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Olai-Direktor Yves Piron: "Im Sommer 2017 wird sich die Situation zuspitzen"
Politik 21.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Olai-Direktor Yves Piron: "Im Sommer 2017 wird sich die Situation zuspitzen"

Olai-Direktor Yves Piron: "Wir fühlen uns alleine gelassen."

Olai-Direktor Yves Piron: "Im Sommer 2017 wird sich die Situation zuspitzen"

Olai-Direktor Yves Piron: "Wir fühlen uns alleine gelassen."
Foto: Charles Caratini
Politik 21.10.2016 Aus unserem online-Archiv

Olai-Direktor Yves Piron: "Im Sommer 2017 wird sich die Situation zuspitzen"

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Hilfeschrei von Olai-Direktor Yves Piron: Seine Integrationsbehörde fühle sich mit ihren Strukturen alleine gelassen. In den längerfristigen Unterkünften seien bald keine freien Betten mehr verfügbar.

(ml) - Ende September hatten sich Flüchtlinge über unannehmbare Zustände in der Aufnahmestruktur in Bourscheid beklagt. Ein Bewohner verglich das Flüchtlingsheim mit dem Gefängnis von Guantanamo. Das Office luxembourgeois de l'accueil et de l'intégration" (Olai) geriet erneut unter Beschuss.

"Wir fühlen uns mit unseren älteren Strukturen alleine gelassen", beschwert sich Olai-Direktor Yves Piron im Interview mit der Wochenzeitung "Woxx". Es fehle an Strukturen, um Flüchtlinge aufzunehmen. In den längerfristigen Olai-Unterkünften würden bereits in den kommenden zwei bis drei Wochen keine freien Betten mehr zur Verfügung stehen. Deshalb müsse man auf Strukturen zurückgreifen, die im Prinzip nicht mehr genutzt werden sollten.

"Anerkannte Flüchtlinge finden keine Wohnung"

Die Ursachen für die Engpässe seien vielfältig, so Piron. Mehrere Containerdörfer, die in der Planung sind, seien wegen juristischen Einsprüchen in Verzug geraten. Zudem würden viele Personen, denen das Flüchtlingsstatut erteilt wurde, keine Wohnung finden und deshalb in den Olai-Strukturen bleiben.

Hinzu kämen Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt worden sei, die aber aus irgendeinem Grund noch nicht in ihre Heimat abgeschoben wurden. Rund ein Drittel der Bewohner in den Olai-Strukturen seien Menschen, für die das Olai nicht zuständig sei, so Piron.

"Je enger wir die Leute unterbringen müssen, desto gespannter läuft das Zusammenleben ab", betont der Olai-Direktor. Die Asylverfahren, die derzeit länger als sechs Monate dauern, würden für zusätzlichen Frust sorgen. Konflikte, die auf ethnische oder religiöse Umstände zurückzuführen seien, gebe es innerhalb der Flüchtlingsunterkünfte nicht, unterstreicht der Olai-Direktor.

Ein Betreuer pro 160 Schutzsuchende

Eine Besserung scheint nicht in Sicht zu sein. Nach Einschätzung von Yves Piron werden die Flüchtlingsstrukturen spätestens im Frühsommer 2017 überbelegt sein. Derzeit verwaltet der Olai bis zu 70 Einrichtungen. Obwohl das Personal auf 100 Mitarbeiter verdoppelt wurde, stößt es an seine Grenzen. Eine Richtlinie sehe vor, dass sich ein Betreuer um 30 Asylbewerber kümmert, so Piron. Beim "Primo-Accueil" sei ein Mitarbeiter pro 50 Asylbewerber vorgesehen. Trotz Bemühungen lege das Verhältnis in Wirklichkeit bei eins zu 160.


 



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