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Nur 40 Prozent haben bislang geboostert
Politik 2 4 Min. 10.11.2021
Corona-Situation

Nur 40 Prozent haben bislang geboostert

Nur 40 Prozent nahmen bislang die Boosterimpfung in Anspruch. Es erging der Aufruf, sich beim Hausarzt beraten zu lassen, wenn man Fragen hat.
Corona-Situation

Nur 40 Prozent haben bislang geboostert

Nur 40 Prozent nahmen bislang die Boosterimpfung in Anspruch. Es erging der Aufruf, sich beim Hausarzt beraten zu lassen, wenn man Fragen hat.
Foto: Guy Wolff/LW-Archiv
Politik 2 4 Min. 10.11.2021
Corona-Situation

Nur 40 Prozent haben bislang geboostert

Annette WELSCH
Annette WELSCH
Gesundheitsministerin Paulette Lenert macht sich Sorgen um den Impfschutz. Entscheidung zu weiteren Auffrischungen Ende nächster Woche.

Die Zahlen der Neuinfektionen gehen hoch, zwar nur von 1.120 auf 1.211 Fälle - um acht Prozent - in der vergangenen Woche, aber verschiedene Phänomene bereiten Sorgen. Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) wandte sich denn am Mittwoch auch nochmals an die Öffentlichkeit und rief zur Impfung auf. 

Bei den Neuinfektionen zeige sich, dass die Infektionsquote bei 283 pro 100.000 Personen bei den nicht Geimpften liegt, bei den Geimpften nur bei 139 pro 100.000 Personen. „Das ist ein großer Unterschied. Dazu kommt, dass man sich zwar noch anstecken kann, aber das Risiko schwer zu erkranken extrem reduziert ist.“   

Drei Viertel der Hospitalisierten nicht geimpft

Denn auch bei den Hospitalisierungen zeigt sich: Drei Viertel (17 von 29) Patienten auf der Normalstation sind nicht geimpft, die Geimpften machen dort eine Minorität aus. „Zehn von den 13 Personen auf Intensiv sind nicht geimpft und die Geimpften dort sind fortgeschrittenen Alters und haben Vorerkrankungen.“ 

Lenert erinnerte daran, dass 200.000 Menschen in Luxemburg noch nicht geimpft sind, teils weil es Kinder unter 12 Jahren sind, teils weil sie aus Krankheitsgründen nicht dürfen. Dennoch: Rund 100.000 impffähige Personen zögern und das bereitet Sorgen. „16 Prozent der über 65-Jährigen sind nicht geimpft, dabei tragen sie ein hohes Erkrankungsrisiko“, mahnte die Ministerin und forderte sie auf, sich beim Hausarzt Beratung zu suchen, sollten Fragen bestehen. 

„Lassen Sie sich impfen, es ist der einzige Weg, um wieder Normalität zu bekommen. Und machen Sie es aus Rücksicht für die, die sich nicht schützen können. Bei Kindern gibt es zum Beispiel nur einen leichten Erkrankungsverlauf, sie können aber Long Covid bekommen.“

Boosterimpfung ist notwendig

Für die Impfung bei Kindern über fünf Jahren, wie sie in den USA begonnen wurden, warte man derzeit noch auf Daten über die Sicherheit. „Die USA hatten viele Covid-Todesfälle bei Kindern mit Übergewicht“, erklärte Lenert die Maßnahme.


IPO , PK Corinne Cahen u. Paulette Lenert , Situation Covid Altersheime , Corona , Covid-19 , Sars-CoV-2 , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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Hauptsächlich ging es aber um die Impfauffrischungen, denn es ist ja mittlerweile bekannt, dass die Schutzwirkung mit der Zeit nachlässt. Bekanntlich sollen nun alle über 65-Jährigen sowie das Gesundheitspersonal eine Boosterimpfung zur Auffrischung des Schutzes erhalten. Das hatte der Conseil Supérieur des Maladies Infectieuses (CSMI) am Montag empfohlen

Dessen Präsidentin Dr. Thérèse Staub erklärte, dass die dritte Impfung notwendig wurde, weil die ersten Personen im Dezember und viele dann im Januar und Februar erstmals geimpft wurden und sie sich jetzt wieder mehr infizieren. Auch die Erfahrungen aus Israel zeigen, dass nach sechs bis acht Monaten weniger Immunität auftritt. 

Nur 40 Prozent bislang geboostert

Die Drittimpfung, die für die Altersheimbewohner und über 70-Jährigen schon empfohlen wurde, wurde indes bislang nur von 40 Prozent in Anspruch genommen. Die Kreuzimpfung mit einem mRNA-Impfstoff bei den mit Janssen Einmal-Geimpften nur zu 30 Prozent. „Da ist noch Luft nach oben“, mahnte Lenert. 

Die Regierung wird sich nächste Woche noch einmal mit dem Thema befassen und Ende nächster Woche Entscheidungen bekannt geben. Im Raum steht die Frage der Boosterimpfung für alle. „Wir berücksichtigen die Gutachten der Experten und die wollten erst nur bei den Älteren auffrischen“, betonte Lenert.„Wir sind uns bewusst, dass die Zeit läuft und werden zeitnah Entscheidungen treffen.“ 

Wir sind uns bewusst, dass die Zeit läuft und werden zeitnah Entscheidungen treffen.

Paulette Lenert

Genug Impfstoff zum Boostern für alle

Von der Logistik und vom Impfstoffnachschub her gebe es keine Probleme. Es würde reichen, um alle zu boostern. Dr. Staub erklärte, dass eine Auffrischung  erst nach sechs bis acht Monaten nötig sei, die im Juli Geimpften also noch Zeit haben. 

Gesundheitsdirektor Dr. Jean-Claude Schmit konnte vermelden, dass in den Alters- und Pflegeheimen im Vergleich zum letzten Jahr fast keine Infektionen aufgetreten sind. „Das ist der Beweis, dass die Impfungen und die Booster gut funktionieren.“ Er appellierte an die älteren Personen, die zu Hause leben, sich beim Hausarzt zu melden und die Auffrischung zu machen. Ernsthafte Nebenwirkungen seien nach wie vor selten - auch bei den Boosterimpfungen. 

Treffen mit den Religionsgemeinschaften

In der vergangenen Woche waren fünf Todesfälle zu beklagen. Die meisten seien sehr alte Menschen, teils mit Vorerkrankungen. Es gab aber rezent auch drei Todesfälle bei ungeimpften Personen, die zwischen 60 und 70 Jahre alt waren. „Es ist beunruhigend und bedauerlich, dass sie in so frühem Alter starben“, sagte Schmit.  

Lenert hatte sich gemeinsam mit Premierminister Xavier Bettel (DP) am Mittwoch auch mit den Vertretern der religiösen Gemeinschaften in Luxemburg über die epidemiologische Lage ausgetauscht. Nun wolle man in den kommenden Wochen eng zusammenarbeiten, um die religiösen Feste zum Jahresende im Respekt der Covid-Regeln ablaufen, hieß es in einer Mitteilung.

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