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Orange Week 2018: Nein zur Gewalt gegen Frauen
Politik 2 Min. 16.11.2018

Orange Week 2018: Nein zur Gewalt gegen Frauen

Auch dieses Jahr werden wieder viele Gebäude orange angestrahlt, um Solidarität zu bekunden

Orange Week 2018: Nein zur Gewalt gegen Frauen

Auch dieses Jahr werden wieder viele Gebäude orange angestrahlt, um Solidarität zu bekunden
Foto: Anouk Antony
Politik 2 Min. 16.11.2018

Orange Week 2018: Nein zur Gewalt gegen Frauen

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Gewalt gegen Frauen bleibt ein weit verbreitetes Phänomen - "Lëtz say no to violence against women" heißt es nun schon zum zweiten Mal im Rahmen der Orange Week 2018.

Wer meint, Gewalt gegen Frauen sei in einem zivilisierten Land wie Luxemburg eine Randerscheinung, irrt. Daten des European Institute for Gender Equality (EIGE) zufolge wird geschätzt, dass 38 Prozent der Frauen in Luxemburg bereits physische und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben - fünf Prozent mehr als im EU-Durchschnitt -, 30 Prozent waren schon Opfer von Stalking und mit 67 Prozent an Frauen, die sexuell belästigt wurden liegt Luxemburg 12 Prozent über dem EU-Schnitt von 55 Prozent. Kein Grund zum Stolz und Gründe genug, um sich an der Orange Week zu beteiligen.

Seit 2008 gibt es diese Manifestation, die vom UNO-Generalsekretär initiiert wurde, um gegen Gewalt, speziell sexuelle Gewalt, gegen Frauen vorzugehen. Zum zweiten Mal beteiligt sich Luxemburg an der Aktion. Diesmal wird das Programm aber nicht mehr vom Chancengleichheitsministerium koordiniert, sondern es unterstützt zusammen mit der Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte" finanziell die vom Serviceclub "Zonta International" gemeinsam mit dem Nationalen Frauenrat CNFL  organisierten Ausstellungen, Konferenzen, Ateliers, Diskussionsrunden oder Filmvorführungen.

Jede dritte Frau ist weltweit von Gewalt betroffen

Am Freitag stellten die CNFL-Präsidentin Karin Manderscheid sowie die Past-Präsidentin der Zonta-Clubs Luxemburg, Danielle Becker-Bauer das vielfältige Programm der Orange Week vor, die sich vom 15. November bis zum 5. Dezember erstreckt und für jeden etwas bietet. Das Motto lautet: "Lët'z say no to violence against women". Farblich sind die Aktionen gekennzeichnet durch die orange Farbe, in der auch verschiedene öffentliche und nicht öffentliche Gebäude angestrahlt werden. Highlight ist der Solidaritätsmarsch am Samstag, den 24. November um 11 Uhr, der vom Glacis zum Parlament führt. Es erging der Appell: "Kommt massiv und bringt ein oranges Accessoire mit."

Die Frauenhäuser, die eigentlich für Notsituationen gedacht sind, platzen aus allen Nähten, weil Sozialwohnungen fehlen

"35 Prozent der Frauen sind weltweit sexueller Gewalt ausgeliefert, werden zu Sex oder gewissen sexuellen Praktiken gezwungen und sind deswegen mehr von Depressionen und Abtreibungen betroffen", sagte Manderscheid, "43 Prozent leiden unter psychischer Gewalt des Partners." Die Gewalt gegen Frauen, die sich auch in wirtschaftlicher Gewalt ausdrücken könne, wenn Frauen vom Partner finanziell kurz gehalten werden, sei in den letzten Jahren gleich geblieben. "800 Einsätze wegen häuslicher Gewalt und fast 300 Wegweisungen pro Jahr sind zudem relativ viel für so ein kleines Land", betonte Manderscheid.

Lücke im Gesetz: Psychische Gewalt ist nicht aufgeführt

Sie verwies auch auf eine Gesetzeslücke, denn die psychische Gewalt ist bislang nicht strafbar. "Wir müssen Wege finden, damit auch diese Form der Gewalt aufhört", forderte die Präsidentin des Frauenrats. Des weiteren müsste die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung auf 30 Jahre angehoben werden. Und bei Sexualdelikten und Vergewaltigung von Minderjährigen sollte die Verjährungsfrist von 30 Jahren erst ab der Volljährigkeit der Opfer anlaufen.

Neben diesen juristischen Forderungen geht es aber auch um ganz praktische Probleme. 220 Plätze bietet Luxemburg derzeit in seinen Frauenhäusern an. "Die Frauenhäuser platzen aus allen Nähten. Sie sind eigentlich nur übergangsweise für Notsituationen gedacht, aber manche Frauen sind schon jahrelang da, obwohl sie eine Arbeit haben und auch die Kinderbetreuung geregelt ist", klagte Manderscheid. Viele Vermieter wollen ihre Wohnung nicht an ein "schwaches" Gewaltopfer vermieten. Ihr Wunsch an die neue Regierung: Bezahlbare Sozialwohnungen schaffen und eine weitere Gesetzeslücke schließen. Denn der Fonds du Logement dürfe keine Wohnungen mehr an Vereinigungen ohne Gewinnzweck vermieten - das verschärfe die Situation in den Frauenhäusern zusätzlich.

 


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