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OGBL: "Prämie ist nur ein Trostpflaster"
Politik 2 Min. 20.04.2020

OGBL: "Prämie ist nur ein Trostpflaster"

In der Corona-Krise wurden pensionierte Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich, Studenten und Freiwillige mobilisiert. Die Krise hat gezeigt, dass im Gesundheits- und Pflegewesen Personal fehlt, sagt der OGBL, und fordert tiefgreifende Reformen für die Zeit danach.

OGBL: "Prämie ist nur ein Trostpflaster"

In der Corona-Krise wurden pensionierte Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich, Studenten und Freiwillige mobilisiert. Die Krise hat gezeigt, dass im Gesundheits- und Pflegewesen Personal fehlt, sagt der OGBL, und fordert tiefgreifende Reformen für die Zeit danach.
Foto: Gerry Huberty
Politik 2 Min. 20.04.2020

OGBL: "Prämie ist nur ein Trostpflaster"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Eine Prämie für das Gesundheitspersonal ist wichtig, löst aber die Probleme nicht, sagt der OGBL. Die Gewerkschaft fordert tiefgreifende Reformen, damit das Gesundheits- und Pflegewesen für die Zukunft besser aufgestellt ist.

Die Krise hat der Gesellschaft vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeitskräfte im Gesundheits- und Pflegewesen sind. Vielerorts klatschen die Bürger jeden Abend um 20 Uhr, um den Menschen Respekt zu zollen, die das Gesundheitssystem, aber auch andere Bereiche wie die Lebensmittelversorgung am Leben halten. Den Menschen mit einer Prämie zu danken, ist eine Sache, die von vielen, auch von Teilen der Politik gefordert wird. Doch damit ist es nicht getan, findet der OGBL. Was die Arbeitnehmer bräuchten, seien bessere Arbeitsbedingungen.

"Unser Gesundheitssystem braucht kein Pflaster in Form einer Prämie, sondern tiefgreifende Maßnahmen, um Lösungen für Probleme zu finden, die seit Langem bestehen und auf die der OGBL immer wieder hingewiesen hat", meinte Zentralsekretär Pitt Bach am Montag bei einer Videopressekonferenz. 


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"Wir müssen die richtigen Lehren aus dieser Krise ziehen. Das Gesundheitssystem muss in öffentlicher Hand bleiben. Privatwirtschaftliche Überlegungen führen zu einer Zwei-Klassen-Medizin und es ist klar, dass wir das nicht wollen", so Pitt Bach.

Das zentrale Problem, das in der Krise noch stärker zu Tage tritt als in normalen Zeiten, ist Bach zufolge der Personalmangel. "Dass wir jetzt in der Krise auf pensionierte Pflegekräfte und auf Studenten zurückgreifen, ist der Beweis, dass bereits im Normalfall Fachkräfte fehlen", erklärte Bach. 

Der OGBL forderte deshalb, dass ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den Personalmangel zu beheben. Konkret forderte Bach die Einführung von Standard-Dotationen im Krankenhaussektor. Dazu gehöre die Definition eines Personalschlüssels, d.h. wie viele Fachkräfte gebraucht werden, und man müsse festlegen, welche Qualifikationen in welchem Bereich gebraucht werden. "Immer nur auf dem Minimum zu arbeiten, können wir uns nicht leisten." 

Auch im Pflegesektor reiche das Personal hinten und vorne nicht. Deshalb müssten die Personaldotationen im Pflegesektor noch einmal neu berechnet werden, so Bach. 

Ausbildung von Fachkräften

Der Ausbildung kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Hier war es die Forderung, die Gesundheitsberufe attraktiv zu gestalten und den Zugang zur Ausbildung zu erleichtern, damit mehr junge Menschen sich für einen Gesundheitsberuf entscheiden. 


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Neben der Anerkennung, die dem Gesundheitspersonal jetzt entgegengebracht wird, sei es wichtig, den Arbeitnehmern gute Arbeitsbedingungen zu bieten, unabhängig davon, ob sie im Krankenhaussektor arbeiten, im Pflege- oder im Sozialsektor, so der OGBL-Zentralsekretär. Hier war es die Forderung, einen einheitlichen Kollektivvertrag für das gesamte Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen auf den Weg zu bringen, mit einer Anpassung nach oben an die günstigsten Modalitäten.


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