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Nicht nur wiederverheiratete Geschiedene
Politik 2 Min. 03.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Hohe Erwartungen und eine heftige Kontroverse

Nicht nur wiederverheiratete Geschiedene

Gläubige beten auf dem Petersplatz zu Beginn der Bischofssynode zu Ehe und Familie.
Hohe Erwartungen und eine heftige Kontroverse

Nicht nur wiederverheiratete Geschiedene

Gläubige beten auf dem Petersplatz zu Beginn der Bischofssynode zu Ehe und Familie.
AFP
Politik 2 Min. 03.10.2014 Aus unserem online-Archiv
Hohe Erwartungen und eine heftige Kontroverse

Nicht nur wiederverheiratete Geschiedene

Die öffentlich geführte Theologen-Kontroverse um die wiederverheirateten Geschiedenen hat die Erwartungen an die Bischofssynode nochmals gesteigert.  Ein höchst brisantes Thema, bei dem die Vorstellungen der Kirche und die Lebenspraxis ihrer Gläubigen zunehmend auseinanderdriften.

Es ist die erste Synode im neuen Pontifikat. Papst Franziskus möchte diese Bischofsversammlungen stärker zu einem Instrument der Kollegialität machen, ihnen vielleicht sogar mehr Kompetenzen geben. Zudem will der neue Synodensekretär, Kardinal Lorenzo Baldisseri, das Treffen mit neuer Organisation und Methodik effizienter und dialogorientierter gestalten.

Thema der Außerordentlichen Synode, der im Herbst 2015 eine Ordentliche unter größerer Beteiligung der Ortsbischöfe folgt, ist das weite Feld neuer Lebensformen und Partnerschaften. Es geht um veränderte Mentalitäten und Moralvorstellungen.

Der Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene, den die katholische Kirche bislang untersagt, ist nur ein Teilaspekt - auch wenn Theologen seit den vorsichtigen und auf Einzelfälle beschränkten Öffnungssignalen von Kardinal Walter Kasper beim letzten Konsistorium energisch darüber streiten. Die Synodalen sprechen weiter über Ehen ohne Trauschein, über Scheidung, über Alleinerziehende, über Lebensschutz, über Homosexualität und über künstliche Empfängnisverhütung.

Strittige Vorschläge im Arbeitspapier

Neu war der Vorlauf, die Vorbereitung auf die Synode. Die obligatorische Umfrage im Weltepiskopat wurde diesmal ausgeweitet. Auch von der kirchlichen Basis, aus Diözesen und von Laienorganisationen trafen Antworten im Vatikan ein. Neu war zudem, dass auch strittige und kritische Reaktionen und Vorschläge in das "Arbeitspapier" der Synode eingingen und damit für die Beratungen zur Debatte stehen.

Die Kenntnis der kirchlichen Positionen zur Familie sei allgemein eher spärlich, zeigten diese Antworten. Es gelinge der Kirche heute in vielen Regionen nicht mehr, ihre Haltung zur Familie verständlich zu machen. Das gelte vor allem für die Aussagen des vielkritisierten Lehrschreibens "Humanae vitae" von 1968, in dem die künstliche Empfängnisverhütung abgelehnt wird.

Überraschend fand auch der Vorschlag Eingang in das Arbeitspapier, für den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen den Weg zu einer "zweiten oder dritten Ehe mit Bußcharakter" zu prüfen, nach dem Vorbild einiger orthodoxer Kirchen. Konkret waren weiterhin die Empfehlungen aus der Weltkirche für raschere Entscheidungen in Ehenichtigkeitsverfahren.

Die neue Offenheit im Vorfeld sagt freilich noch nichts über Verlauf und Ergebnis der Synode. Aber die Fragen sind gestellt und lassen eine rege Debatte erwarten. Zumal Baldisseri den Ablauf so gestalten will, dass es anstelle von Monologen und dem Verlesen vorgefertigter Statements zu einem echten Dialog und Austausch unter den Synodalen kommt.

Mehr Mitsprache für die Synode?

Aber noch entscheidender wird sein, welche Kompetenzen die Synode mit ihren Vorschläge haben kann und soll. In der Vergangenheit war sie ein Beratungsorgan für den Papst ohne eigene Kompetenzen. Sie bot stets ein interessantes Panorama vom Zustand und Denken in den verschiedenen Ortskirchen, ohne jedoch grundlegende Veränderungen in der Kirche auszulösen. Die Schlussdokumente gingen in der Regel kaum über die Einleitungspapiere hinaus.

Aber diesmal scheint offen und durchaus möglich, dass von dem Weltbischofstreffen tatsächlich Neuerungen oder Klärungen ausgehen, etwa zur strittigen Lage der wiederverheirateten Geschiedenen. Dies dürfte sich allerdings wohl erst nach der Ordentlichen Synode im kommenden Herbst endgültig entscheiden. Die Frage ist, ob Franziskus der Bischofssynode wie in der frühen Kirche oder wie bei der Orthodoxie mehr Mitsprache geben will. Und, ob er sie zu einem von der römischen Kurie unabhängigeren weiteren Instrument der Kirchenleitung machen möchte.


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