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Parlamentarische Frage zu Dys-Störungen: "Wir brauchen mehr Spezialisten"
Politik 2 Min. 09.03.2016

Parlamentarische Frage zu Dys-Störungen: "Wir brauchen mehr Spezialisten"

Schätzungen zufolge leiden zwischen fünf und zehn Prozent der Schüler an einer Lernschwäche.

Parlamentarische Frage zu Dys-Störungen: "Wir brauchen mehr Spezialisten"

Schätzungen zufolge leiden zwischen fünf und zehn Prozent der Schüler an einer Lernschwäche.
Foto: Shutterstock
Politik 2 Min. 09.03.2016

Parlamentarische Frage zu Dys-Störungen: "Wir brauchen mehr Spezialisten"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
In einer parlamentarischen Frage wollte die LSAP-Abgeordnete Claudia Dall'Agnol mehr über den Umgang in den Schulen mit der Dys-Problematik erfahren. Bildungsminister Claude Meisch hat geantwortet. Aber nicht auf die Fragen.

(mig) - Ende Januar fand auf Kirchberg ein internationales Forum über so genannte Dys-Störungen (Lernschwächen) statt. Schätzungen zufolge leiden in Luxemburg zwischen fünf und zehn Prozent der Schüler an einer Lernschwäche.

In einer parlamentarischen Frage an Bildungsminister Claude Meisch wollte die LSAP-Abgeordnete Claudia Dall'Agnol mehr zum Thema erfahren. Wie werden Dys-Störungen in den Schulen diagnostiziert? Wie hoch ist der Anteil der Dys-Schüler an der Gesamtzahl der Sitzenbleiber? Welche Auswirkungen hat die Klassenwiederholung auf Dys-Schüler?

Doch statt auf die Fragen zu antworten, beschränkt sich der Bildungsminister in seinen Ausführungen auf eine Aufzählung von Maßnahmen aus dem Grundschulgesetz (Zyklus statt Jahrgangsklasse, Verlängerung des Zyklus statt Klassenwiederholung, kompetenzbasierter Unterricht, differenzierter Unterricht, Kompetenzsockel, Bewertungsmethode), mit denen den unterschiedlichen Lernrhythmen der Schüler Rechnung getragen werden soll. 

Der Begriff Dys kommt in seiner Antwort kein einziges Mal vor. Kein Wort zum Anteil der Dys-Schüler an der Gesamtzahl der Klassenwiederholer. Unbeantwortet bleibt auch die Frage nach der Diagnostik von Dys-Störungen. Hier beschränkt sich der Minister auf eine Allerweltsantwort: "C'est en observant quotidiennement l'élève et en s'échangeant avec d'autres experts qu'il (l'enseignant) évalue la situation de l'apprenant et qu'il conçoit les mesures appropriées à la gravité des difficultés."

Keine Ressourcen

So weit zur Theorie. Die Schulwirklichkeit sieht anders aus. Ob und wie schnell Lernstörungen diagnostiziert werden, hängt weitgehend vom Lehrer, von dessen Einsatz und Kompetenz ab. Oft vergehen Monate, bis die Fälle in der "Commission d'inclusion scolaire" (Cis) diskutiert werden. "Wird dann beschlossen, dass der Schüler Hilfe benötigt, stellt man fest, dass die dafür notwendigen Ressourcen nicht verfügbar sind", erklärt der Schulkomiteevorsitzende und Vorsitzende der Lehrergewerkschaft SNE, Patrick Remakel, auf LW-Nachfrage. Hinzu komme das Problem, dass es häufig zu Kompetenzgerangel innerhalb der Cis zwischen dem Inspektor und der Ediff komme, "die beide über die Betreuung der Schüler entscheiden".

Flächendeckende Diagnostik

Zwar hat der Minister im Abkommen mit dem Syndicat national des enseignants (SNE) versprochen, die Ressourcen aufzustocken, "doch auch das wird nicht reichen", sagt Remakel. "Wir brauchen mehr Spezialisten für die Arbeit mit Dys-Schülern und eine flächendeckende Diagnostik ab dem Vorschulalter."

Auch die Frage nach den Auswirkungen von Klassenwiederholungen auf Dys-Schüler beantwortet Claude Meisch, wenn überhaupt, nur oberflächlich. Der Minister bemüht den allseits bekannten neuseeländischen Bildungsforscher John Hattie und dessen Megastudie, wonach die Klassenwiederholung nichts bringe, ja sogar schädlich sei.

Jacke wie Hose

Luxemburg habe die Klassenwiederholung abgeschafft, schreibt Meisch, und durch andere Maßnahmen ersetzt. Gemeint ist das "Allongement de cycle", eine Verlängerung des Zyklus von zwei auf drei Jahre. De facto kommt das einer Klassenwiederholung gleich. Eine Verlängerung darf nämlich erst im zweiten Jahr eines Zyklus beschlossen werden. Seit Jahren fordert das SNE, diese Entscheidung bei eindeutigen Problemfällen bereits im ersten Zyklusjahr treffen zu können, "damit wir früher die notwendigen Maßnahmen ergreifen können", so Patrick Remakel.



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