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Parlament verlängert großflächige Tests
Politik 4 Min. 21.07.2020

Parlament verlängert großflächige Tests

30 Wochen lang soll es noch weitergehen, allerdings gezielter auf verschiedene Gruppen ausgerichtet.

Parlament verlängert großflächige Tests

30 Wochen lang soll es noch weitergehen, allerdings gezielter auf verschiedene Gruppen ausgerichtet.
Foto: Anouk Antony
Politik 4 Min. 21.07.2020

Parlament verlängert großflächige Tests

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Einstimmig wird das Gesetz zur Fortführung des Large Scale Testing verabschiedet: Das Parlament steht voll hinter der Aktion und der Teststrategie.

Die erste Phase des sogenannten Large Scale Testing, zu dem großflächig eingeladen wurde, ist am 27. Juli beendet. Am Dienstag verabschiedete das Parlament einstimmig das Gesetz zur Weiterführung des Programms. Ziel ist es, die Infektionen zu überwachen und die Situation zu kontrollieren. Vor allem geht es darum, Infizierte, die keine oder noch keine Symptome aufweisen, und ihre Kontakte frühzeitig zu isolieren


Lokales,Laboratoires Réunis-Corona-Test Drive-In.Junglinster. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Zweites "Large Scale Testing" kostet 60,7 Millionen Euro
1,6 Millionen Tests sollen über 30 Wochen durchgeführt werden.

Ab Ende August und über 30 Wochen soll auf vier Achsen breit getestet werden: 60,7 Millionen Euro kostet das Programm, das 1,6 Millionen Tests vorsieht. Da es mehr als 40 Millionen Euro sind, muss ein Gesetz verabschiedet werden und es wird diesmal auch ausgeschrieben, wer die Tests durchführt. 

Vier Achsen

40.000 bis 53.000 Tests pro Woche sind angestrebt und sie sollen sich gezielt auf vier Achsen bewegen.

1. Vulnerable Personen: Sie sind dem Kontakt mit dem Virus verstärkt ausgesetzt, wie Krankenhauspersonal, Polizisten, Militär, Apothekenpersonal oder solches aus dem Horesca-Sektor. 

2. Personen, die das Land betreten am Flughafen oder am Bahnhof. 

3. Personen, die wie bisher zum Monitoring und zum Entdecken von Gruppen getestet werden, um die Verbreitung zu unterbrechen. 

4. Herde, die sich als Virusschleudern herausstellen.

Kritik von der CSV 

Bei allem Einverständnis kam aber auch teils harsche Kritik von der Opposition. Von „Pleiten, Pech und Pannen bei der ersten Phase“ sprach Georges Mischo (CSV). So habe sie mit Verspätung angefangen, die Daten seien nicht ordentlich geflossen, es hätte von der Idee zur Umsetzung zu lange gedauert und es wurde weit weniger getestet als anvisiert. „Im Gesundheitsministerium wurde nicht vorangemacht.“ 

„Was kostete die erste Phase, wie viele Tests sind übrig und wie überbrücken wir die Kluft zwischen dem 27. Juli und Ende August, wenn die zweite Phase beginnt?“, fragte er und ärgerte sich, dass die Aktion schon ausgeschrieben wurde, obwohl das Parlament das Gesetz noch nicht verabschiedet hat

Sein Fazit: „Wir sind nicht gegen das Testen, aber gegen die Art und Weise, wie vorgegangen wird und die schlechte Vorbereitung.“ Die Zahlen seien stark gestiegen, aber viele Tests machten nur Sinn, wenn dann auch die richtigen  Maßnahmen ergriffen werden: „Wir brauchen die Tracing-App“, betonte er. 

Manche haben sich goldene Nase verdient

Marc Baum (Déi Lénk) begrüßte, dass die Prävalenz stabil blieb. „Wir müssen als B-moll hinnehmen, dass drei von vier angeschriebenen Personen nicht zum Test gingen. Das ist nicht gut, wenn wir mehr Leute schützen wollen.“ Für ihn ist das analoge Tracing wichtiger als digitales Tracing, weshalb das Personal aufgestockt werden müsse. 

Ihn interessierte, ob in der Übergangsphase zur zweiten Phase noch genug Tests vorhanden sind oder ob die Kapazitäten ausgehen würden. Er verwies auch darauf, dass sich verschiedene an den 100 Millionen Euro, die das Testen insgesamt kostet, eine goldene Nase verdienen. Dennoch: „Es ist gut investiertes Geld.“ 

Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) konnte Baum beruhigen. „Es gibt kein Loch zwischen den Phasen, wir haben genug Kapazitäten, es wird nirgendwo Stillstand geben. Der Vertrag mit dem bisherigen Träger wird zum Übergang verlängert“, sagte sie. Es würde auch gerade Kassensturz über die erste Phase gemacht.

Nennen Sie mir ein Land, das so ein umfassendes Projekt auf die Beine gestellt hat.

Paulette Lenert

Kritik am Large Scale Testing ließ sie nicht zu. „Nennen Sie mir ein Land, das so ein umfassendes Projekt auf die Beine gestellt hat.“ Das Team zum analogen Tracing sei im Übrigen in kürzester Zeit aufgestockt worden. „Wir mussten nicht Bankrott erklären.“ 

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