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Plastikmüll: "Es ist höchste Zeit, zu handeln"
Politik 2 Min. 06.02.2019

Plastikmüll: "Es ist höchste Zeit, zu handeln"

In Luxemburg werden jedes Jahr 18.000 Tonnen Müll verbrannt, da sie nicht recycelt werden. Für die Petenten hinter der Petition 1107 muss es deshalb einen Systemwechsel im Kampf gegen den Plastikmüll geben.

Plastikmüll: "Es ist höchste Zeit, zu handeln"

In Luxemburg werden jedes Jahr 18.000 Tonnen Müll verbrannt, da sie nicht recycelt werden. Für die Petenten hinter der Petition 1107 muss es deshalb einen Systemwechsel im Kampf gegen den Plastikmüll geben.
Foto: Alexander Heinl/DPA
Politik 2 Min. 06.02.2019

Plastikmüll: "Es ist höchste Zeit, zu handeln"

Patrick BESCH
Patrick BESCH
Die Antragsteller hinter der Petition 1107 fordern einen verstärkten Kampf gegen den Plastikmüll. Am Mittwoch durften sie ihr Anliegen in einer öffentlichen Anhörung in der Chamber verteidigen.

Am Mittwoch stand der Kampf gegen den Plastikmüll auf der Tagesordnung der Chamber. Anlass für die Diskussion war die öffentliche Anhörung der Antragsteller der Petition 1107, die eine Reduzierung von Plastikverpackungen in Luxemburg gefordert haben. Insgesamt wurde die Petition von 4.979 Bürgern unterschrieben.

Wir müssen die Recyclingkette umdrehen. Warum überlassen wir den Verkäufern und Erzeugern die freie Wahl, ob sie recyceln oder nicht?

Der Antragsteller Paul Philippe begann seine Rede mit einer Anekdote. "Meine Frau hat ein Foto von im Plastik verpackten Gemüse in die sozialen Netzwerke hochgeladen, welches für viel Aufsehen gesorgt hat", so Philippe. Als Reaktion auf diese Kontroverse haben die beiden, zusammen mit einer Gruppe von Freunden, eine Petition auf der Internetplattform "change.org" gestartet. Das Belangen dieser Petition war ebenfalls die Reduzierung von Plastikverpackungen in Luxemburg.

Ein voller Erfolg

Neben der Petition auf "change.org", die bislang 16.000 Unterschriften erreicht hat, konfrontierte die Gruppe alle großen Lebensmittelverkäufer in Luxemburg und fragten, was diese gegen den Plastikmüll unternehmen würden. "Leider", so berichtete Philippe, "haben die wenigsten Supermärkte auf unsere Anfrage reagiert."


Die Papiertüte wird ihr Pendant aus Plastik zusehends ersetzen. Einwegbeutel aus Kunststoff dürfen zwar weiterhin vergeben werden, allerdings nur 
gegen eine Gebühr. Schon jetzt verlangen einige Geschäfte ein paar Cent dafür – nach dem 31. Dezember ist dies Pflicht.
Abschied von der Plastiktüte
Vom Kleiderladen bis zur Tankstelle: Ab dem 31. Dezember dürfen Händler keine gratis Einwegtüten mehr an ihre Kunden verteilen. Viele Geschäfte haben bereits auf das Pendant aus Papier umgestellt.

Daraufhin hat sich die Gruppe entschieden, mit ihrer Forderung auf die offizielle Ebene zu treten. Das Resultat dieses Schrittes war die öffentliche Anhörung in der Chamber am Dienstag.

Für Philippe braucht es im Kampf gegen den Plastikmüll einen Paradigmenwechsel. "Wir müssen die Recyclingkette umdrehen. Warum überlassen wir den Verkäufern und Erzeugern die freie Wahl, ob sie recyceln oder nicht?", so der Petent.

Plastikmüll ist einer der größten Verursacher von Umweltverschmutzung. Die Petenten fordern ein sofortiges Handeln, auch mit Rücksicht auf die kommenden Generationen.
Plastikmüll ist einer der größten Verursacher von Umweltverschmutzung. Die Petenten fordern ein sofortiges Handeln, auch mit Rücksicht auf die kommenden Generationen.
Foto: Shutterstock

In den Augen seiner Begleiterin Valeria Ortiz-Palafox braucht es ebenfalls einen fundamentalen Wandel, will man den Kampf gegen den Plastikmüll noch gewinnen. "Die Auswahl ist für Kunden, die auf Plastik verzichten möchten, viel zu klein. Wir müssen jetzt handeln, auch aus Respekt gegenüber den künftigen Generationen", mahnte sie in ihrer Rede.

Konsens 

In den Reihen der Abgeordneten wollte keiner den Anliegen der Antragsteller widersprechen. Für David Wagner (Déi Lénk) muss die Debatte um Plastikverschmutzung viel weiter geführt werden: "Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel. Eine Reduzierung der Arbeitszeit würde eine Reduzierung des Plastikverbrauchs herbeiführen", so der Linkenabgeordnete. Weiter schlug er eine Steuer auf Plastikverbrauch vor oder eine Warnung auf jeder Plastikverpackung, dass diese umweltschädlich sei.

Wir unternehmen alles, um Luxemburg zu einem 'zero waste country' zu machen.

"Sind die der Meinung, dass die Gesellschaft bereit für einen Wandel ist?" erkundigte sich François Benoy (Déi Gréng), Präsident der Umweltkommission der Chamber, bei den Antragstellern. "In unseren Augen sind die Menschen mehr als bereit, auf Plastik zu verzichten. Er braucht jedoch auch die Unterstützung der Politik", so Elsa Luna Luna, die ebenfalls ihre Anliegen in der Chamber verteidigte.

Eugène Berger (DP) zeigte sich etwas skeptisch, inwiefern luxemburgische Supermärkten überhaupt handlungsfähig im Kampf gegen den Plastikmüll seien:" Viele Produkte werden im Ausland in Plastik verpackt, da sind die Supermärkte in Luxemburg eher machtlos." Die Antragsteller der Petition ließen diese Feststellungen jedoch nicht gelten.


Auf dem Weg zu „Zero Waste“
Die Zero-Waste-Bewegung setzt sich für ein Leben ohne Müll ein. Immer mehr Supermärkte setzen auf wiederverwertbare Verpackungen. Und auch Gesetze sollen helfen, dem Thema Rückenwind zu verleihen.

Auch die Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) sprach den Petenten ihre Unterstützung im Kampf gegen den Plastikmüll zu. "Wir unternehmen alles, um Luxemburg zu einem 'zero waste country' zu machen", so die Umweltministerin. Auch Dieschbourg sprach von einer "situation d'urgences" und stellte eine Reihe von Projekten vor, die in den vergangenen Monaten ausgearbeitet wurden, um den Verbrauch von Plastik zu verringern.


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