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Parteien sind für die Schulöffnung
Politik 4 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Parteien sind für die Schulöffnung

Ab dem 25. Mai werden die Grundschüler wieder die Schulbank drücken.

Parteien sind für die Schulöffnung

Ab dem 25. Mai werden die Grundschüler wieder die Schulbank drücken.
Foto: dpa
Politik 4 Min. 06.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Parteien sind für die Schulöffnung

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Auf Antrag der Mehrheitsparteien diskutierten die Parlamentarier am Mittwoch in der Chamber über die Schulöffnung. Unter den Politikern herrschte weitgehend Konsens in dieser Frage.

Bei der schrittweisen Wiederaufnahme des Schul- und Betreuungsbetriebs kann Bildungsminister Claude Meisch (DP) auf die Unterstützung aller im Parlament vertretenen Parteien zählen. Bei der Aktualitätsstunde am Mittwoch, die von DP, LSAP und Déi Gréng beantragt worden war, unterstrichen alle Sprecher, dass sie die Schulöffnung für richtig und wichtig halten

Auch in der Argumentation, warum dieser Schritt wichtig ist, war man sich parteiübergreifend mehr oder weniger einig. Kinder hätten ein Recht auf Bildung und bräuchten soziale Kontakte, lautete ein Argument. Das Déconfinement sei zudem wichtig, um die ohnehin stark ausgeprägte Bildungsungerechtigkeit nicht noch weiter zu verschärfen.

Meisch: Schuljahr abschließen, nicht abbrechen

Für den zuständigen Minister Meisch geht es in erster Linie darum, das Schuljahr "sauber" abzuschließen, um im Herbst einen normalen Schulstart hinlegen zu können. "Bei allem Respekt für die Anstrengung, die Lehrer, Schüler und Eltern im Home-Schooling geleistet haben, das allein reicht nicht", sagte Claude Meisch. Es brauche noch ein paar Wochen Präsenzunterricht, um Geleistetes zu festigen, um Leistungen regelkonform zu bewerten und über die Versetzung der Schüler zu entscheiden. 


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Diese Meinung teilte auch der liberale Bildungssprecher Gilles Baum. Der Fernunterricht sei eine gute Erfahrung für die Kinder und Lehrer und ein Modell mit Zukunft, "aber es ist kein Zukunftsmodell für unsere Schule." Nach wie vor - und da zitierte Baum den bekannten neuseeländischen Bildungsforscher John Hattie - komme es auf den Lehrer und die unmittelbare Interaktion mit den Kindern an. Auch sei es wichtig, den Eltern, die jetzt wochenlang zu Hause zwischen Homeoffice, Kinderbetreuung und Home-Schooling jonglieren mussten, "die Last von den Schultern zu nehmen".

Kindesmisshandlung erkennen

Josée Lorsché (Déi Gréng) stellte das Lernen auf Distanz generell infrage. Beim Homeschooling fehle das soziale Miteinander mit anderen Schülern und Erwachsenen und es verschärfe die Bildungsungleichheit. Zum einen, weil nicht alle Haushalte digital gleich gut aufgestellt sind. Zum anderen, weil nicht alle über die erforderliche technische Kompetenz verfügen.


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Lorsché unterstrich in ihrer Intervention des Weiteren die Bedeutung der Schule bei der Erkennung von Kindesmisshandlung. Das sei kein generelles Phänomen, "aber für die Kinder, die es betrifft, ist das Problem fatal und verbunden mit lebenslänglichen Konsequenzen", so die grüne Fraktionschefin.

ADR: Wahlfreiheit für Eltern

Auch ADR-Sprecher Fernand Kartheiser sprach sich für die Wiederaufnahme des Schulunterrichts aus, fand aber, dass man den Eltern die Wahl zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling hätte lassen sollen. So sehr er die Bemühungen schätze, die Organisation der Schulrentrée sei reine Improvisation, viele infrastrukturelle und personelle Fragen seien nicht geklärt. Es wäre besser gewesen, den Eltern die Wahlfreiheit zu geben und die Zeit zu nutzen, "um für den Herbst eine gut organisierte Schulrentrée vorzubereiten", so Kartheiser.

Unklar sei für ihn auch, ob die Entscheidung der Regierung nicht eher auf wirtschaftlichen denn auf pädagogischen Überlegungen gründe, "um die Kosten für den Sonderurlaub zu reduzieren". "Wenn das so ist, dann soll die Regierung uns das sagen."


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Fernand Kartheiser, aber auch CSV-Fraktionschefin Martine Hansen oder noch David Wagner (Déi Lénk) kritisierten, dass der Minister die Rentrée offenbar vorbereite, ohne sich mit den Vertretern der Bildungsverbände zu beraten. Sie  beriefen sich dabei auf die in den vergangenen Tagen veröffentlichten Pressemitteilungen einzelner Gewerkschaften und Organisationen. Diesen Vorwurf ließ Claude Meisch nicht gelten. Er tausche sich seit Wochen mit vielen verschiedenen Akteuren intensiv aus, so der Minister. 

CSV: Sportaktivitäten erlauben

Martine Hansen bedauerte auch die Entscheidung des Ministers, die Sportaktivitäten aus dem Programm zu streichen. Das sei ein falsches Signal, sagte die Fraktionschefin und forderte die Regierung in einer Motion auf, nicht auf sportliche Aktivitäten zu verzichten und ein Sportkonzept für die Rentrée im Herbst auszuarbeiten. Über die Motion wurde nicht abgestimmt. Sie wird in einer gemeinsamen Sitzung des Bildungs- und Sportausschusses diskutiert. 

Meisch verwies in dieser Angelegenheit auf die Gesundheitsexperten. Die müssten klären, inwiefern und unter welchen Bedingungen Schulsport möglich sei. Das gesagt, plädierte Meisch dafür, einen Großteil der nachmittäglichen Betreuungszeit draußen zu verbringen. Die Natur sei in Corona-Zeiten der sicherste Ort. Der Aufenthalt draußen sei ganz besonders auch für die kleinen Kinder in den Kindertagesstätten und im Zyklus 1 wichtig.     

Francine Closener (LSAP) plädierte mit Blick auf die Zukunft für eine bessere Unterstützung der Lehrer, damit sie sich wieder mehr auf ihre Kernarbeit konzentrieren können, zum Beispiel durch den Abbau von administrativem Aufwand oder noch die Bereitstellung in den Schulen von sozioedukativem und Gesundheitspersonal, um die Inklusion zu fördern. "Die Kinder gehören alle in die öffentliche Schule."

Déi Lénk: Benachteiligte Kinder zuerst

David Wagner (Déi Lénk) hätte es vorgezogen, wenn man sich bei der Wiederaufnahme des Schulbetriebs auf die benachteiligten Kinder fokussiert hätte, auch im Fondamental. "Auf diese Weise hätte man die infrastrukturellen Probleme umgehen können", so Wagner. Der linke Abgeordnete sieht durch die Krise die Chance gekommen, "ein ganz neues Schulmodell auszuarbeiten, das wirklich inklusiv ist". Nach der Krise so weiterzumachen wie zuvor, sei keine Option in ganz vielen Bereichen. "Auch nicht in der Schule."

Sven Clement (Piraten) forderte die Regierung in einer Motion dazu auf, die Eltern über alle Sicherheitsmaßnahmen, Richtlinien im Transport und Prozeduren, die im Falle einer Infektion angewandt werden, drei Tage vor Schulbeginn zu informieren. Die Motion wurde angenommen, wurde von Claude Meisch aber als überflüssig eingestuft, da die Regierung ohnehin vorhabe, die Familien ausführlich zu informieren. 

Clement befürwortete ganz klar die Wiederaufnahme des Unterrichts, stellte aber die Frage in den Raum, ob es nicht sinnvoller wäre, den Unterricht im Zyklus 1 auf freiwilliger Basis anlaufen zu lassen.

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