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"Nicht die Debatten von gestern führen"
Politik 2 Min. 02.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Fedil-Direktor René Winkin zur Reform der Arbeitszeiten

"Nicht die Debatten von gestern führen"

René Winkin von der Fedil ist mit der Reform des Pan-Gesetzes nicht zufrieden, kritisiert aber auch den Ton der politischen Debatte.
Fedil-Direktor René Winkin zur Reform der Arbeitszeiten

"Nicht die Debatten von gestern führen"

René Winkin von der Fedil ist mit der Reform des Pan-Gesetzes nicht zufrieden, kritisiert aber auch den Ton der politischen Debatte.
Foto: Chris Karaba
Politik 2 Min. 02.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Fedil-Direktor René Winkin zur Reform der Arbeitszeiten

"Nicht die Debatten von gestern führen"

Christoph BUMB
Christoph BUMB
Das neue Pan-Gesetz sei nicht zufriedenstellend, aber nicht zentral zur Herstellung von mehr Wettbewerbsfähigkeit im Land, sagt René Winkin. Der Fedil-Direktor schlägt damit andere Töne an als seine Arbeitgeberkollegen von UEL und FDA.

(CBu/ml) - "Wir sollten lieber die großen Wirtschaftschancen des Landes nutzen als unsere ganze Energie auf die Führung der alten, unproduktiven Debatten zu verschwenden." René Winkin spricht Klartext zur Reform des Pan-Gesetzes. Der Fedil-Direktor ist zwar nicht zufrieden mit der Entscheidung der Regierung in Sachen Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Er nehme dies aber zur Kenntnis und betont im Interview mit dem "Luxemburger Wort" (Dienstagsausgabe) die "wirklichen Baustellen" zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Die Analyse der Fedil, die sich bisher mit einer Reaktion zurückgehalten hatte, sei allerdings im Kern die gleiche wie die der anderen Arbeitgebervertreter, betont Winkin. "Die neue Regelung fördert nicht die Flexibilität der Unternehmen. Im Gegenteil ist die neue Regelung rigider, weil man den Rückgriff auf die Referenzperiode noch früher planen muss." Zudem kämen auf die Unternehmen eventuell höhere Kosten zu, weil die Verlängerung der Referenzperiode mit zusätzlichen Urlaubstagen kompensiert werde.

"Wir nehmen das zur Kenntnis"

Gleichzeitig sagt Winkin aber, dass nur wenige Betriebe von dieser neuen Regelung betroffen sein bzw. davon Gebrauch machen würden. Die Reform werde dazu führen, "dass viele Betriebe bei einem Monat Referenzperiode bleiben und mit Überstunden fahren werden". Die von den Arbeitgebern erhoffte Flexibilität sehe eindeutig anders aus, so der Direktor des multisektoriellen Unternehmerverbandes, der allerdings auch die Art und Weise kritisiert, wie solche Entscheidungen zustande kommen und dann im öffentlichen Konflikt kommentiert werden.

Die Entscheidung der Regierung entspreche zwar nicht den Erwartungen der Unternehmen, man müsse damit jetzt aber arbeiten. "Wir nehmen das zur Kenntnis", so Winkin. Auf die ungewöhnlich heftige Reaktion anderer Patronatsvertreter äußert Winkin sowohl Verständnis als auch indirekt Kritik. "Jeder hat seine Art, zu reagieren, aber ein Dauerkonflikt mit der Regierung kann nicht die Lösung sein", sagt er. Eine Verschlechterung des Verhandlungsklimas sei jedenfalls nicht zielführend, weil man "mit der gleichen Regierung in Zukunft weiter verhandeln" müsse.

Steuerpolitik weiter eine Baustelle

Statt die "alten Debatten von gestern zu führen", betont Winkin die "wirklichen Baustellen", die der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit im Land im Weg stehen würden. Einerseits gehe es dabei um administrative Hürden. Andererseits um die Steuerpolitik. Letzteres Problem sei aus Sicht der Unternehmer nämlich "nur temporär gelöst".

"Die große Frage der Steuerbemessungsgrundlage ist immer noch absolut ungeklärt", so Winkin. Wenn der Druck aus dem Ausland zu einer Verbreiterung der Bemessungsgrundlage führe, komme man an einer weiteren Senkung des Körperschaftssteuersatzes jedenfalls nicht vorbei.

Das gesamte Interview mit Fedil-Direktor René Winkin lesen Sie in der Dienstagsausgabe des "Luxemburger Wort" sowie online als Abonnent von "Wort+".

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