ihre Koalitionspartner angewiesen. Für die Wählerschaft der Grünen gibt es keinen zwingenden Grund, der Partei untreu zu werden," hält Margue fest. 

Rückenwind für die CSV

Laut Politmonitor ist die CSV die Partei, die am meisten Vertrauen genießt. 35 Prozent der Wähler nennen bei der Vertrauensfrage die CSV als erste. Keine andere Partei kann einen so hohen Wert einfahren. Der Zuspruch für die CSV ist im Vergleich zu April 2014 um neun Prozentpunkte gewachsen. Sie erreicht demnach fast die Vertrauensrate, die sie im Frühling 2012 hatte. Alle anderen Oppositionsparteien  schlagen kein Kapital aus der Regierungsschwäche.

Sogar die Christlich-Sozialen können  den Vertrauensverlust, den die Regierung aufzeigt, nur zum Teil auffangen. Inzwischen findet ein Viertel der Befragten an gar keiner Partei Gefallen. Die Politikverdrossenheit ist gegenüber dem Frühjahr nochmals um zwei Prozentpunkte gestiegen.

Überhaupt breitet sich im Volk zunehmend Skepsis aus. Nur ein Prozent der Umfrageteilnehmer gibt an, volles Vertrauen in die politischen Parteien zu haben. 37 Prozent schätzen die Parteien positiv ein. Im April waren es noch 45 Prozent, im Dezember 2013 sogar 50 Prozent. Nicht nur die Politik, auch die Sozialpartner bekommen weniger Vertrauen geschenkt. 40 Prozent der Einwohner (April 2014: 46 Prozent)  loben die Arbeit der Gewerkschaften. Bei den Arbeitgebervertreter sind es 34 Prozent (38 Prozent im April).


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Viereinhalb Monate vor den Wahlen steigt die Spannung. Wie ist die Stimmung im Land? Welche Parteien stehen in der Gunst der Wähler? Und wie stehen sie zu Koalitionsaussagen vor den Wahlen? Der neueste Politmonitor gibt Antworten.
Wahlen 2013 - Wahlplakate
Politmonitor Dezember 2017
Blau-Rot-Grün schlägt sich weiterhin wacker: 49 Prozent vertrauen der Regierung, 66 Prozent sind sogar der Auffassung, dass sie die Lage des Landes im Griff hat. Das meiste Vertrauen unter den Parteien aber genießt immer noch die CSV.
8.10. Gemeindewahlen 2017 / Wahlen / Feier Politische Parteien / CSV Stad um Serge Wilmes / Pierre Lorang , Viviane Reding  Foto:Guy Jallay
Politmonitor Mai 2017
Blau-Rot-Grün setzt Aufwärtstrend fort: 49 Prozent vertrauen der Regierung, 63 Prozent sind der Auffassung, dass sie die Lage des Landes im Griff hat. Das meiste Vertrauen unter den Parteien aber genießt die CSV.
Den Blick nach vorne gerichtet geht es auch in den Meinungsumfragen weiter bergauf für die Regierung.
Politmonitor Januar 2017
Fast alle politischen Instanzen können Vertrauen der Wähler wiedergewinnen. Dies geht aus dem zweiten Teil der Politmonitor-Umfrage hervor, die im Auftrag von "Luxemburger Wort" und RTL durchgeführt wurde.
10.12.13 declaration du premier ministre xavier  bettel a la chambre des deputes, phot marc wilwert
Wie keine Regierung zuvor hat die Dreierkoalition in Umfragen an Zuspruch verloren. Ein Kommentar von Jacques Ganser.
Die Regierungsarbeit unter der Lupe: Im Politmonitor bekommt die Dreier-Koalition schlechte Noten.
Im neuesten Politmonitor büßen sämtliche Regierungsmitglieder bei den Kompetenz- und Sympathiewerten im Vergleich zu der letzten Umfrage im April 2014 ein. Die Opposition kann daraus jedoch kein Kapital schlagen.
Ein Jahr nach dem Regierungswechsel macht sich bei den Bürgern Ernüchterung breit.