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Orientierung im Fondamental: Eltern sollen das Sagen haben
Die Eltern sollen die Verantwortung für die Orientierung ihrer Kinder tragen, sagt der SEW/OGBL.

Orientierung im Fondamental: Eltern sollen das Sagen haben

Foto: Gerry Huberty
Die Eltern sollen die Verantwortung für die Orientierung ihrer Kinder tragen, sagt der SEW/OGBL.
Politik 2 Min. 01.07.2016

Orientierung im Fondamental: Eltern sollen das Sagen haben

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Kurz bevor das Parlament über die Reform der Orientierungsprozedur im Fondamental abstimmen wird, meldete sich am Donnerstag der SEW zu Wort. Die Gewerkschaft kritisiert die Pläne des Bildungsministers und überrascht mit einer Alternative.

(mig) - Die Reform der Orientierungsprozedur im Fondamental ist Teil des Abkommens zwischen der Lehrergewerkschaft SNE und dem Bildungsminister, und wird im Prinzip noch vor der Sommerpause im Plenum verabschiedet. Grund genug für die andere Gewerkschaft, den SEW/OGBL, sich am Donnerstag noch schnell in dieser Angelegenheit zu Wort zu melden und ihre Kritik zu Papier und in die Öffentlichkeit zu bringen.

Reform auf Kosten der Lehrer

Dabei legte SEW-Präsident Patrick Arendt wie gewohnt zum Rundumschlag gegen Bildungsminister Claude Meisch und dessen Politik aus. Arendt warf ihm vor, eine Reform auf Kosten der Lehrer und der Lehrer-Eltern-Beziehung durchzusetzen, die nicht mit der Basis diskutiert worden und dort auch nicht gewollt sei. Er befürchte, dass Lehrer des Zyklus 4 sich aus Protest aus dem Zyklus zurückziehen könnten.

Mit der Reform treibe der Minister einen Keil zwischen Lehrer und Eltern, indem er sie zwinge, eine gemeinsame Orientierungsentscheidung zu treffen, wenn sie nicht vor der nationalen, gerichtsähnlichen Orientierungskommission landen wollen, die im Falle von Uneinigkeit an ihrer Stelle die Entscheidung trifft.

Der SEW befürchtet, dass Lehrer unter Druck geraten und sprachgewandten, wirtschaftlich gut situierten und einflussreichen Eltern nachgeben könnten, wenn diese anderer Meinung bezüglich der Schullaufbahn ihrer Kinder sind, alles bloß, um keinen Streit vom Zaun zu brechen.

"Ein gefährliches Spiel"

Arendt warf dem Minister vor, ein „gefährliches Spiel“ zu spielen, die Orientierungen ins Régime classique steigern und die Statistiken beschönigen zu wollen. Das führe zu Falschorientierungen, für die letztlich der Lehrer die Verantwortung trage. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Lehrer und der öffentlichen Schule, meinte der SEW-Vorsitzende.

Lediglich zwei Reformelemente stießen beim SEW auf Zustimmung: die mit der Reform einhergehende Entlastung der Prozedur – die Beratungen des „Conseil d'orientation“ (für jeden Schüler) entfallen – und die Einführung von Orientierungsgesprächen mit den Eltern ab dem Ende des Zyklus 4.1.

Nicht einverstanden aber ist der SEW mit der Abschaffung der Beratungsgespräche zwischen den Grundschul- und Sekundarschullehrern. Die Zusammenarbeit sei von elementarer Bedeutung und größter Wichtigkeit für die Qualität der Orientierung. „Es ist wichtig, dass die Grundschullehrer wissen, was im Secondaire erwartet wird“, so Arendt.

Überraschende Alternative

Der SEW stellte zu Beginn der Pressekonferenz Alternativen in Aussicht, wobei diese irgendwie nicht ins Schema dieser Gewerkschaft passen, die einer stärkeren Einbindung der Eltern in Schulangelegenheiten stets eher skeptisch gegenüberstand. Nun aber sollen allein die Eltern die Orientierungsentscheidung treffen, zwar weiterhin auf Basis eines Orientierungsvorschlags des Klassenlehrers, der sich vorab mit Sekundarschullehrern berät, „die Verantwortung aber tragen allein die Eltern“, so Monique Adam. Das verringere den Druck auf die Lehrer und führe zu verantwortungsvolleren Entscheidungen seitens der Eltern, ist man beim SEW überzeugt.


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