Offizieller Besuch in Rumänien

Willkommen in Sibiu

Monumentale Prachtbauten und moderne Kunstveranstaltungen: Sibiu weiß die Besucher mit mehreren Facetten zu begeistern.
Foto: SIP / Julien Warnand

Von Bérengère Beffort (Sibiu)

Im Großherzogtum ist der Name in Erinnerung geblieben: Sibiu war 2007 die Partnerstadt von Luxemburg im europäischen Kulturjahr. Für viele Rumänen aus Transylvanien, und allen voran dem ehemaligen Bürgermeister Klaus Iohannis, der seitdem zum Präsidenten des Landes aufgestiegen ist, war es weit mehr als ein buntes Kulturprojekt. Die Partnerschaft sorgte für eine wahrhaftige Aufbruchstimmung in der Region.

"Ohne die Unterstützung Luxemburgs hätten wir damals gar nicht mitmachen können. Denn als die Teilnahme beschlossen wurde, war Rumänien noch nicht EU-Mitgliedstaat", erinnert sich die jetzige Bürgermeisterin von Sibiu, Astrid Fodor.

Sibiu wusste die Gunst der Stunde zu nutzen. Gebäude wurden von Grund auf restauriert, eine neue Dynamik wehte um die internationalen Gäste bestens zu empfangen. Mit den Touristen kamen neue wirtschaftliche Perspektiven.

Große Bühne für die wirtschaftliche Entwicklung

Zehn Jahre später wollen Rumänien und Luxemburg wieder näher zusammenrücken. Es sollen neu Projekte geschmiedet werden, die beide Länder beflügeln. Kulturell, im Tourismussektor, in der Wirtschaft mit einem vielversprechenden ICT-Sektor sowie auf politischer Ebene in Zeiten von Brexit und nationalen Einzelgängen in Europa.

Die kulturellen Verbindungen der letzten Jahre öffnen viele Türen. Man kennt sich, man mag sich und die rumänische Gastfreundschaft lässt die Herzen höher schlagen.

Beim offiziellen Besuch von Premierminister Xavier Bettel wurde die luxemburgische Delegation herzlich empfangen. Dabei war es nicht nur eine Visite in einer beschaulichen mittelalterlichen Kulisse, sondern ein regelrechtes Kulturbad in einer pulsierenden Stadt. Als die hohen Gäste aus Luxemburg eintrafen, hielt Sibiu sein  jährliches Theaterfestival ab.

Seit 23 Jahren veranstaltet Sibiu das weit über die Landesgrenzen hinaus beliebte Festival. "Zehn Tage lang treten rund 3.800 Schauspieler und Künstler auf. Wir erwarten schätzungsweise 600.000 Besucher", sagt Constantin Chiriac, Direktor des Radu Stanca Theater.

Kunst mit Signalwirkung: Die Theaterregisseure Charles Müller (l.) und Constantin Chiriac (r.) wurden für ihr grenzüberschreitendes Engagement gewürdigt. Die Zeremonie mit dem rumänischen Staatspräsidenten Klaus Iohannis, Bürgermeisterin Astrid Fodor und Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel fand im Rathaus von Sibiu statt.
Foto: SIP / Julien Warnand

Mit dabei ist auch der Luxemburger Theaterregisseur Charles Müller. Zusammen mit seinem rumänischen Kollegen hat er in den letzten Jahren zehn Werke inszeniert, die in Luxemburg und in Rumänien aufgeführt wurden. Zusammen wurden Charles Müller und Constantin Chiriac am Samstag im Rahmen der offiziellen Visite mit dem Ritterkreuz geehrt.

"Eure Arbeit ist beispielhaft. Sie zeigt, wie die Kultur den europäischen Geist beflügelt", lobte Präsident Klaus Iohannis. Theaterstücke würden zum besseren Verständnis zwischen den Kulturen beitragen.

Für die Künstler ist es die Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu fördern. So hat Chiriac seine Unterstützung für die Kandidatur von Esch-Alzette als europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2022 bekundet.

Neue Einladung nach Luxemburg

Erste kulturelle Verbindungen zwischen beiden Ländern gehen übrigens auf die 90er Jahre und die ehemalige Kulturministerin Erna Hennicot zurück. Die CSV-Politikerin und Musikprofessorin hatte Kontakte zu rumänischen Künstlern geknüpft. "Rumänien ist ein fantastisches Land, und leider zu oft verkannt", sagt sie heute noch.

Die guten Beziehungen will nun Premierminister Xavier Bettel fortsetzen. Die Bürgermeisterin von Sibiu wird in den kommenden Monaten von Bürgermeisterin Lydie Polfer in Luxemburg-Stadt empfangen werden. Oder wie es auch Xavier Bettel sagen würde: "Gute politische Verhältnisse pflegt man nicht nur in Brüssel".