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Bom dia Luxemburgo
Politik 3 Min. 09.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Offizieller Besuch in Cabo Verde

Bom dia Luxemburgo

Großherzog Henri (rechts), Minister Romain Schneider und Staatssekretärin Francine Closener brechen zu den Inseln im Atlantik auf.Corinne Cahen und Laurent Mosar verabschiedeten die Luxemburger Delegation.
Offizieller Besuch in Cabo Verde

Bom dia Luxemburgo

Großherzog Henri (rechts), Minister Romain Schneider und Staatssekretärin Francine Closener brechen zu den Inseln im Atlantik auf.Corinne Cahen und Laurent Mosar verabschiedeten die Luxemburger Delegation.
Guy Jallay
Politik 3 Min. 09.03.2015 Aus unserem online-Archiv
Offizieller Besuch in Cabo Verde

Bom dia Luxemburgo

Der Inselstaat Cabo Verde vor der Westküste Afrikas empfängt am Montag hochrangigen Besuch aus Luxemburg. Der Großherzog und Regierungsvertreter werden vier Tage im Partnerland der Luxemburger Entwicklungshilfe verbringen.

Von Bérengère Beffort

Der letzte Aufenthalt von Kooperationsminister Romain Schneider in Cabo Verde ist ein knappes Jahr her. Damals hatte er sich vor Ort über die Entwicklung des bis Ende 2015 laufenden PIC-Abkommens (programme indicatif de coopération) erkundigt und Verhandlungen für ein neues mehrjähriges Programm aufgenommen. „Die Zusammenarbeit ist ausgezeichnet“, befindet der Minister bevor er erneut zur Reise nach Praia, der Hauptstadt der Kapverden, aufbricht. 

Bei der offiziellen Visite werden sich nun der Großherzog, Minister Romain Schneider und die Staatssekretärin für Wirtschaft, Francine Closener, mit politischen Akteuren austauschen, erfolgreiche Projekte im Tourismusbereich besichtigen sowie neue wirtschaftsorientierte Programme in die Wege leiten.

Vom einstigen Status des „wenig entwickelten Landes“ hat sich Cabo Verde zum Land mit „mittlerem Einkommen“ hochgearbeitet. Luxemburg hat dem Inselstaat dabei einen Anschub gegeben. Erste Beziehungen zwischen beiden Ländern gehen auf die 80er-Jahre zurück, und 1993 wurde Cabo Verde zum bevorzugten Partnerland der Luxemburger Entwicklungshilfe. Seit 2002 läuft die Zusammenarbeit über mehrjährige PIC-Abkommen ab, deren Programme besonders das Bildungswesen und die berufliche Ausbildung, die Gesundheit, die Wasserversorgung sowie die Lebensmittelhilfe unterstützen.

Kooperationsminister Romain Schneider
Kooperationsminister Romain Schneider
Pierre Matgé

Nun soll die Partnerschaft für weitere fünf Jahre bis 2020 fortgesetzt werden. Anlässlich des Aufenthalts will Ressortminister Romain Schneider ein viertes PIC-Abkommen von 45 Millionen Euro unterzeichnen. „Cabo Verde wird das erste Land sein, mit dem wir ein viertes Abkommen eingehen. Die Zusammenarbeit liegt uns am Herzen, und das auch, weil eine bedeutende kapverdische Gemeinschaft in Luxemburg lebt“ so der Minister.

In Luxemburg wohnen rund 2500 Personen mit einem kapverdischen Pass. Die Gemeinschaft ist aber umfassender, weil mittlerweile viele Kinder von Migranten die Luxemburgische Nationalität haben und ihre Eltern zum Teil die doppelte Staatsbürgerschaft beantragten. Vereinigungen sprechen von bis zu 11 000 Personen.

Sonne auf den Tellern

Das Archipel hat Felisberto Borges vor 27 Jahren verlassen, um in Luxemburg ein neues Leben aufzubauen. „Ich kam zuerst meinen Cousin besuchen und bin späterhin hier geblieben“, erzählt der Besitzer des Restaurant „Ociani“, das kreolische Gerichte der Kapverden im hauptstädtischen Bahnhofsviertel anbietet. Die Arbeit in der Gaststätte teilt er sich mit seiner Frau Maria, die gemeinsamen Kinder sind hier groß geworden und so hat die Familie neue Wurzeln in Luxemburg geschlagen. „Die Sonne aus Cabo Verde fehlt mir aber schon ein bisschen“, so Felisberto.

Das Heimatland hat Maria vor vier Jahren besucht und eine positive Entwicklung festgestellt: Die Infrastrukturen für Strom und Wasser sowie der Tourismussektor hätten sich stark entwickelt. Ob das Paar den Ruhestand auf Insel Santiago verbringen möchte, ist noch nicht entschieden. „Unsere Kinder sind hier in Luxemburg, so dass wir nicht allzu weit entfernt von ihnen sein möchten“, sagen Felisberto und Maria. 

Kapverdische Köstlichkeiten bietet Felisberto Borges in seinem Restaurant im hauptstädtischen Bahnhofsviertel an.
Kapverdische Köstlichkeiten bietet Felisberto Borges in seinem Restaurant im hauptstädtischen Bahnhofsviertel an.
Bérengère Beffort

Die ehemalige portugiesische Kolonie Cabo Verde war lange ein Auswanderungsland und auch heute noch suchen viele junge Leute ihr Glück auf dem Kontinent. Nur wenige kehren zurück. „Die Luxemburger Kooperation trägt wesentlich zum Bildungswesen in Cabo Verde bei. Die Schulgebäude verfügen über eine moderne Ausstattung, allerdings fehlt es nach dem Abschluss an beruflichen Perspektiven“, schildert David Foka, der sich mit der Vereinigung „Maison de l'Afrique“ für Hilfsprojekte einsetzt. Er spricht sich für mehr Mikrofinanzierung aus, um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Kleine Darlehen könnten dazu beitragen, ein Geschäft oder eine handwerkliche Tätigkeit zu starten. „Wer sich selbstständig macht, neigt weniger dazu, das Land zu verlassen“, gibt Foka zu bedenken.

Mikrokredite sind ein Element der Luxemburger Entwicklungshilfe. Gute berufliche Perspektiven knüpft Luxemburg auch an ein neues Zentrum für erneuerbare Energien. Beim offiziellen Besuch wird die Delegation das Zentrum einweihen. „Die Einrichtung bündelt berufliche Ausbildungsmöglichkeiten, unternehmerische Aktivitäten in einem Cluster so wie eine Forschungsstätte“, erklärt Romain Schneider.

Neue Chancen und Fortschritte

Dass sich mehr Luxemburger Firmen auf dem Markt der Energieversorgung einbringen könnten, sieht der Minister als Chance zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Ziel der Kooperationshilfe sei es aber nicht, Luxemburger Betriebe zu begünstigen. „Wir setzen uns vorrangig für die Armutsbekämpfung und Entwicklungshilfe ein“, versichert Schneider.

Die Entwicklungszusammenarbeit in Cabo Verde wird in den kommenden Jahren in den bewährten Kompetenzfeldern und im Energiebereich fortgesetzt. In Sachen Gesundheitserziehung will sich Luxemburg angesichts der erreichten Fortschritte dann zurückziehen. Finanziell aufgestockt wird vielmehr die budgetäre Hilfe, um die Ziele der kapverdischen Regierung im Bildungswesen zu fördern.


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Editorial
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Minister Romain Schneider zur Entwicklungshilfe
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