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Personalwechsel im Bildungsministerium: Ranghoher CSV-Beamter muss gehen
Im März wird Michel Lanners die Leitung des Lycée technique hôtelier Alexis Heck übernehmen.

Personalwechsel im Bildungsministerium: Ranghoher CSV-Beamter muss gehen

Foto: Marc Wilwert
Im März wird Michel Lanners die Leitung des Lycée technique hôtelier Alexis Heck übernehmen.
Politik 3 Min. 23.02.2017

Personalwechsel im Bildungsministerium: Ranghoher CSV-Beamter muss gehen

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Unter der blau-rot-grünen Regierung ist er einer der letzten ranghohen Beamten, die trotz CSV-Parteikarte ihren Posten behalten konnten: Michel Lanners, Erster Regierungsrat im Bildungsministerium. Doch jetzt geht es auch ihm an den Kragen.

(mig) - Im Bildungsministerium kommt es zu einer weiteren personalpolitischen Änderung. Michel Lanners, Sportlehrer, seit 17 Jahren im Bildungsministerium, davon acht Jahre als Erster Regierungsrat, war einer der letzten ranghohen Beamten aus dem „CSV-Staat“, der sich unter der neuen Regierung halten konnte. Er leitete das nicht gerade unbedeutende „Département des affaires générales“ und war für viele wichtige Bereiche verantwortlich (u. a. Finanzen, Personal, Statistiken, Infrastrukturen, Privatschulen, Restopolis). 

Doch jetzt muss er, wie einige andere CSV-Beamte vor ihm, seinen Posten räumen. Lanners soll im März die Leitung der Hotelfachschule in Diekirch übernehmen. Claude Meisch soll ihm den Wechsel „nahe gelegt“ haben. Doch als Idealbesetzung kann man Lanners aufgrund seines beruflichen Profils nicht gerade bezeichnen.

13 Monate ohne Direktor

Seit Elisabeth Reisen sich Anfang 2016 als LTHAH-Direktorin zurückgezogen hatte, ist der Posten unbesetzt. Zwar gab es im März 2016 eine Postenausschreibung, auf die sich fünf Kandidaten gemeldet hatten, darunter auch die beigeordnete Direktorin Mia Aouadi, die die Schule seither übergangsweise leitet. Doch obwohl sie aufgrund ihrer Erfahrung für den Posten geeignet wäre, wurde weder sie, noch ein anderer Kandidat zurückbehalten. Es soll noch nicht einmal zu Vorstellungsgesprächen gekommen sein.

Die CSV-Abgeordnete Martine Hansen wandte sich in den vergangenen 13 Monaten mehrfach mit parlamentarischen Anfragen an Claude Meisch, u. a. mit der Frage, warum der Posten des Direktors trotz geeigneter Kandidaturen unbesetzt geblieben ist. Meisch erklärte, er wolle mit der Horesca eine nationale Strategie für den Sektor ausarbeiten und die Ausbildungsprogramme in den Schulen anpassen, mit dem Ziel, aus der Hotelfachschule ein Kompetenzzentrum zu machen. Eine Arbeitsgruppe werde sich später auch mit der Direktorenfrage beschäftigen und einen Vorschlag ausarbeiten.

Überraschende Absage

Noch bis vor wenigen Tagen galt Roger Thoss von der Handelskammer als künftiger Direktor der Hotelfachschule. Er stammt aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, aber nicht aus dem Bildungswesen. Um ihn dennoch rekrutieren zu können, erwog Claude Meisch noch im Dezember Gesetzesänderungen. Doch dazu kam es nicht. Stattdessen nun die Kehrtwende.

Wie Roger Thoss am Mittwoch auf LW-Nachfrage sagte, erhielt er diese Woche „einen Anruf vom Bildungsminister“ mit der überraschenden Nachricht, dass er nicht mehr für den Posten infrage komme. „Über die Hintergründe dieser Entwicklung aber sagte der Minister nichts“, so Thoss weiter.

Am 20. Februar veröffentlichte das Bildungsministerium die Ausschreibung für den Führungsposten auf seiner Internetseite. Interessant dabei ist, dass die Ausschreibung in die Ferienzeit fällt und dass die Frist für das Einreichen der Kandidaturen am 23. Februar, nach nur drei Tagen also, endet.

Das lässt darauf schließen, dass der Wunschkandidat bereits feststeht und es nicht darum geht, einem möglichst breiten Publikum die Möglichkeit zu bieten, sich für den Posten zu bewerben.

Lanners schickt Abschiedsmail

Dass Michel Lanners als künftiger LTHAH-Direktor vor Ablauf der Frist bereits feststeht, geht auch aus einer internen Mail hervor, die Lanners am 21. Februar an die Belegschaft im Bildungsministerium geschickt hat. Darin schreibt er offen über „die neue berufliche Herausforderung“ und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit.

Die überraschende und auf drei Tage befristete Ausschreibung veranlasste die CSV-Abgeordnete Martine Hansen am Mittwoch erneut zu einer parlamentarischen Frage. Sie wundert sich, dass der Minister die Ausschreibung ohne die angekündigten Gesetzesänderungen veröffentlicht und möchte erneut wissen, warum es zu einer erneuten Ausschreibung kommt, „da sich bei der letzten Ausschreibung fünf Kandidaten gemeldet hatten, die die Bedingungen erfüllten“.

Seit 2013 ist es besonders in den liberal geführten Ministerien mehrfach zu Personalerneuerungen gekommen, sei es im Staatsministerium, im Finanz- oder auch im Familienministerium. Mit Michel Lanners ist nun auch der letzte ranghohe CSV-Beamte im Bildungsministerium aus dem Weg geräumt.


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