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"Panama-Connection": Luxemburger Anwälte und ihre vergessenen Offshore-Firmen
Politik 4 Min. 24.12.2015

"Panama-Connection": Luxemburger Anwälte und ihre vergessenen Offshore-Firmen

"Oh, wie schön ist Panama": Das mittelamerikanische Land gehört laut Experten zu den ältesten und erfolgreichsten Steueroasen der Welt.

"Panama-Connection": Luxemburger Anwälte und ihre vergessenen Offshore-Firmen

"Oh, wie schön ist Panama": Das mittelamerikanische Land gehört laut Experten zu den ältesten und erfolgreichsten Steueroasen der Welt.
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Politik 4 Min. 24.12.2015

"Panama-Connection": Luxemburger Anwälte und ihre vergessenen Offshore-Firmen

Ein Blick in Panamas Handelsregister zeigt: Dutzende Luxemburger Anwälte tauchen als Verwalter von Offshore-Firmen auf. Die Liste der beteiligten Personen liest sich wie ein "Who is Who" der heutigen Anwaltskammer.

Von Christoph Bumb

Dutzende Anwälte und Vermögensverwalter aus Luxemburg waren in den 1980er und 1990er Jahren geschäftlich in Panama aktiv. Dies ergeben Recherchen des "Luxemburger Wort". Die Liste der an Offshore-Firmen beteiligten Personen liest sich wie ein "Who is Who" der heutigen Anwaltskammer.

Die meisten Fälle reichen bis zu 30 Jahre zurück, die meisten davon dauerten auch nur einige Jahre an. Dennoch findet man bei global agierenden Vermögensverwaltern auch noch Fälle, die nur wenige Jahre zurückliegen. Unter den mindestens 30 Luxemburgern, die diese Praxis förderten und im Firmenregister Panamas auftauchen, sind unter anderem die angesehenen Wirtschaftsanwälte und Partner der großen Kanzleien Alain Steichen, André Elvinger, Albert Wildgen, René Faltz, Marc Feider, Jean Hoss, Claude Kremer, Paul Mousel oder Alex Schmitt.

Bestätigung und Erklärungen der Betroffenen

Auf Nachfrage des "Luxemburger Wort" bestätigt Alain Steichen, dass es "wohl so sein kann", dass er im Handelsregister Panamas auftaucht. Seine Erklärung: In diesen Jahren habe es eine Reihe von Kunden gegeben, die Firmen in Panama gründen wollten; als Anwalt habe er sich da "nicht quer gestellt". Er sei davon ausgegangen, dass es sich stets um "korrekte Kunden" handelte, könne letztlich aber nicht ausschließen, dass es auch Kunden gab, die durch solche Firmen Steuerhinterziehung betreiben wollten – "wenn, dann aber ohne mein Wissen", so Steichen.

Der Partner von "Bonn, Steichen and Partners" erklärt ferner, dass die Praxis von Firmengründungen in Panama in der Vergangenheit nichts Außergewöhnliches war. Steichen räumt aber auch ein, dass er heute anders handeln würde. "Wissen Sie, damals hat man sich als Anwalt keine Fragen gestellt. Heute, mehr als 20 Jahre später, würde ich das so aber sicherlich nicht mehr machen."

Auch ein aktueller Abgeordneter auf der Liste

Ebenso auf der Liste befindet sich der Anwalt der Kanzlei Bonn & Schmitt und aktuelle DP-Abgeordnete Guy Arendt. Auf Nachfrage des "Luxemburger Wort" wollte er sich zum Sachverhalt aber nicht äußern. Wenn er in dem Register geführt werde, dann sei dies reine Vergangenheit. "Ich bin aus jeglichen Firmen dieser Art vor langer Zeit ausgetreten", sagt Arendt.

Bei vier der Firmen ist dies laut Register auch der Fall. Bei einer gewissen "International Business Participations S.A." wird Arendt aber weiter als "aktiv" geführt. Dies werde er nachprüfen, sagt der Député-Maire von Walferdingen. Ansonsten wolle er aber "keine weiteren Details" abgeben und verweist auf sein "Berufsgeheimnis" als Anwalt. 

Aktueller Kontext der "Commerzbank-Affäre"

Die Erkenntnisse kommen zu einer Zeit, in der laut einem jüngsten Bericht der "Süddeutschen Zeitung" im Rahmen der "Commerzbank-Affäre" mehrere Banken, Rechtsanwälte und Vermögensverwalter aus Luxemburg deutschen Steuerhinterziehern bei der Aufstellung von Offshore-Firmen unter anderem in Panama geholfen haben sollen. Die befragten Anwälte bestreiten jedoch, je von illegalen Praktiken gewusst, geschweige denn sie aktiv gefördert zu haben.

Allerdings gibt es laut panamaischem Handelsregister einige Luxemburger, die unmittelbar mit der im Zentrum der deutschen Ermittlungen stehenden "Mossack Fonseca Group" auftauchen. Eine von ihnen, die Rechtsanwältin Lydie Lorang, bestreitet aber auf Nachfrage des "Luxemburger Wort", heute noch an irgendeinem Unternehmen in Panama beteiligt zu sein. In den 1980er-Jahren sei die Praxis von Offshore-Firmen im Auftrag von Privatkunden aber "komplett normal und absolut legal" gewesen, so Lorang. Seitdem habe sich die ganze "Berufsethik" ihrer Branche aber spürbar gewandelt, was sie selbst auch begrüße.

Praxis in der Branche "ein offenes Geheimnis"

Die meisten Firmengründungen mit Luxemburger Beteiligung reichen bis in die 1980er und frühen 1990er Jahre zurück, die meisten davon dauerten auch nur einige Jahre an. In den meisten Fällen fungierten die Rechtsanwälte auch nur als Mittelsmänner bzw. als Treuhänder bei Firmengründungen für Unternehmen oder Privatkunden. Dennoch findet man bei global agierenden Vermögensverwaltern auch noch Fälle, die nur wenige Jahre zurückliegen.

Auch Yann Baden von Transparency International in Luxemburg betont den historischen Kontext der Verfahrensweise und spricht von einer "gängigen Praxis" in den 1980er und 1990er Jahren. Die Hilfe bei der Gründung von Offshore-Firmen in dieser Zeit sei ein "offenes Geheimnis" in der Branche, so Baden, der selbst Anwalt ist. In jedem Fall müssten sich jene, die im Panama-Register auftauchen, "Fragen gefallen lassen".

Die Gründe, warum Luxemburger Anwälte dabei so "relativ massiv" mitgemischt haben, sind für Baden dabei "offensichtlich". "Dieser Weg war für viele junge Anwälte eine günstige Gelegenheit, um schnell und ohne großen Aufwand viel Geld zu verdienen", erklärt der Vertreter der Anti-Korruptionsorganisation.

Panama: Der Wandel eines Steuerparadieses

In der Pionierzeit der Luxemburger "Panama-Connection" konnte man sich demnach auch ziemlich sicher sein, dass diese Geschäfte niemals öffentlich werden. Dies hat sich in den vergangenen Jahren aber geändert. Seit einigen Jahren beschreitet Panama wie auch die meisten anderen Offshore-Zentren den Weg einer auf internationalen Druck hin gewandelten Politik.

Die Handelsregister Panamas sind mittlerweile öffentlich zugänglich. Durch die Arbeit eines britischen Hackers sind zudem jegliche Namen von Firmen und deren Gesellschaftern auffindbar. Der konkrete Zweck der Offshore-Unternehmen ebenso wie die dahinter stehenden Kunden, die meistens von Banken an die Treuhänder weitergeleitet werden, sind jedoch nicht so leicht aufzustöbern.

Das Ergebnis der gesamten Recherche, inklusive weiterer Namen und mehr Details zur Geschichte der Offshore-Firmen in Panama, lesen Sie in der Dienstagsausgabe (10. März 2015) des "Luxemburger Wort".


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