Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Nicht nur Gute-Nacht-Geschichten
Politik 19.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Neue Pflegeversicherung

Nicht nur Gute-Nacht-Geschichten

Die neue Pflegeversicherung soll nun voraussichtlich zum Anfang 2018 in Kraft treten.
Neue Pflegeversicherung

Nicht nur Gute-Nacht-Geschichten

Die neue Pflegeversicherung soll nun voraussichtlich zum Anfang 2018 in Kraft treten.
Foto: Shutterstock
Politik 19.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Neue Pflegeversicherung

Nicht nur Gute-Nacht-Geschichten

Bérengère BEFFORT
Bérengère BEFFORT
Die Reform der Pflegeversicherung stimmt die Seniorenheime und Pflegenetzwerke weiterhin skeptisch. Zwar gebe es neue positive Ansätze, wie die Nachtwachen, sagt der Dachverband Copas. Doch das reiche nicht aus.

(BB) - Zum 1. Januar 2017 hätte die neue Pflegeversicherung in Kraft treten sollen. Nun soll es Anfang 2018 sein. Alles werde gut, heißt es von politischer Seite. Trotz Nachbesserungen am Gesetzentwurf erheben die Pflegedienstleister weiterhin Einwände und Bedenken.

Bei den anfänglich restriktiv ausgelegten Stunden zur geistigen und körperlichen Förderung gebe es zwar Fortschritte, räumt Copas-Präsident Marc Fischbach ein. Auf der Generalversammlung des Dachverbands von Pflegeheimen und Hilfsnetzwerken hat er am Donnerstag eine gemischte Bilanz gezogen. Ein Großteil der Forderungen der Copas  sei von der Politik gehört worden. So sind zum Beispiel großzügigere Pauschalen vorgesehen, damit Pflegebedürftige entweder eine individuelle Betreuung von fünf Stunden beziehen oder sich bis zu 20 Stunden an Gruppenaktivitäten beteiligen können.

Allerdings: Die Copas vermisst immer noch ein Programm mit Vorsorgemaßnahmen, das die Autonomie älterer Menschen möglichst lange aufrechterhält. Insgesamt seien die Folgen von nicht mehr gewährten oder stark herabgesetzten Hilfsangeboten zu wenig durchdacht, kritisiert der Dachverband.

Nachtwachen im Angebot

Neu ist, dass fortan Nachtwachen von der Pflegeversicherung übernommen werden könnten. Die dafür entsprechenden Personalressourcen einfach nur hin und her zu schieben, sei allerdings nicht möglich, warnt die Copas. Dabei verweist der Verband auf unqualifizierte Mitarbeiter, die zurzeit pflegebedürftigen Personen bei den Einkäufen helfen und deren Leistungen künftig nicht mehr übernommen werden. Diese rund 160 Einkaufshilfen für die Nachtwachen einzusetzen, sei aber kaum realistisch.

„Für die Nachtwachen brauchen wir gut geschultes Personal. Auf Anhieb, und aus arbeitsvertraglicher Perspektive, ist das nicht so leicht zu 
bewerkstelligen“, erklärt der Copas-Präsident.

Ein ungutes Gefühl hat der Dachverband nicht zuletzt bei den Berechnungsgrundlagen für die Pflegeleistungen. Dass der Staat die Tarife und Leistungen je nach Wirtschaftslage ohne Weiteres einfrieren kann, sei schlicht inakzeptabel, urteilt Fischbach scharf. Denn letztlich würde die Pflege von wirtschaftlichen Entwicklungen abhängig gemacht.

Die Reform der Pflegeversicherung kann die Copas also nicht überzeugen. Fischbach bleibt skeptisch: „Pflegebedürftige riskieren, Verschlechterung zum jetzigen System zu erleiden.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Wie die 24-Stunden-Betreuung zu Hause funktioniert
Rund um die Uhr im Einsatz: Polnische Pflegerinnen kümmern sich 24 Stunden am Tag um ältere Menschen. Eine Alternative zur klassischen Altenpflege, die auch in Luxemburg gefragt ist – aber nicht nur Befürworter hat.
Reportage Fur Seniorendossier - Thema Wuerde im Alter, Rentner, Rente, Alter, Senioren, Seniorenheim, Altenpflege, Foto Lex Kleren
Die Gewerkschaft LCGB ist der Ansicht, dass die Reform der Pflegeversicherung überarbeitet werden muss, um Mängel zu beheben. Des Weiteren übt sie Kritik am Spitalgesetz aus.
Um die Mängel bei der Pflegeversicherung zu beheben, fordert der LCGB ein Treffen zwischen der Regierung und den Sozialpartnern.
Pflegeversicherung
Die Reform der Pflegeversicherung wird nicht wie geplant zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Wann sie kommen wird, ist ungewiss.
Die Reform der Pflegeversicherung lässt länger auf sich warten als geplant.
Tag und Nacht stand Liane Kieffer ihrem kranken Ehemann zur Seite. Dann musste sie selbst ins Spital. Doch wer kann einen pflegenden Angehörigen schnell ersetzen?
Dass der pflegende Angehörige selbst eine Auszeit brauchen könnte oder einen Unfall erleidet, wird von den Familien oft nicht bedacht.
Der Dachverband der Pflegedienstleister stellt die Reform der Pflegeversicherung in Frage. Mit dem neuen System sei der Zugang von Pflegebedürftigen zu hochwertigen Leistungen nicht gesichert, beklagt die Copas.
Copas-Präsident Marc Fischbach fasst die Sorgen der Pflegedienstleister zusammen: "Wir können im Reformtext keinen Mehrwert erkennen".
Reform der Pflegeversicherung
Der Dachverband der Pflegedienstleister bewertet die Einführung von Pflegestufen in der Assurance dépendance kritisch. Das angedachte Modell sei zu grob und riskiere mit dem Prinzip des individuellen Pflegerechts zu brechen, so die Copas.
Für Qualität und Professionalität: Ein zu grob gewähltes Stufensystem berücksichtigt nicht genug die individuellen Pflegebedürfnisse, so die Copas zu den Regierungsplänen.