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Petition 785: Sprachendebatte, die Dritte
Politik 2 Min. 30.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Petition 785: Sprachendebatte, die Dritte

Petition 785: Sprachendebatte, die Dritte

Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 30.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Petition 785: Sprachendebatte, die Dritte

Im Herbst erhalten Ein- bis Vierjährige in Kindertagesstätten eine mehrsprachige Förderung. Die Petition 785 kritisierte das Projekt und schaffte das notwendige Quorum für eine Anhörung. Bildungsminister Meisch konnte den Forderungen allerdings nur wenig abgewinnen.

(m.r.) - „Warum sollten wir uns auf ein solches Experiment einlassen?“, fragte Grundschullehrer Jacques Dahm anlässlich der öffentlichen Anhörung der Petition 785 „NON à l'inititation au français à la crèche et au cycle 1 et NON à l'apprentissage du français oral au premier trimestre du cycle 2.1“. In Anwesenheit von Bildungsminister Claude Meisch und den Parlamentariern des Petitions- und Bildungsausschusses legte der Petitionär gemeinsam mit drei Grundschullehrerinnen seine Argumente gegen die französische Frühförderung im Parlament dar.

Ab der Rentrée sollen Kinder in Betreuungseinrichtungen und in den Zyklen 1 und 2 der Grundschulen verstärkt an die luxemburgische und die französische Sprache herangeführt werden. Für das Projekt gebe es allerdings keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage, so Dahm. Man überfordere die Kleinen bei dem Spracherwerb – besonders wenn sie zu Hause weder Kontakt mit der luxemburgischen noch mit der französischen Sprache hätten. „Die Kinder müssten dann drei bis vier Sprachen gleichzeitig lernen“, sagte der Bittsteller.

Es sei wichtig, dass man sich bei der Sprachförderung auf das Luxemburgische konzentriere. Ansonsten hätten die Kinder später Schwierigkeiten bei der Alphabetisierung, immerhin sei das Französische im Gegensatz zum Luxemburgischen und dem Deutschen eine romanische Sprache.

„Zu viele ungeklärte Fragen“

Zudem warf Dahm dem Ministerium Konzeptlosigkeit vor. Viele Fragen würden bislang unbeantwortet bleiben. So stehe nicht fest, wie das Ministerium plane, ausreichend zusätzliches Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen. Auf Nachfrage von Martine Hansen (CSV) bemängelte Isabelle Hoffmann, dass der Großteil des Lehrpersonals noch keine entsprechende Fortbildung erhalten habe.

Claude Meisch zeigte sich von den Forderungen allerdings wenig beeindruckt. Er verwies darauf, dass die Bittsteller sich auf veraltete Studien aus den 1980er-Jahren berufen würden und ließ eine Liste von 74 wissenschaftlichen Referenzen austeilen. Bis zum sechsten Lebensjahr sei die Lernfähigkeit der Kleinen besonders groß – Französisch würden viele Schüler bisher erst mit sieben Jahren lernen, so Meisch. Für die Kinder entstehe durch das Projekt kein Leistungsdruck. Man wolle sie lediglich spielerisch an die Sprache heranführen. Zudem wolle das Ministerium zehn Prozent mehr Mittel für Fortbildungen und neues Personal zur Verfügung stellen.

Nach den Anhörungen über das Luxemburgische als erste Amtssprache von Lucien Welter und die Gegenpetition von Joseph 
Schloesser und Henri Werner war dies mittlerweile die dritte Sprachendebatte, die auf eine Petition zurückzuführen ist.


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