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Ohne Dach, aber wenigstens medizinisch versorgt
Politik 2 Min. 27.10.2021
Universeller Zugang zum Gesundheitssystem

Ohne Dach, aber wenigstens medizinisch versorgt

Personen medizinische Versorgung garantieren, die bislang nicht erreichbar waren, soll mithilfe von Vereinigungen wie Médecins du Monde nun gelingen.
Universeller Zugang zum Gesundheitssystem

Ohne Dach, aber wenigstens medizinisch versorgt

Personen medizinische Versorgung garantieren, die bislang nicht erreichbar waren, soll mithilfe von Vereinigungen wie Médecins du Monde nun gelingen.
Foto: LW-Archiv/Claude Piscitelli
Politik 2 Min. 27.10.2021
Universeller Zugang zum Gesundheitssystem

Ohne Dach, aber wenigstens medizinisch versorgt

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Der Zugang für alle zur Krankenversicherung wird in Zusammenarbeit mit vier Vereinigungen verbessert. Rund 1.000 Personen sind betroffen.

Für Personen ohne Krankenversicherung soll es in Luxemburg künftig Erleichterungen geben. Über vier Vereinigungen, die der Initiative Ronnen Dësch angehören, soll dieser Gruppe zu einem CNS-Beitritt verholfen werden.


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Das Angebot an Bedürftige, denen die Mittel für eine Krankenversicherung fehlen, über den Staat versichert zu werden, gibt es bereits seit den 1990er-Jahren. Etwa 350 solcher Anträge gibt es pro Jahr. Dennoch: „Es gibt immer wieder Personen, die wir für einen Beitritt nicht erreichen konnten“, erklärte Sozialminister Romain Schneider (LSAP) am Mittwoch, als er mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) das neue Prinzip vorstellte.  

Ihnen wird von Vereinigungen, wie Médecins du Monde, Stëmm vun der Strooss, der Jugend- a Drogenhëllef oder dem Comité national de défense sociale bislang ehrenamtlich und praktisch geholfen. Nun bekommen diese Vereinigungen eine Unterstützung, um ihren Kunden auch den CNS-Zugang ermöglichen zu können. 

In Luxemburg leben und kein Einkommen haben

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Es gilt die übliche Wartezeit von drei Monaten, die für jede Neuversicherung gilt. „Damit ist auch Gesundheitstourismus nach Luxemburg ausgeschlossen“, präzisiert Schneider. Ein Eintrag im Melderegister ist nicht nötig, eine Adresse für Korrespondenz stellt eine der vier Vereinigungen zur Verfügung, die auch sicherstellt, dass es sich um in Luxemburg lebende Personen handelt. 

„Es gibt einen Paradigmenwechsel insofern, als wir nun auf diesen Personenkreis zugehen und nicht mehr darauf warten, dass sie sich bei der Versicherung selber anmelden“, betonte Schneider. Er rechnet mit 1.000 Personen, die dann eine normale CNS-Karte wie jeder Versicherte und auch Zugang zu allen Leistungen bekommen. Die Eigenbeteiligung trägt der Staat.

Geringe Kosten für eine essenzielle Hilfe 

Die Kosten der Initiative sind mit gut 2,2 Millionen Euro pro Jahr aber überschaubar: Der CNS-Beitrag für eine freiwillige Krankenversicherung liegt bei 1.440 Euro pro Jahr und Person, dazu kommen vier Sozialarbeiter und mehr Finanzhilfen  für die vier Vereinigungen, deren Konventionen mit dem Gesundheitsministerium entsprechend aufgewertet werden. Das seien nochmals 700.000 Euro pro Jahr, sagt Schneider. Sie sind im Budget 2022 vorgesehen. 


Homeless poor man sitting at street near box isolated flat vector illustration. Cartoon desperate, dirty and hungry person near trash. Charity and need concept
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Dieser universelle Zugang zur Gesundheitsversorgung, der vom Staat getragen wird, steht im Koalitionsprogramm, entspricht aber auch den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und den 17 Nachhaltigkeitszielen der UNO. Er war zudem in einem Forderungskatalog des Ronnen Dësch vorgesehen. Ende 2022 soll evaluiert und eventuell nachgebessert werden. 

Dem Ronnen Dësch gehören seit 2015 alle Vereinigungen an, die sich im Bereich Integration engagieren. Dessen Vertreter Serge Kollwelter begrüßte am Mittwoch die Initiative der Regierung, die sich in die Gesundheitsprävention einreiht. „Sie wird für die Gesellschaft auf Dauer billiger als wenn hinterher schwere Krankheiten behandelt werden müssen.“ 

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