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Neujahrsempfang der Handwerkskammer: "Muss man denn Google heißen...?"
Politik 2 Min. 09.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Neujahrsempfang der Handwerkskammer: "Muss man denn Google heißen...?"

Die Handwerkskammer lud am Dienstag zum Neujahrsempfang in ihre Räumlichkeiten in Kirchberg ein.

Neujahrsempfang der Handwerkskammer: "Muss man denn Google heißen...?"

Die Handwerkskammer lud am Dienstag zum Neujahrsempfang in ihre Räumlichkeiten in Kirchberg ein.
Foto: Pierre Matgé
Politik 2 Min. 09.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Neujahrsempfang der Handwerkskammer: "Muss man denn Google heißen...?"

Michèle GANTENBEIN
Michèle GANTENBEIN
Die Chambre des métiers lud am Dienstag zum Neujahrsempfang ein und nutzte die Gelegenheit, um an alte Forderungen zu erinnern und die Politik auf deren Versäumnisse aufmerksam zu machen.

(mig) - Luxemburg geht es wirtschaftlich gut. Darüber sollte man sich freuen, aber nicht allzu lange darauf bauen, warnte der neue Präsident der Handwerkskammer, Tom Oberweis, am Dienstag anlässlich des traditionellen Neujahrsempfangs in Anwesenheit zahlreicher Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Vielmehr müsse man das Land politisch und wirtschaftlich so aufstellen, dass es einer nächsten Krise standhält und künftige Generationen nicht ins Straucheln geraten. "Lasst uns gemeinsam und im Dialog die Herausforderungen unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung angehen", so der Appell des Vorsitzenden an die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen.

Die Steuerreform, der Pakt Pro Artisanat mit der Regierung und die geplanten Investitionsmaßnahmen würden sich mittelfristig positiv auf das Handwerk auswirken, sagte Tom Oberweis. Als betriebsunfreundlich hingegen bezeichnete der landesweit bekannte und erfolgreiche Unternehmer die neue Arbeitszeitregelung und den Elternurlaub. Beide Maßnahmen würden die Organisation in den Klein- und Mittelbetrieben erschweren.

Wie die Arbeitnehmerkammer am Montag wies der Vertreter der Arbeitgeber die politisch Verantwortlichen auf nicht umgesetzte Versprechen  aus dem Abkommen mit der Regierung hin (Lohnfortzahlung, Reform des qualifizierten Mindestlohns, Anpassung der Löhne an die Produktivitätsentwicklung). Oberweis forderte die Regierung auf, die Maßnahmen umzusetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Produktivität der Betriebe zu erhöhen.

Stillstand in der Landesplanung

Kritik musste die Regierung auch in Sachen Landesplanung einstecken. Im Staatshaushalt seien 65 Millionen Euro für den Kauf von Grundstücken für Betriebsansiedlungen eingeplant, doch ohne sektorielle Leitpläne gäbe es in dieser Angelegenheit kein Fortschreiten. "Muss man denn wirklich Google heißen, um hierzulande ein Grundstück zu bekommen?", so Oberweis' überspitzte Formulierung.

Auch wenn Luxemburg sich gerne als Start-up-Nation sehe, dürfe man nicht vergessen, dass das Land in erster Linie eine Nation der Klein- und Mittelbetriebe sei. Oberweis forderte eine verstärkte Mittelstandspolitik, die den Perspektiven eines neuen Wachstumsmodells gerecht wird, in die Aus- und Weiterbildung investiert und die Betriebe frühzeitig auf die vierte industrielle Revolution vorbereite. "Wir fordern die gleichen Auflagen für die virtuelle wie für die reale Wirtschaft, damit alle Betriebe ihre sozialen und steuerlichen Pflichten gleichermaßen erfüllen", so Oberweis. 

Mindestlohndebatte

Der Vorsitzende der Handwerkskammer sprach sich im Übrigen gegen eine Erhöhung des Mindestlohns aus, wenn die Debatte losgelöst von Produktivitätsüberlegungen geführt wird. Das sei unverantwortlich und setze die Zukunft zahlreicher Betriebe und der Beschäftigten aufs Spiel.

"Eine politisch gesteuerte Lohnpolitik ist keine Lösung für das Wohnungsproblem in diesem Land", so Oberweis. Um den Ärmsten der Gesellschaft unter die Arme zu greifen, forderte er "eine effiziente und selektive Sozialpolitik, die den Familien unter anderem auch bei der Wohnungsfrage hilft".

Nationaler Notstand

Oberweis bezeichnete die Wohnungssituation als nationalen Notstand, dem nicht mit einzelnen gut gemeinten Initiativen beizukommen sei. Er forderte die Politik auf, die Wohnungsnot ressort- und parteiübergreifend als Priorität anzugehen.

In eigener Sache war es noch die Aussage, dass die Handwerkerföderation in zwei Monaten eine neue Internetplattform lancieren wird, "mit innovativen Lösungen für die Betriebe und ihre Kunden". Außerdem wird in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium ein weiteres Kompetenzzentrum eröffnet, das die Betriebe beim Übergang in das Zeitalter der Digitalisierung begleiten wird. 


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WI,Chambre des Métiers,Pot des Présidents.Tom Oberweis,Michel Reckinger. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort