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Personalie Tess Burton: Zorn auf Kersch
Politik 2 Min. 03.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Personalie Tess Burton: Zorn auf Kersch

Tess Burton (33) rückte 2013 für Nicolas Schmit ins Parlament nach.

Personalie Tess Burton: Zorn auf Kersch

Tess Burton (33) rückte 2013 für Nicolas Schmit ins Parlament nach.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 03.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Personalie Tess Burton: Zorn auf Kersch

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Es soll "Druck ausgeübt" worden sein, damit Tess Burton auf ein Ministeramt verzichtete. Nach "Wort"-Informationen soll Dan Kersch die junge Frau angerufen und demotiviert haben.

Die Entscheidung, dass Paulette Lenert für den Osten in die Regierung einziehen soll, obwohl sie gar nicht Kandidatin war, sorgt für Aufruhr in der LSAP. Sie hat am Wochenende schon zum Rücktritt des Komitees der Ost-Jungsozialisten (JS) geführt. Denn nachdem es nach den Wahlen immer "Mir mussen eis erneieren" hieß, wollten die Jungsozialisten mit einer Ministerin Tess Burton und Ben Scheuer, der für sie ins Parlament nachgerückt wäre, „positiv in die Zukunft gehen“, wie sie am Samstag auf Facebook posteten. Nicolas Schmit, der bekanntlich als EU-Kommissar nach Brüssel gehen möchte, habe den Weg für diese Erneuerung freigemacht, schreiben dort die Jusos.


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Eine Person, so qualifiziert sie auch sein mag, jenseits einer politischen Wahl zu einem Regierungsmitglied zu machen, sei "ein schlechter Neuanfang für eine sozialdemokratische Partei und ein schlechtes Zeichen", sagte der Ost-Juso-Präsident Ben Streff am Sonntag den Kollegen vom "Tageblatt". Er kritisierte auch die Art, wie mit Burton umgegangen wurde: Hohe Politiker der LSAP hätten "Druck auf sie ausgeübt". 

Kersch wollte Lenert durchsetzen

Was war geschehen? Nach "Wort"-Informationen war Lenert tatsächlich als Ministerin für Sozialversicherung und Gesundheit vorgesehen. LSAP-Verhandlungsführer Etienne Schneider hat Tess Burton vergangene Woche persönlich empfangen und sie davon in Kenntnis gesetzt, dass sie nicht in der Regierung vorgesehen ist. Burton war darüber stark aufgebracht, sagte daraufhin aber auch "Nein" auf die Frage, ob sie denn die beiden Ressorts übernehmen würde. Angeboten wurden ihr schließlich Konsumentenschutz und Kooperation - sie sollte Donnerstagmorgen Bescheid geben.

Kurz vor der Frist erhielt sie dann einen Anruf von Dan Kersch, der ihr wohl so deutlich zu verstehen gab, dass sie in der Regierung nicht willkommen sei und auch das Zeug nicht dazu hätte, dass sie kapitulierte. "Es liegt keine Kandidatur mehr von mir für einen Ministerposten vor", sagte Burton dem "Luxemburger Wort" am Montag. "Ich kommentiere das nicht weiter, stehe aber aus unterschiedlichen Gründen für diese Regierung nicht mehr zur Verfügung. Sollte ich die Chance bekommen, wieder ins Parlament nachzurücken, nehme ich das gerne an - das bin ich meinen Wählern und Parteivertretern schuldig."


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Dass man in der LSAP über diese Einmischung von Kersch zugunsten von Lenert, der hohen Beamtin im Ministerium für den öffentlichen Dienst und Direktorin der Aus- und Weiterbildungsinstitution des öffentlichen Dienstes, alles andere als erfreut ist, versteht sich von selber. Es ist ja nicht zuletzt auch ein Schlag ins Gesicht des Verhandlungsführers. Es geht aber auch um die Frage der demokratischen Legitimation. Kritische Stimmen in der Partei monieren, dass man auf Seiteneinsteiger an den Kandidaten vorbei immer nur dann zurückgreift, wenn man ein Problem hat, ein Ressort kompetent zu besetzen. Zuletzt wurde Nicolas Schmit 2004 in die Regierung genommen, als Jean Asselborn zum ersten Mal Außenminister wurde und die Ratspräsidentschaft Luxemburgs anstand. Einen Außenseiter für Ressorts wie Konsumentenschutz und Kooperation heranzuziehen, die nun an Paulette Lenert gehen sollen, sei dagegen kaum gerechtfertigt.

Die Diskussion dürfte ein Nachspiel auf dem LSAP-Kongress am Dienstag haben, wenn das Regierungsprogramm und die -mannschaft abgesegnet werden sollen.   



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