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"PISA bringt uns nicht weiter"
Politik 2 Min. 22.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Bildungspolitik

"PISA bringt uns nicht weiter"

Wie steht das Luxemburger Bildungssystem im Vergleich zu anderen da? Die Antwort auf diese Frage sollen neue Vergleichsstudien liefern.
Bildungspolitik

"PISA bringt uns nicht weiter"

Wie steht das Luxemburger Bildungssystem im Vergleich zu anderen da? Die Antwort auf diese Frage sollen neue Vergleichsstudien liefern.
Foto: Marc Wilwert
Politik 2 Min. 22.11.2017 Aus unserem online-Archiv
Bildungspolitik

"PISA bringt uns nicht weiter"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Luxemburg schneidet bei der am Dienstag veröffentlichten PISA-Sondererhebung nicht sonderlich gut ab. Claude Meisch hatte die Untersuchung bereits vor einem Jahr in Frage gestellt. Er will einen neuen Weg einschlagen.

(mig) - Seit 15 Jahren beteiligt sich Luxemburg an der PISA-Studie. Die Ergebnisse sind meist enttäuschend. Fast immer liegt Luxemburg unter dem OECD-Durchschnitt. Das ist bei der jüngsten Erhebung zur Problemlösungsfähigkeit im Team, die am Dienstag veröffentlicht wurde, nicht anders. Hier liegt Luxemburg auf Platz 28 von 52 teilnehmenden Ländern und sieben Plätze unter dem OECD-Durchschnitt.

Bildungsminister Claude Meisch hatte die PISA-Erhebung bei der Veröffentlichung der Ergebnisse von 2015 erstmals öffentlich in Frage gestellt. Die Studie trage der "Einzigartigkeit" Luxemburgs nicht Rechnung. Gemeint sind der hohe Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund und die Vielsprachigkeit.

Ergebnisse stagnieren

"Die Ergebnisse stagnieren. Die Studie liefert keine Hinweise, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen. PISA bringt uns nicht weiter", erklärte Lex Folscheid, Erster Regierungsrat im Bildungsministerium, am Mittwoch auf LW-Nachfrage. Statt mit großen OECD-Staaten sollte Luxemburg sich bildungstechnisch mit großen Ballungsräumen vergleichen.

Ganz aus PISA aussteigen will das Ministerium nicht. Und so hat man der OECD mitgeteilt, dass Luxemburg nur noch all sechs Jahre an PISA teilnehmen werde. Die nächste Erhebung findet 2018 statt. An der wird Luxemburg noch teilnehmen. Dann erst wieder 2024.

Andere Vergleichsstudien

Den internationalen Vergleich möchte man aufrechterhalten, allerdings mit vergleichbaren Gruppen. Zu diesem Zweck hat das Ministerium Gespräche mit einigen OECD-Staaten aufgenommen, um auf binationaler Ebene Vergleichsstudien durchzuführen, "bei denen wir mehr in die Tiefe gehen können, z.B. was die soziale Selektivität unseres Bildungssystems betrifft".

Mit der OECD verhandelt das Ministerium über die Möglichkeit von Simulationen auf Basis der PISA-Ergebnisse, bei denen Luxemburg mit Stichproben  aus anderen Ländern verglichen wird, die eine ähnlich sozioökonomische Zusammensetzung aufweisen.

Des Weiteren strebt das Ministerium eine Zusammenarbeit mit regionalen Partnern mit vergleichbaren "épreuves standardisées" an, um internationale Vergleichsresultate zu erzielen und gegebenenfalls von diesen Regionen zu lernen.

Die Kritik an PISA sei keine Infragestellung der Vergleichsstudie an sich. Auch gehe es nicht darum, eine auf gesicherten Erkenntnissen beruhende Politik in Frage zu stellen, meinte Folscheid. "Es geht lediglich darum, uns die richtigen Instrumente zu geben, um herauszufinden, was in unserem Bildungssystem gut läuft und was nicht."


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