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Philanthropie in Luxemburg: Wohltätigkeit als sozialer und politischer Motor
Politik 3 Min. 13.10.2015

Philanthropie in Luxemburg: Wohltätigkeit als sozialer und politischer Motor

Die Philanthropie ist "eine Grundhaltung", die die gesamte Gesellschaft betrifft, betont die Banque de Luxembourg.

Philanthropie in Luxemburg: Wohltätigkeit als sozialer und politischer Motor

Die Philanthropie ist "eine Grundhaltung", die die gesamte Gesellschaft betrifft, betont die Banque de Luxembourg.
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Politik 3 Min. 13.10.2015

Philanthropie in Luxemburg: Wohltätigkeit als sozialer und politischer Motor

Luxemburg ist großzügig und gutherzig. Doch das Potenzial der Philanthropie wird nicht völlig ausgeschöpft, so die Banque de Luxembourg, die mit Wirtschaftsakteuren Verbesserungsvorschläge erstellt hat. Dabei werden indirekt Fragen zur Rolle des Staats und der Zivilgesellschaft aufgeworfen.

(BB) - "Luxemburg ist großzügig. Die Leute sind bereit zu helfen und sich ehrenamtlich fürs Gemeinwohl zu engagieren. Doch das Potenzial wird nicht genug genutzt und gefördert", sagt Pierre Ahlborn, Administrateur délégué der Banque de Luxembourg.

Die Bank setzt sich seit mehreren Jahren für die Entwicklung der Philanthropie in Luxemburg ein. Gilt die Philanthropie gemeinhin als Möglichkeit für wohlhabende Personen, ihr Vermögen in gemeinnützige Projekte einzubringen und das soziale Engagement mit steuerlichen Vergünstigungen zu verbinden, so soll der philanthropische Gedanke nun als globaler Ansatz für alle Bürger verstanden werden.

Dabei ist die Vorgehensweise der Bank weit mehr als eine nette Einladung, sich sozial zu engagieren. Es geht um die Verantwortung jedes Einzelnen und um das Verständnis des Staats.

Zusammen mit Wirtschaftsexperten und der "Oeuvre nationale de secours Grand-Duchesse Charlotte", hat die Banque de Luxembourg ein Weißbuch mit konkreten Vorschlägen erstellt, wie sich die Philanthropie als roter Faden durch die gesamte Gesellschaft ziehen könnte. Ihre Anregungen haben die Wirtschaftsakteure Premierminister Xavier Bettel feierlich auf einem Konferenzabend überreicht.

Private Initiativen und Geldgeber sollen also gestärkt werden, so die Botschaft. Pierre Ahlborn drückt es so aus: "Wir strecken nicht die Hand aus, wir verlangen keine übermäßige Anstrengungen des Staats. Viel mehr wollen wir das soziale Engagement voranbringen und noch bestehende Hindernisse beseitigen".

Die Rolle des Staats und der Zivilgesellschaft

Spricht die Bank über "Chancen" in der Philanthropie, so verweist sie zunächst auf die Partizipation der Bürger. Ihre Überlegungen sind aber auch politischer Natur, wie zwischen den Zeilen zu vernehmen ist. "Engagierte Bürger tragen zur Dynamik des Landes bei und sind weniger vom Staat abhängig. Zwischen dem öffentlichen und privaten Bereich können so interessante Initiativen gedeihen. Das ist gut für die Gesellschaft, den Staat und die Attraktivität des Landes", fasst Philippe Depoorter, Generalsekretär der Banque de Luxembourg, das Potenzial zusammen.

Die Vorgehensweise der Bank wirft demnach die Frage der Erwartungen und Rolle des Staats auf. Was kann jeder Einzelne tun? Was macht der Staat? Auch wenn es die Banque de Luxembourg nicht direkt anspricht, geht es grundsätzlich um das Verständnis der gesellschaftlichen, der staatlichen und der betrieblichen Rolle.

Konkret haben die Wirtschaftsakteure vier Bereiche ausgemacht, in denen die Regierung Impulse setzen könnte:

  1. Kinder sollen in den Schulen verstärkt an die Kultur der Philanthropie herangeführt werden.
  2. Die Philanthropie soll aus wissenschaftlicher Perspektive vertieft werden. Hier könnte sich die Uni Luxemburg als Kompetenzzentrum einbringen.
  3. Luxemburg soll sich als "Land der Philanthropie" hervortun. Die Einrichtung eines "Hauses der Philanthropie" könnte die Gestaltungsmöglichkeiten begünstigen und dem Engagement eine internationale Sichtbarkeit verleihen. 
  4. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren soll verstärkt werden. 

Neue gesetzliche Regeln

Die Wirtschaftsakteure erhoffen sich darüber hinaus Vereinfachungen auf juristischer und steuerlicher Ebene. Sie sprechen sich für mehr Rechtssicherheit und vereinfachte Regeln aus. Auch das offenbart die Beziehung zum Staat. Das Gesetz aus dem Jahr 1928 über gemeinnützige Stiftungen solle sich neuen Bedürfnissen anpassen, so die Erwartung an die Regierung.

Eine angedachte Teiländerung betrifft die Möglichkeit, als Stiftung Immobilien zu verwalten, die nicht für eigene operative Tätigkeiten genutzt werden. Die Erträge sollen dazu beitragen, den Stiftungszweck zu erfüllen. Weitere Vorschläge betreffen steuerliche Vorteile bei Sachstiftungen (dotation en nature) und Vereinfachungen beim Schenken sowie Vererben an gemeinnützige Stiftungen.

Die ausführliche Analyse der Banque de Luxembourg und ihrer Partner zum Thema Philanthropie, lesen Sie hier:

Informationen für die breite Öffentlichkeit und konkrete Projekte wird die Banque de Luxembourg in Zusammenarbeit mit der "Fondation de Luxembourg" und der "Oeuvre nationale de secours Grand-Duchesse Charlotte" am Samstag den 17. Oktober auf der Place d'Armes vorstellen.

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