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Neujahrsempfang der Handwerksvertreter: "Von der Politik im Stich gelassen"
Politik 2 Min. 13.01.2015

Neujahrsempfang der Handwerksvertreter: "Von der Politik im Stich gelassen"

Im März wird Norbert Geisen (r.) nach 20 Jahren an der Spitze der Fédération des artisans sein Amt niederlegen. In seiner Rede beim Neujahrsempfang der Handwerksvertreter - und somit einer Rede als "freier Mann", wie er selbst betonte - sparte er nicht mit Kritik an der Regierung.

Neujahrsempfang der Handwerksvertreter: "Von der Politik im Stich gelassen"

Im März wird Norbert Geisen (r.) nach 20 Jahren an der Spitze der Fédération des artisans sein Amt niederlegen. In seiner Rede beim Neujahrsempfang der Handwerksvertreter - und somit einer Rede als "freier Mann", wie er selbst betonte - sparte er nicht mit Kritik an der Regierung.
Guy Jallay
Politik 2 Min. 13.01.2015

Neujahrsempfang der Handwerksvertreter: "Von der Politik im Stich gelassen"

„Die Wirtschaft ist kein homogener Block“, verteidigten die Handwerksvertreter beim Neujahrsempfang ihre besonderen Anliegen. Von der Politik erhoffen sie sich mehr Gehör.

(BB) - „Politiker, Gewerkschafter und Arbeitgeber betrachten jeweils eine Situation unter dem Blickwinkel ihrer besonderen Erwartungen und Zwänge. Jeder einzelne ist von seinen Ansichten überzeugt und dennoch ist es in einer nationalen Debatte wichtig, nicht nur die Anschauungen des anderen zu kennen, sondern sie auch zu verstehen“, sagte Norbert Geisen beim Neujahrsempfang der Handwerkerföderation (FDA) und der Handwerkskammer am Dienstagabend. Für den FDA-Präsidenten war es auch eine Abschiedsrede, nach zwanzig Jahren im Amt. So war seine Ansprache noch etwas offensiver als in den Jahren zuvor. Norbert Geisen legte den Finger in offene Wunden, die sich etwa anlässlich der jüngsten Budgetdebatten Ende 2014 etwas mehr entzündet haben.

Wenn man das Land voranbringen wolle, genüge es nicht die Wahlen zu gewinnen, meinte Geisen in Richtung blau-rot-grüne Koalition. Es bedürfe auch zwischen den Wahlterminen einer konsequenten Politik von „Akzeptanz und Unterstützung für die vielen Akteure“, damit man zusammen neue Wege beschreiten könne.

Die Kommunikation gestalte sich allerdings als schwierig. „Wir haben das Gefühl, dass sich die Politik an unseren kritischen Bemerkungen stört“, so Norbert Geisen. Wenn die Wirtschaftsakteure und die Regierung aneinander vorbei reden, sei das sehr gefährlich für das Land. Generell würden sich viele Vertreter der kleinen und mittleren Betriebe "von der Politik im Stich gelassen fühlen".

Der Aufruf der „95 Prozent“

Nicht alles, was die Regierung unternehme sei zu bemängeln, wollte der FDA-Vorsitzende aber verstanden wissen. Die Bemühungen, die Staatsfinanzen zu sanieren und die öffentlichen Investitionen auf hohem Niveau zu halten, werden vom Handwerk anerkannt. Die Regierung solle dann ihrerseits anerkennen, dass die kleinen und mittleren Betriebe eine bedeutende Rolle für die Wirtschaft und das Land einnehmen.

„Die Diskussionen rund um die Steuervorentscheidungen (Rulings) haben von der Tatsache abgelenkt, dass eigentlich 95 Prozent der Betriebe weniger als 50 Mitarbeiter zählen. Das sind mittelständische Betriebe aus dem Handwerk, dem Handel, dem Gaststättengewerbe und dem Dienstleistungssektor. Das sind jene Betriebe, die Steuern zahlen, wenn zum Jahresende etwas übrig bleibt“, betonte Geisen.

Inwiefern sich die Arbeitgebervertreter und die Regierung näher kommen, wird sich schon knappe 24 Stunden nach dem Neujahrsempfang zeigen. Am 14. Januar ist ein Gespräch im Staatsministerium anberaumt.

Zwei neue Ausbildungszentren im Bausektor

Bei einer vorigen Unterredung im Dezember hatte Premier Xavier Bettel auf ein „Jobpakt“ hingewiesen. Einen Beitrag der Betriebe bei der Ausbildung junger Menschen sowie Arbeitssuchenden machte Norbert Geisen beim Neujahrsempfang am Beispiel des Projekts „Luxbuild“ fest, das Fachkräfte ausbilden soll. Dabei sollen eigene Beiträge der Betriebe zwei neue Kompetenzzentren finanzieren. Eine berufsübergreifende Vereinbarung ist derzeit mit allen Partnern des Sektors in Ausarbeitung.