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Ombudsfrau: Jugendhaftanstalt mit Verbesserungspotenzial
Politik 3 Min. 13.11.2019

Ombudsfrau: Jugendhaftanstalt mit Verbesserungspotenzial

Bei dem Gebäude in Dreiborn handelt es sich um eine geschlossene Anstalt, in ihr werden maximal zwölf Jugendliche gleichzeitig untergebracht.

Ombudsfrau: Jugendhaftanstalt mit Verbesserungspotenzial

Bei dem Gebäude in Dreiborn handelt es sich um eine geschlossene Anstalt, in ihr werden maximal zwölf Jugendliche gleichzeitig untergebracht.
Foto: LW-Archiv
Politik 3 Min. 13.11.2019

Ombudsfrau: Jugendhaftanstalt mit Verbesserungspotenzial

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Laut Claudia Monti werden die minderjährigen Straftäter zwar gut betreut, es hapert allerdings noch bei der Kommunikation mit den Jugendrichtern. Auch die anschließende Resozialisierung sei problematisch.

Die Unité de sécurité du CSEE (Unisec) existiert bereits seit zwei Jahren und leistet wertvolle Arbeit. Es handelt sich dabei nämlich um eine Strafanstalt für Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren, die andernfalls wegen der Schwere der von ihnen begangenen Straftaten in den Strafvollzug für Erwachsene integriert werden müssten. Am Mittwoch hat Ombudsfrau Claudia Monti ihren Kontrollbericht über die UNISEC vorgestellt. 

Dieser fällt alles in allem positiv aus. Sie und ihre beiden Mitarbeiterinnen hätten ihre Kontrollmission zwischen dem 20. Juli und dem 1. August 2018 durchgeführt. Monti betonte, dass um ein möglichst vollumfängliches Bild zu liefern, nicht nur mit der Direktion, sondern auch mit den Mitarbeitern gesprochen werde, die jeden Tag in direktem Kontakt mit den Jugendlichen stehen. Auch die minderjährigen Insassen konnten ihre Erfahrungen schildern. 

Nach ihrer Entlassung wissen viele nicht wohin 

Um eine möglichst individuelle Betreuung der jugendlichen Straftäter zu gewährleisten, werden höchstens zwölf aufgenommen, die wiederum in Einheiten von drei Personen aufgeteilt werden. Sie werden dabei nach Geschlecht getrennt. 

Obwohl Monti den Mitarbeitern bescheinigt, die Jugendlichen gut zu betreuen, bedeutet dies allerdings nicht, dass deren Resozialisierung einen Selbstläufer darstellt. Im Gegenteil, laut Monti existiert in Luxemburg keine Einrichtung, welche die in der Unisec geleistete Arbeit angemessen fortführt. 


Reportage Centre socio-éducatif,Dreiborn. Foto:Gerry Huberty
Schrassig oder Dreiborn
Jugendliche Straftäter dürfen nicht mit Erwachsenen zusammen in einem Gefängnis untergebracht werden, sagt Ombudsmann Claudia Monti. Unter Ausnahmesituationen schon, widerspricht die Generalstaatsanwaltschaft.

Zwar sei eine Eingliederung in die Erziehungsanstalten von Dreiborn respektive Schrassig möglich, aber nicht wirklich wünschenswert. Die Jugendlichen dort könnten die Neuankömmlinge aus der Unisec wegen der Härte ihrer Straftaten als coole Anführer betrachten, was für deren persönliche Entwicklung kontraproduktiv wäre. 

Eine Alternative bildeten die vielen Foyers für Jugendliche. Hier kritisiert Monti, dass diese sich jedoch oft weigerten ehemalige Insassen der Unisec aufzunehmen, da sie sich nicht für deren Betreuung gewappnet fühlten. Dabei handelt es sich für die Ombudsfrau um eine Diskriminierung. 

Kontakt mit Familie und Freunden fördern 

Ein anderer Kritikpunkt betrifft die mangelhafte Kommunikation zwischen den drei Jugendrichtern und den Insassen. Einige Jugendliche hätten nämlich berichtet, dass sie den jeweils für sie zuständigen Richter lange nicht mehr gesehen hätten. Für Monti sollte es idealerweise mindestens alle drei Monate zu einem persönlichen Gespräch kommen. Für die Jugendlichen sei es nämlich sehr wichtig, sich mitteilen zu können. 

Neben dem Kontakt mit dem Richter bezeichnete Monti jenen mit dem direkten Umfeld, also Familie und Freunde, als besonders wichtig. Dieser müsse zukünftig stärker gefördert werden, beispielsweise durch Besuche im Elternhaus. Momentan finden diese ausschließlich in den Räumlichkeiten der Unisec statt, auch Telefonate sind möglich. 


Centre Penitentiaire Schrassig, Prison, Foto Lex Kleren
Haftanstalt in Schrassig: Eine Stadt hinter Mauern
Hinter den Gefängnismauern in Schrassig liegt das Zuhause von rund 600 Straftätern. Nur die wenigsten Personen wissen aber, was sich hinter den Betonwänden verbirgt.

Auch in anderen Bereichen gibt es laut Bericht noch Verbesserungsbedarf. So beispielsweise beim Zugang zu ärztlicher Versorgung. Momentan ist es den Jugendlichen nur gestattet, die Einrichtung zu verlassen um operiert zu werden. Untersuchungen durch Fachärzte wie beispielsweise Zahnärzte oder Gynäkologen werden auf der eigentlich zu kleinen Krankenstation durchgeführt. 

Aufenthalt bis zum 25. Lebensjahr ist möglich

Gestoßen wird sich auch an der Tatsache, dass den Minderjährigen in Handschellen zum Haftantritt gebracht werden. Diese seien eigentlich nur anzulegen, wenn die Person eine Gefahr für sich oder andere darstelle und nicht weil eventuell Fluchtgefahr bestehe. Beim Justizministerium habe man diese Kritik zurückgewiesen. Diese Maßnahme gelte der Sicherheit der Beamten. 

Obwohl es sich um eine Einrichtung für Jugendliche handelt, kann die Altersobergrenze theoretisch bis auf 25 erhöht werden. Eine Beurteilung durch den zuständigen Richter findet alle drei Monate statt. Sollte die Obergrenze von zwölf Insassen erreicht sein, bedeutet dies aber nicht, dass ein anderer jugendlicher Straftäter automatisch im Gefängnis landet. Hier würden durchaus noch alternative Unterbringungsmöglichkiten bestehen. 



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