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Petition "Luxemburger Produkte in Kantinen": "Da ist noch Luft nach oben"
Vor der Chamber warteten die "Lëtzebuerger Landjugend an Jongbaueren" sowie die Jugendsektion der Bauernzentrale, um die Politiker mit einer Auswahl an einheimischen Produkten auf den Geschmack zu bringen.

Petition "Luxemburger Produkte in Kantinen": "Da ist noch Luft nach oben"

Foto: Chris Karaba
Vor der Chamber warteten die "Lëtzebuerger Landjugend an Jongbaueren" sowie die Jugendsektion der Bauernzentrale, um die Politiker mit einer Auswahl an einheimischen Produkten auf den Geschmack zu bringen.
Politik 2 Min. 13.01.2017

Petition "Luxemburger Produkte in Kantinen": "Da ist noch Luft nach oben"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Über 7.900 Bürger haben die Petition "Lëtzebuerger Produkter an der ëffentlecher Restauratioun" unterzeichnet. Am Freitag fand die öffentliche Anhörung im Parlament statt. Die Petitionäre fanden Gehör bei der Regierung und der Chamber.

(mig) - Mit ihrer Petition wollten die Landwirtschaftskammer, die Bauernzentrale, der "Fräie Lëtzebuerger Bauereverband" und die Bauernallianz erreichen, dass mehr Luxemburger Produkte in öffentlichen und privaten Kantinen verwendet werden. Die Petition wurde quasi vom gesamten Landwirtschaftssektor unterstützt und kam auf über 7.900 Unterschriften. Die Anhörung fand am Freitag in Anwesenheit von drei Regierungsmitgliedern (Fernand Etgen, Claude Meisch und Corinne Cahen), Vertretern von fünf parlamentarischen Ausschüssen sowie sechs Vertretern der landwirtschaftlichen Organisationen statt.

Was die Verwendung von Luxemburger Produkten in den Kantinen von Krankenhäusern, Altenheimen, Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen angeht, war man sich auf allen Seiten einig, dass noch Luft nach oben besteht. Laut Bildungsminister Claude Meisch sind 32 Prozent der in den Restopolis-Kantinen der Sekundarschulen verwendeten Produkte luxemburgischer Herkunft. Er sah die Möglichkeit, den Prozentsatz noch zu steigern, "aber manche Lebensmittel werden eben nicht hier produziert", so Claude Meisch. Auch müsse man darauf achten, die Wünsche der Schüler zu berücksichtigen, was bestimmte Produkte angehe.

Beispiel Restopolis und Servior

Von Familienministerin Corinne Cahen erfuhr man, dass der Altenheim-Träger Servior seine Milchprodukte quasi exklusiv aus Luxemburg bezieht. Auch beim Rind- (80 Prozent) und Schweinefleisch (60 Prozent) achte Servior darauf, sich auf dem Luxemburger Markt einzudecken. Bei anderen Produkten, die nicht in Luxemburg hergestellt werden, setze Servior auf Fairtrade-Produkte, so weit sie verfügbar seien.

"Regionale Produkte liegen im Trend der Zeit", sagte auch Landwirtschaftsminister Fernand Etgen, dessen Ministerium dabei ist, ein Label-System für Luxemburger Produkte auszuarbeiten, das den Produzenten zu mehr Visibilität verhelfen soll, damit sie sich von ausländischen Produzenten abgrenzen können.

Die Initiatoren der Petition, allen voran der Präsident der Landwirtschaftskammer, Marco Gaasch, zeigten sich hocherfreut über die große Unterstützung seitens der politischen Vertreter.

Schaffung einer Austauschplattform

Die Vertreter des Agrarsektors forderten Ausschreibungskriterien, die Luxemburger Produkten einen Vorteil Konkurrenzprodukten gegenüber verschaffen. Ihre Kernforderung aber bestand in der Schaffung einer Austauschplattform, die in der Landwirtschaftskammer angesiedelt werden soll.

Wie der Präsident des Petitionsausschusses, Marco Schank, am Freitag nach dem öffentlichen Teil der Debatte auf LW-Nachfrage mitteilte, habe die Regierung der Schaffung dieser Plattform zugestimmt und sich bereit erklärt, die dafür notwendigen Ressourcen teilzufinanzieren. Die Landwirtschaftskammer sieht diese Plattform als eine Art Erweiterung ihrer Kampagne "Sou schmaacht Lëtzebuerg", der sich Gaasch zufolge inzwischen 38 Restaurants und 57 Kantinen angeschlossen haben. Schank zufolge soll die Plattform recht bald ins Leben gerufen werden.

Ziel dieser Plattform ist es, eine Person damit zu beauftragen, Produzenten und Kantinenbetreiber zu beraten und einander näher zu bringen, damit die landwirtschaftliche Produktion den Bedürfnissen und Wünschen der Kantinenbetreiber angepasst werden kann.

Auch der Vorschlag der Petitionäre, das überwiegend ausländische Kantinenpersonal für die Verwendung regionaler Produkte stärker zu sensibilisieren und die Kantinen technisch so einzurichten, dass die Zubereitung von frischen Produkten möglich ist, wird von politischer Seite unterstützt.

Höhere Preise kein Hindernis

In der Debatte wurde auch die Preispolitik erörtert. Marco Gaasch machte unmissverständlich deutlich, dass mehr finanzielle Mittel notwendig seien, um mit regionalen Produkten zubereitete Mahlzeiten in den Kantinen anzubieten. Das sah auch die Regierung so. Bildungsminister Claude Meisch war der Ansicht, "dass die öffentliche Hand gewisse Kosten eben tragen muss".

Kampagne "Think global, act local"

Vom 16. bis 20. Januar findet landesweit in den 93 Restopolis-Kantinen eine thematische Woche zu diesem Thema statt, das Ganze unter dem Motto "Think global, act local". Ziel der Kampagne ist es, die rund 60.000 Kunden auf die Vorzüge lokal produzierter Lebensmittel und den Nachhaltigkeitsaspekt aufmerksam zu machen.


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