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Norden: Blaues Auge für die DP
Politik 3 Min. 14.10.2018

Norden: Blaues Auge für die DP

Bleibt die CSV auch deutlich stärkste Kraft im Landesnorden, so wurden gestern doch auch hier die kleineren Parteien gestärkt. Wirklich profitieren konnte davon aber nur die ADR, die mit Jeff Engelen künftig wieder einen Nordvertreter an den Krautmarkt schickt.

Norden: Blaues Auge für die DP

Bleibt die CSV auch deutlich stärkste Kraft im Landesnorden, so wurden gestern doch auch hier die kleineren Parteien gestärkt. Wirklich profitieren konnte davon aber nur die ADR, die mit Jeff Engelen künftig wieder einen Nordvertreter an den Krautmarkt schickt.
Foto: Nico Muller
Politik 3 Min. 14.10.2018

Norden: Blaues Auge für die DP

John LAMBERTY
John LAMBERTY
Die Mitte schrumpft, die Ränder wachsen: Diese Bilanz offenbart auch das Wahlresultat im Landesnorden. Dennoch brach die Region am Sonntag mit manch nationalem Trend. Während die CSV ihre Verluste hier weitgehend begrenzen konnte, stürzte die DP geradezu ab.

Dass ein Charles Goerens als Zugpferd kaum zu ersetzen sein würde, dessen war man sich bei der DP wohl schon vor dem Urnengang bewusst. Wie sehr der nationalpolitische Abgang des langjährigen Spitzenmannes nach der vergangenen Parlamentswahl schmerzt, das offenbarte dennoch erst das Wahlresultat vom Sonntag.


14.10.2018 Luxembourg, Beggen, Politik,  Wahlen 2018, Parlamentswahlen 2018, élections législatives, Wahlbüro Beggen, Urne, Piratepartei, Piraten Lëtzebuerg  photo Anouk Antony
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Hatte die DP 2013 – nicht zuletzt dank des hervorragenden persönlichen Abschneidens von Charles Goerens – noch 23,71 Prozent der Stimmen im Norden geholt, so stürzten die Liberalen am Sonntag doch deutlich ab. Mit 17,13 Prozent stand am Ende das schlechteste Ergebnis seit 1964 da. Eine Bilanz, die im Vergleich zu den DP-Resultaten in anderen Landesteilen zwar ernüchternd ausfällt, die letztlich aber dennoch nur einem blauen Auge gleichkommt.

Trotz der Verluste behalten die Liberalen im Norden nämlich ihre beiden Sitze, wobei der amtierende Agrarminister Fernand Etgen und der Abgeordnete André Bauler die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Dem bisherigen Wohnungsbauminister Marc Hansen könnte der Sprung ins Parlament demnach höchstens noch über ein eventuelles Nachrutschen im Falle einer erneuten Regierungsbeteiligung gelingen.

LSAP: Wie gewonnen,so zerronnen

Eines ihrer beiden Mandate abgeben muss dagegen die LSAP, die 2013 noch mit knapper Not einen zusätzlichen Sitz im Ösling ergattert hatte. Mit einem Minus von 1,35 Prozent im Vergleich zur letzten Wahl konnten die Sozialisten ihre Verluste in der Region gleichwohl in Grenzen halten. Als Fels in der Brandung erwies sich bei der LSAP dabei einmal mehr der frühere Wiltzer Bürgermeister und amtierende Sozial- und Sportminister Romain Schneider, der mit 12 331 Stimmen doch deutlich vor dem zweitplatzierten Député-maire Claude Haagen aus Diekirch mit 7 721 Stimmen landete.

Obwohl die LSAP in Wiltz wie in Diekirch stärkste Kraft wurde, hat damit bis auf Weiteres nur Romain Schneider seinen Platz in der Abgeordnetenkammer sicher. „In Diekirch haben wir gut abgeschnitten. Aber als Parteipräsident den Sitz im Norden zu verlieren, tut mir persönlich noch mehr weh“, zeigte sich Claude Haagen gestern Abend denn auch zerknirscht darüber, dass die LSAP ihre Stimmenverluste im Gegensatz zu anderen Wahlverlierern im Bezirk zugleich mit einem Sitz bezahlen muss.

Wahren Grund zum Feiern gibt es aus Sicht der bisherigen Regierungskoalition dagegen auch im Norden lediglich bei den Grünen. Bleibt es trotz eines Zugewinns von 3,97 Prozent auf nunmehr 12,98 Prozent auch bei einem Sitz in der Region, so konnte das Loch, das der unerwartete Tod von Staatssekretär Camille Gira zuletzt gerissen hatte, doch zumindest an der Wahlurne geschlossen werden.

Getragen von den nationalen Zugewinnen seiner Partei und einem beeindruckenden persönlichen Resultat konnte der frisch gebackene Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastrukturen, Claude Turmes, gleich 11 243 Stimmen für sich verbuchen. Ein stolzes Ergebnis, das Turmes am Sonntagabend dennoch in den Hintergrund zu rücken suchte: „Ich bin unglaublich zufrieden und ich freue mich für Camille. Ich freue mich für die grüne Idee im Norden“, so Turmes.

ADR stellt wieder einen Nordabgeordneten

Über einen Stimmenzuwachs, der sich auch in einem zusätzlichen Sitz niederschlägt kann sich unterdessen die ADR freuen, die nach 2009 mit Jeff Engelen aus Trotten erstmals wieder einen Nordvertreter in die Abgeordnetenkammer entsenden darf. War man 2013 noch im Bezirk auf 6,36 Prozent abgestürzt, so schrammte man nun mit 9,79 Prozent nur knapp an der Zehn-Prozent-Hürde vorbei – das landesweit beste Resultat für die Alternativ Demokratesch Reformpartei.

Einen erstaunlichen Achtungserfolg erzielten aber auch im Norden die Piraten, die ihr Resultat im Vergleich zu 2013 von 3,37 auf 7,67 Prozent mehr als verdoppeln konnten. Wie ADR und Piraten profitierten am Sonntag aber auch Déi Lénk im Norden, wie in den übrigen Landesteilen, von einer generellen Stärkung der vermeintlich kleineren Parteien, auch wenn deren Ausbeute mit 3,53 Prozent im Nordbezirk doch deutlich hinter dem Auftrumpfen der Piraten zurückblieb.

CSV hält Verluste im Ösling weitgehend in Grenzen

Die Abstrafung der Etablierten und die Zersplitterung der Parteienlandschaft ging gestern zwar auch im Ösling nicht an der CSV vorbei, dennoch schlugen sich die Christlich-Sozialen mit 32,23 Prozent und einem Stimmenverlust von gerademal 1,46 Prozent hier im Vergleich zu ihren Parteikollegen in den anderen Regionen mehr als beachtlich. Mit 20 249 Stimmen wurde vor allem Spitzenkandidatin Martine Hansen ihrer Rolle vollauf gerecht.

Die CSV bleibt mit vier Mandaten denn auch deutlich stärkste Kraft im Norden – und außer in Wiltz und Diekirch auch in allen Gemeinden des Bezirks. Neben Martine Hansen ziehen mit Marco Schank, Emile Eicher und Aly Kaes dabei auch gleich drei bisherige Députés-maires zurück an den Krautmarkt. Zumindest in dieser Hinsicht setzten die Wähler am Sonntag also auf Bewährtes.


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