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"Pauschalen führen zu Verschlechterungen"
Politik 20.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Reform der Pflegeversicherung

"Pauschalen führen zu Verschlechterungen"

Die Patientevertriedung bezweifelt, dass die Reform der Pflegeversicherung den Patienten zugute kommt.
Reform der Pflegeversicherung

"Pauschalen führen zu Verschlechterungen"

Die Patientevertriedung bezweifelt, dass die Reform der Pflegeversicherung den Patienten zugute kommt.
Foto: Shutterstock
Politik 20.09.2016 Aus unserem online-Archiv
Reform der Pflegeversicherung

"Pauschalen führen zu Verschlechterungen"

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Die Patientevertriedung kann der Reform der Pflegeversicherung wenig abgewinnen: Das neue Stufenmodell drohe zu Qualitätseinbußen für pflegebedürftige Menschen zu führen.

(BB) - Aus dem Bett heben, waschen, kämmen, ankleiden: Im jetzigen Modell der Pflegeversicherung sind die Leistungen für pflegebedürftige Menschen genau getaktet. Das soll sich allerdings ab Januar 2017 ändern. Mit der Reform der Pflegeversicherung von Minister Romain Schneider werden Pflegestufen eingeführt. Den Patienten wird  je nach Pflegegrad und Bedürfnis eine gewisse Zeitspanne für Hilfestellungen zu Hause zugewiesen. Daran stört sich die Patientevertriedung.

"Mit dem neuen Stufenmodell lassen sich die einzelnen Leistungen für eine pflegebedürftige Person kaum nachvollziehen. Ob die Leistungen tagtäglich wirklich durchführt werden oder nicht, wird man nicht mehr so einfach sagen können. Um so mehr, wenn es keine regelmäßigen Kontrollen vor Ort gibt", erklärt Präsident René Pizzaferri.

Ein konkretes Beispiel, welche Leistungen für Dienstleister zu aufwendig und aufgeschoben sein könnten, nennt Pizzaferri nicht. Er sagt vielmehr: "Als Patientevertriedung sind wir ein gebranntes Kind".

Am jetzigen System sei zwar sei nicht alles perfekt, räumt die Vereinigung ein. Aber immerhin könne man mit dem aktuellen Minutensystem die Umsetzung individueller Ansprüche präziser einordnen. "Wir haben ein transparentes, individuell ausgerichtetes System. Das sollten wir auch beibehalten", befindet die Vereinigung in einer Stellungnahme.

Unzureichende Kontrollmöglichkeiten

Auch mit den im Gesetzestext vorgesehenen Überprüfungen der CNS kann sich die Vereinigung nicht zufrieden geben. Fallpauschalen seien schwer zu überprüfen, die angedachten Kontrollen unzureichend und nicht genug auf Besuche vor Ort ausgerichtet, bemängelt die Vereinigung weiter. So lautet denn auch ihr Fazit: "Kontrollen (zum Wohl der Patienten) sind in einem Stufenmodell mit Fallpauschalen schier unmöglich".

Die Patientevertriedung hätte es bevorzugt, nur punktuelle Änderungen im jetzigen System (verstärkte Ausbildung von pflegenden Angehörigen, mehr Kontrollmöglichkeiten) durchzuführen. "Leider wurde im Vorfeld nicht genug auf unsere Kritikpunkte gehört", bedauert René Pizzaferri.

Der Präsident der Patientevertriedung bezweifelt jedenfalls, dass die Neufassung von Minister Schneider die parlamentarische Hürde noch vor dem Jahresende nehmen kann.


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