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OGBL: "Ohne uns geht nichts!"
Politik 16.07.2020 Aus unserem online-Archiv

OGBL: "Ohne uns geht nichts!"

Die Krankenhäuser erhalten nur 82 Prozent des eigentlich benötigten Personals.

OGBL: "Ohne uns geht nichts!"

Die Krankenhäuser erhalten nur 82 Prozent des eigentlich benötigten Personals.
Foto: Lex Kleren
Politik 16.07.2020 Aus unserem online-Archiv

OGBL: "Ohne uns geht nichts!"

Marc HOSCHEID
Marc HOSCHEID
Der Unabhängige Gewerkschaftsbund fordert Verbesserungen bei den Gesundheits- und Sozialberufen. Dazu gehören eine Aufstockung des Personals um zehn Prozent und ein Kollektivvertrag für die ganze Branche.

Eigentlich hatte das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen des OGBL mit einer Demonstration auf den Personalmangel im Sektor aufmerksam machen wollen, doch wegen der wieder ansteigenden Zahl von Corona-Infektionen plante man kurzfristig um und organisierte am Donnerstag stattdessen eine Pressekonferenz. Zentralsekretär Pitt Bach unterstrich dabei die gesellschaftliche Bedeutung der Gesundheits- und Sozialberufe, auch in Nicht-Krisenzeiten. 

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung der Zahl der Beschäftigten um zehn Prozent. „Wir hören in diesen Zeiten viel von gefährdeten Personen, aber der gefährdetste Patient ist der Gesundheits- und Sozialbereich selbst“, so Bach. Auch wenn die Gesellschaft nach der ersten Corona-Welle aufgeatmet habe, sei dies im Gesundheitssektor nicht der Fall gewesen, weil viele Patienten, die in der Krise auf einen Arztbesuch verzichtet hatten, diesen nachholten. 

Vor allem das Krankenhauspersonal arbeite an der Belastungsgrenze und unter enormem psychologischen Druck, wie Chantal Gantrel, Vizepräsidentin des Syndikats, eindringlich betonte. 

Ausbildung soll aufgewertet werden

Der Personalmangel sei in erster Linie auf das Projet de recherche en nursing (PRN) zurückzuführen. Mit diesem in Kanada entwickelten System wird hierzulande seit Anfang der 1990-er Jahren der Personalbedarf in Krankenhäusern berechnet. Dabei erhält ein Krankenhaus 82 Prozent des Personals, das es eigentlich bräuchte, was jedoch laut OGBL nicht ausreicht. 

Neben einer Aufstockung des Personalbestands fordert der Unabhängige Gewerkschaftsbund auch eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Um dies zu erreichen, sollen künftig alle Angestellten unter einen Kollektivvertrag, und zwar den aus dem Krankenhausbereich, fallen. Aktuell existiert neben diesem noch einer für soziale und Pflegeeinrichtungen. Neben einer Differenz von 15 bis 20 Prozent bei der Bezahlung gibt es vor allem Unterschiede bei den Regelungen zu Arbeitszeiten, Pausen und Urlaub. 


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Eine weitere Forderung betrifft die Aufwertung der Ausbildung. Hier solle wie im Ausland ein Bachelor- und Mastersystem eingeführt und somit die Attraktivität der Gesundheits- und Sozialberufe erhöht werden. Ein solches System erlaube nämlich einen leichteren Wechsel von einem Beruf in einen anderen und führe dazu, dass die Löhne an die höheren Diplome angepasst werden. 

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